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„Etwas, worauf man stolz sein kann“: Potsdamer OB lobt Kasseler Galeria-Konzept

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Von: Kathrin Meyer

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Nicht nur ein Kaufhaus: In der Kasseler Galeria-Filiale kann man nicht nur von Lebensmittel bis Kleidung alles kaufen, sondern auch seinen Ausweis oder ein Paket abholen.
Nicht nur ein Kaufhaus: In der Kasseler Galeria-Filiale kann man nicht nur von Lebensmittel bis Kleidung alles kaufen, sondern auch seinen Ausweis oder ein Paket abholen. © Andreas Fischer

Nach der Insolvenz der Warenhauskette Galeria verrät der Potsdamer Oberbürgermeister, was er nach einem Besuch in Nordhessen vom Konzept in Kassel hält.

Kassel – Mike Schubert ist gelernter Einzelhändler. Seine Ausbildung hat er bei der Warenhauskette Hertie gemacht, die später von Karstadt übernommen wurde. Das Thema Kaufhaussterben ist dem Potsdamer Oberbürgermeister, der Mitglied in der SPD ist, also auch ein persönliches Anliegen. Kürzlich war Schubert in Kassel, um sich die Galeria Karstadt Kaufhof in Kassel anzusehen, und Anregungen mit nach Potsdam zu nehmen.

Die dortige Filiale stand bereits bei der letzten Insolvenz des Handelsriesen kurz vor der Schließung. Größenmäßig ist die Potsdamer Filiale mit der Kasseler zu vergleichen. Schon bei der ersten Insolvenz 2020 habe man überlegt, was man machen könne, um Menschen wieder in die Innenstädte zu bringen, sagt Schubert.

Galeria in Kassel: Einzelhandel in der Innenstadt soll erhalten bleiben

Dass das Kaufhaus tot ist, glaubt er nicht. Auch vom Sortiment ist er überzeugt. Aus Schuberts Sicht kommt es vor allem darauf an, dass die Kommune, die Warenhauskette und auch die Stadtgesellschaft an einem Strang ziehen. Da habe ihn die Geschlossenheit in Kassel beeindruckt. „Dort ist man auf jeden Fall einen Schritt weiter als bei uns“, sagt der Oberbürgermeister.

„Es kommt nicht darauf an, dass klein gegen groß kämpft, sondern alle sich dafür stark machen, dass der Einzelhandel in der Innenstadt erhalten bleibt.“ Dass es dafür auch notwendig ist, dass die Kommune wie in Kassel selbst Geld in die Hand nimmt, steht für Schubert außer Frage. „Ohne wird es nicht gehen“, sagt der Oberbürgermeister.

Aber die Teilvermietung der Immobilien – für beispielsweise Bürgerbüro-Angelegenheiten wie einen Ausweis abholen – ist aus seiner Sicht nicht die alleinige Lösung. Es komme auf das Zusammenspiel von Kaufhaus und Stadtgesellschaft an. Besonders gut gefallen hat Schubert die Öffnung des Kaufhauses – beispielsweise, dass man den Cafébereich von außen einsehen kann.

Mike Schubert Potsdamer Oberbürgermeister
Mike Schubert (SPD) Oberbürgermeister in Potsdam © Karoline Wolf/nh

In vielen anderen Städten seien Kaufhäuser einfach noch die zugebauten Kästen, in die man nicht hineinsehen kann oder bei denen man somit von außen nicht mitbekommt, was drinnen passiert. Auch den Kassel-Gutschein sieht er als gute Lösung. In die Richtung habe es auch in Potsdam schon Überlegungen gegeben.

Kassel: Galeria-Konzept bietet Kauferlebnis vor Ort

Das Konzept aus Kassel kopieren will man jetzt in Potsdam allerdings nicht. Aber es sei hilfreich, einige Umsetzungen mal zu sehen und zu überlegen, wie man das in Brandenburg angehen könne, so Schuberts Fazit.

Der 49-Jährige ist sich sicher, dass es auch zukünftig weiter Innenstädte geben wird, weil die Menschen das Kauferlebnis vor Ort mögen. „Das mit anderen Erledigungen wie Behördengängen oder Postversand zu verbinden, könnte eine Möglichkeit sein. Da ist die Kasseler Galeria-Filiale ein Vorzeigeprojekt. Man neigt dazu Dinge, in der eigenen Stadt zu übersehen, aber darauf kann man wirklich stolz sein.“ (Kathrin Meyer)

Ein Onlinehändler hatte kürzlich angekündigt, 47 Filialen der insolventen Kaufhauskette Galeria zu übernehmen. Die Filiale in Kassel steht jedoch nicht auf der Liste des Investors aus Ostwestfalen.

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