Beim GWH-Treppenhauslauf zählt der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“

Es darf überholt werden

Vier Freunde müsst ihr sein: Matthias Giese, Timo Bickler, Johannes Wennmacher und Julian Kött (von links) sind seit drei Jahren Stammgäste beim Treppenhauslauf. In diesem Jahr wurde ihr Fleiß mit dem ersten Platz in der Staffel-Wertung belohnt. Fotos: Herzog

Kassel. Samstag, kurz vor 11 Uhr im Festzelt neben dem Hochhaus an der Heinrich-Plett-Straße 67 in Oberzwehren: Freizeit-Sportler, Semi-Profis, Marathonläufer, Staffel-Sprinter und Einzelkämpfer machen sich bereit für ein sportliches Ereignis, das in seinem fünften Jahr eine weit über nordhessische Grenzen hinaus faszinierende Attraktion geworden ist: der GWH-Treppenhauslauf.

Das Ziel ihrer mehr oder weniger intensiven Vorbereitungen liegt zwischen eineinhalb und vier Minuten entfernt auf dem Dach über dem 17. Stock des Hochhauses. Zu gewinnen gibt es Ruhm und Ehre, ein Erinnerungs-T-Shirt und ein Start-Foto. Hier gilt allein der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“ und deshalb ist die Atmosphäre weder angespannt noch von Sticheleien unter Konkurrenten geprägt.

„In den letzten Wochen haben wir, außer an dem ein oder anderen Mietvertrag, an nichts anderem als an der Vorbereitung dieses Wettkampfs gearbeitet“, sagt Stefan Bürger, Leiter der GWH-Geschäftsstelle in Kassel, der die Sportler begrüßt und kurz das Prozedere erklärt: „Eine Runde ums Haus, dann rauf. Sie können sich nicht verlaufen. Es gibt nur einen Weg - nach oben.“

Schneller als der Fahrstuhl

Punkt 11 Uhr greift Bürger zur Pistole und gibt den Startschuss. Die Läufer starten immer paarweise. Beobachtet werden sie im Treppenhaus von fünf Kameras, platziert im 1., 5., 9., 13. und 17. Stock. Ist ein Team im 5. Stock angekommen, geht das nächste an den Start. Dass die später Gestarteten ihre Vorläufer überholen, ist selten, kommt aber vor und ist erlaubt.

Der erste Läufer, Peter Schilling, legt mit 1:31:09 Minuten eine Zeit vor, die von GWH-Pressesprecherin Sabine Muksch mit den Worten kommentiert wird: „So schnell ist nicht der Fahrstuhl im Haus.“

Im Gegensatz zu Schilling sind Philipp Wiegand und Till Erdmann, beide 11 Jahre jung, zum ersten Mal dabei. Sie sind noch nie ein Treppenhaus hoch gelaufen. „Wir rennen ab und zu aus Spaß durch den Wald“, sagt Till. Respekt zollen sie, wie alle Sportler, den Feuerwehrteams, die mit Helm und 20 Kilogramm schwerer Ausrüstung die 17 Stockwerke erklimmen - schneller als manche Läufer im Sportdress.

Wieder unten angekommen interessiert die Teilnehmer untereinander nur eine Frage: „Bist du nächstes Jahr wieder dabei?“ Fast immer lautet die Antwort: „Aber klar doch!“

Von Wilhelm Ditzel

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