Mögliche Gesundheitsgefahr ist umstritten - Eventuelle Behandlung nur bei Beschwerden

„Darmpilze sind wie Unkraut“

Rainer Matejka

In meinem Darm wurde ein Hefepilz festgestellt und der Arzt meinte, das sei unkritisch. Ein Bekannter hat mir jetzt aber gesagt, diese Candida albicans müssten dringend behandelt werden. Jetzt bin ich verwirrt - sind Hefepilze im Darm gefährlich, oder nicht?“, fragt Roswitha L. aus Baunatal.

Antworten hat Dr. Rainer Matejka, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren in Kassel.

?Was ist Candida albicans?

!Candida albicans ist ein Hefepilz, der in Einzelfällen krankhafte Effekte entfalten kann. Er ist im Darm in begrenztem Umfang fast bei jedem anzutreffen, kann sich aber deutlich vermehren, wenn die gesunde Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät. Ursache dafür können zum Beispiel Stress, eine dauerhaft falsche Ernährung mit zu viel Zucker, Schwermetallbelastungen oder Arzneimittel wie Antibiotika sein.

? Ist dieser Pilz denn mitunter gefährlich?

!Über die mögliche Gesundheitsgefahr, die von diesen Pilzen ausgeht, scheiden sich tatsächlich die Geister. Die Expertenmeinungen reichen von dringend behandlungsbedürftig bis „kann man vergessen“. „Diesen Extrempositionen würde ich so nicht zustimmen“, meint Matejka. Darmpilze könnten zwar nur bei schwerer Immunschädigung wirklich gefährlich werden, beeinträchtigen unter Umständen aber das Wohlbefinden, und dann sei eine Behandlung auch sinnvoll. Menschen ohne jegliche Beschwerden, bei denen im Rahmen von Routineuntersuchungen Darmpilze gefunden werden, müssten aber nicht behandelt werden.

?Welche Beschwerden können Darmpilze verursachen?

!Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Studien der Universität Münster zeigen, dass Symptome wie chronische Nasen-Nebenhöhlen-Entzündungen, Allergien, ständige Infekte, Abgeschlagenheit, Süßhungerattacken oder Blähbauch häufiger mit einer Vermehrung von Darmpilzen einhergehen können, als Ausdruck eines gestörten Darmmilieus. „Dann würde ich auch behandeln“, sagt der Mediziner. Die Diagnose erfolge meist über eine Stuhlprobe. Bei schweren Fällen könnten auch Antikörpertestungen im Blut herangezogen werden.

? Und wie werden Candida albicans behandelt?

!In der Regel mit Anti-Pilzmitteln in Form von Tabletten und Flüssigpräparaten. In Einzelfällen kann es dabei zu Nebenwirkungen wie Hautjucken kommen. Die Gabe von Anti-Pilzmitteln allein wäre aber nur eine Art Symptombekämpfung. Hinzukommen sollte eine weitergehende Immunstärkung, betont der Arzt. Sinnvoll sei zum Beispiel die Einnahme von Probiotika, also gesunder Darmbakterien.

Die Komplementärmedizin setze oft auch „ausleitende Verfahren“ ein. In der Ernährung sollte das heutige übliche Übermaß an Zuckern aller Art reduziert werden. „Darmpilze sind wie Unkraut - und wenn das Beet, in diesem Falle also die Darmschleimhaut - im ökologischen Gleichgewicht ist, verringern sich auch die Pilze und damit bessern sich oft auch die Beschwerden“, sagt Matejka. Aber es gilt: In welcher Form und ob überhaupt eine Behandlung erforderlich ist, hänge von den individuellen Beschwerden ab.

? Kann man einer Vermehrung von Darmpilzen vorbeugen?

!Wichtig sind vor allem eine ausgewogene Lebensweise mit Stressmanagement, gesunde zuckerarme Ernährung (beispielsweise haben Knoblauch, Zwiebeln und Kresse natürliche Anti-Pilzeffekte) und Wachsamkeit bei Einnahme stark wirkender Arzneien. Neben Antibiotika stören vor allem Cortisonpräparate und die langfristige Einnahme von Magensäureblockern das Darmmilieu.

Von Christoph Steinbach

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