Unvergessen: Diakonisse Annemarie Pfetzing starb im Alter von 87 Jahren in Kassel

Kasseler Schwester Annemarie war die Stimme am Hitzetelefon

Diakonie-Schwester Annemarie Pfetzing aus Kassel  am Telefon.
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Am Hitzetelefon ein freundlicher Mensch im Einsatz: Schwester Annemarie Pfetzing.

In dieser Rubrik erinnern wir an Menschen aus Kassel, die gestorben sind. Heute: Die Diakonie-Schwester Annemarie Pfetzing starb mit 87 Jahren.

Kassel. In ihrem Glauben verankert, tragen sie mit Stolz die schlichte Tracht mit der weißen Haube und leben solidarisch in frommen Schwesterngemeinschaften. Von den Diakonissen alten Schlags gibt es in Kassel nur noch wenige. Es sind jetzt 13 Frauen. Eine von ihnen war Schwester Annemarie Pfetzing, die im Alter von 87 Jahren gestorben ist.

Aktiv, positiv, dem Leben zugewandt, war sie bis zum Schluss. Noch Wochen vor ihrem Tod kümmerte sich Schwester Annemarie darum, dass die Blumenkübel auf dem Gelände des Kurhessischen Diakonissenhauses an der Goethestraße mit bunten Frühlingsblumen bepflanzt wurden.

Viele Menschen kannten sie auch vom Empfang an der Pforte des Mutterhauses, wo sie bis vor zwei Jahren ihren ehrenamtlichen Dienst versah. Hier hatte sie es mit vielen Bedürftigen zu tun, die sich dort regelmäßig ein Frühstück holten.

Bundesweit war sie in die Medien als eine Pionierin des sogenannten Hitzetelefons geraten. Das Warnsystem, das Senioren daran erinnert, bei großer Hitze ausreichend zu trinken, war in Kassel erfunden worden, und Annemarie Pfetzing war von Anfang an eine derjenigen, die bei Hitzewarnung die alten Menschen anriefen.

Brunnentempel in Hofgeismar um 1965: Schwester Annemarie ist die Dritte von links unten.

„Man muss nicht alles erleben, um zu verstehen, man muss nur gut zuhören können“, lautete ihr Motto. Dabei hatte Schwester Annemarie eine Menge erlebt und ihr Lebenslauf liest sich wie der eines erfolgreichen Managers.

Als ein „bemerkenswertes Leben“ bezeichneten es in Annemarie Pfetzings Todesanzeige die Familienangehörigen. Annemarie Pfetzing wurde als ältestes von zwei Kindern in Niederkaufungen geboren. 1948 kam sie ins Mutterhaus, als Haustochter, dann als Schülerin. 1953 legte sie ihr Examen als Krankenschwester ab. Sie wurde stellvertretende Stationsschwester auf der Gynäkologie. 1954 trat sie ins Mutterhaus ein und wurde 1958 eingesegnet.

Nach einer Ausbildung zur Heimerzieherin arbeitete sie im Kinderhaus Bethanien in Marburg. 1965 nahm sie ihren Dienst im Diakonissenkrankenhaus wieder auf. Aus dieser Zeit heißt es in einem Schreiben der Leitung des Mutterhauses über Schwester Annemarie: „Sie ist eine sehr lernbegierige und intelligente Schwester mit mancherlei besonderen Gaben.“ 1967 wurde sie nach Hessisch-Lichtenau gesandt, da dort eine leitende Schwester für das Kinderhaus der orthopädischen Klinik gesucht wurde. Sie liebte die Arbeit mit den Kindern und beschreibt diese Zeit als „erfüllt“ und „voller Leben“.

Ab 1975 besuchte sie die Schwesternhochschule in Berlin. Danach wurde sie leitende Oberschwester der Orthopädischen Klinik in Hessisch-Lichtenau. „Viele Jahre übte sie diesen Dienst mit Begeisterung aus, viele Verbindungen entstanden und wurden zu Freundschaften“, sagt Pfarrerin Martina Tirre vom Vorstand des Mutterhauses. 1990 wurde sie aus dem Dienst als Oberschwester verabschiedet.

Doch 1991 ging sie noch einmal für sieben Jahre nach Göttingen, um das Haus Ariel zu leiten. 1998 begann sie ihren „Feierabend“, wie der Ruhestand der Diakonissen genannt wird.

Erkrankt verbrachte sie ihre letzten Wochen im Haus Salem des Diakonissenhauses. (Christina Hein)

Wenn Sie einen gerade Verstorbenen kennen, über den wir einen Nachruf schreiben sollten, melden Sie sich bei uns unter 0561/203-1431 oder per E-Mail an kassel@hna.de

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