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Unterricht im Museum: Kasseler Schulen müssen wegen Platznot ausweichen

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Von: Christina Hein

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Das 1992 eröffnete Museum ist dem Themenfeld Sterben, Tod, Bestattung, Trauer und Gedenken gewidmet.
Hier wird jetzt auch gelernt: Das 1992 eröffnete Museum ist dem Themenfeld Sterben, Tod, Bestattung, Trauer und Gedenken gewidmet. © Swen Pförtner/dpa

Not macht erfinderisch: Ein Kasseler Schulleiter suchte nach Ersatzorten für den Schulunterricht und wurde im Elisabethkrankenhaus und im Museum für Sepulkralkultur fündig.

Kassel – Gymnasiasten, die aus Raummangel für den Unterricht an ungewöhnliche Orte ausweichen müssen, etwa an Museen und Krankenhäuser – in Kassel wird diese Vision jetzt Realität.

Lothar Schöppner, der Leiter des Friedrichsgymnasiums, hat die vergangenen Wochen inklusive Ferien damit verbracht, Klinken zu putzen. Nachdem vor den Ferien bekannt geworden war, dass der vorgesehene temporäre Ersatzschulort für einige Schüler des FG und der Albert-Schweitzer-Schule, die Alte Hauptpost, zum Schuljahresbeginn noch nicht zur Verfügung steht, hat sich der Direktor selbst auf die Suche nach Räumen gemacht. Fußläufig zum Gymnasium an der Humboldtstraße sollten sie sein und kostenlos zur Verfügung stehen. Viele Körbe habe er sich geholt, sagt Schöppner. Erfolg hatte er im Museum für Sepulkralkultur und im Elisabethkrankenhaus.

Im Sepulkralmuseum wird der Unterricht im Sitzungssaal stattfinden, im Elisabethkrankenhaus im Refektorium, dem ehemaligen Esssaal der Ordensschwestern. Außerdem gehen FG-Schüler für einzelne Stunden in Räume in die benachbarte Jacob-Grimm-Schule. Wie genau die Stunden aufgeteilt sind, werde noch festgezurrt. Feststehe, dass 15 Stunden Darstellendes Spiel im Elisabethkrankenhaus und im Sepulkralmuseum Mathematik- und Religionsunterricht stattfinden werden. Auch Schöppner selbst gehe mit seinem Leistungskurs Mathe ins Sepulkralmuseum.

Temporärer Schulstandort: das Elisabethkrankenhaus am Weinberg in Kassel.
Temporärer Schulstandort: das Elisabethkrankenhaus am Weinberg. © Lothar Koch

Der Ersatzschulort Alte Hauptpost, an dem Schüler der ASS und des FG künftig ausweichen sollen, und den die Stadt Kassel als Schulträger anmietet, ist nach Auskunft von Stadtbaurat Christof Nolda nicht vor Februar 2023 bezugsfertig. Beide Schulen müssen aktuell in ohnehin beengten Verhältnissen je einen Jahrgang zusätzlich aufnehmen. Grund ist die Rückkehr vom verkürzten Abitur G8 zu G9, einem Prozess, der jetzt abgeschlossen ist.

Auch die ASS hat inzwischen Ausweichmöglichkeiten im eigenen Schulgebäude sowie im Schülerforschungszentrum auf dem Gelände der Schule gefunden.

Ein Kinderspiel sei es nicht gewesen, kostenlose Räume für den Unterricht der Schüler außerhalb des FG zu organisieren, sagt Schulleiter Lothar Schöppner. Er habe mit seiner Anfrage nach Ersatzorten für Unterricht alles abgeklappert, was rund um das FG in Frage kam und sich dabei auch einige Absagen eingeholt. Er sei deshalb den Leitungen des Sepulkralmuseums und des Elisabethkrankenhauses sehr dankbar für deren Bereitschaft, Raum zur Verfügung zu stellen. Vielleicht habe sich ja auch ausgezahlt, dass es in der Vergangenheit nette Kooperationen gab, bei denen Chor und Orchester des FG Veranstaltungen der neuen „Schulstandorte“ umrahmt hatten oder das FG seine Aula zur Verfügung gestellt hatte.

Jetzt müsse nur noch für die technische Ausstattung der Ersatzschulräume gesorgt werden. Er sei erleichtert und froh, sagt Schöppner. Er habe um jeden Preis vermeiden wollen, dass Schüler zuhause Distanzunterricht bekommen.

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule nutzt man jeden Winkel, um den „zusätzlichen“ Jahrgang vor Ort unterrichten zu können. Noch vor den Ferien hatte Schulleiter Markus Crede in seiner Raumnot unter Einbeziehung von Klassenfahrten und Projekttagen ein zeitliches Umschichtungsmodell in Erwägung gezogen inklusive Distanzunterricht.

Jetzt werden in einer Notlösung, die „absolut vorübergehend“ sein müsse, Räume im Schülerforschungszentrum auf dem Schulgelände genutzt. Außerdem werden Oberstufenschülerinnen und -schüler unter anderem im Wintergarten der Mensa und im CDI, einer fremdsprachlichen Bibliothek, unterrichtet. „Wir hatten bei der Suche nach Räumen Unterstützung von der Stadt“, sagt Crede. Diese habe der Schule außerdem Räume in der Vhs in Aussicht gestellt. Auf eine Ausweichmöglichkeit außerhalb des Schulgeländes haben man verzichtet.

Crede betont, dass diese beengte Situation nicht von Dauer sein dürfe und moniert, dass er die Verantwortlichen im Rathaus seit etlichen Jahren“ darauf hingewiesen habe.

Stadtbaurat Christof Nolda sagt: „Ich freue mich sehr, dass wir Lösungen für die Gymnasien gefunden haben.“ Die Stadt habe sich ebenfalls auf die Suche nach Ersatzorten für Unterricht gemacht. „Wir tun wirklich, was geht.“ Inzwischen seien endlich auch die Mietverträge für die Alte Hauptpost unter Dach und Fach, und die Sanierungsarbeiten könnten schon bald beginnen, so Nolda. Mittelfristig stünden dann dort den Gymnasien FG und ASS Räume für Unterricht zur Verfügung. dritte Kasseler Schule, die von der Umstellung von G8 auf G9 betroffen ist, ist das Goethe-Gymnasium.

Dort können jetzt Räume genutzt werden, die frei wurden, weil die Abendschule, die dort residierte, an den Standort Hessenkolleg ausgezogen ist.

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