Instrument war einfach dort stehen gelassen worden

Happy End: Klavier stand in Kassel plötzlich auf der Straße und hat jetzt neue Besitzer

Haben viel Freude am Fundstück: Das Klavier steht jetzt bei Familie Bakai in Söhrewald. János Bakai und seine Tochter Banna werden bald regelmäßig darauf spielen.
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Haben viel Freude am Fundstück: Das Klavier steht jetzt bei Familie Bakai in Söhrewald. János Bakai und seine Tochter Banna werden bald regelmäßig darauf spielen.

Ein Klavier steht plötzlich in Kassel auf der Straße. Doch wie ist es dahin gekommen? Wir erzählen die Geschichte hinter der Geschichte und wer sich jetzt über das Instrument freut.

Kassel/Söhrewald – Als Patrizia Simeoni die HNA aufschlägt, stutzt sie. Da war ihr Klavier abgebildet, das sie im Internet auf „Ebay Kleinanzeigen“ als Geschenk angeboten hatte. Am Fahrbahnrand steht es, nur wenige Straßen entfernt. Doch wie kommt es dahin? Und vor allem: Wo ist es jetzt? So viel sei schon verraten: Dies ist eine Geschichte mit Happy End.

„Das Klavier ist schon älter“, erzählt Patrizia Simeoni. Ihr früherer Partner und ihre Tochter haben darauf gelernt. Weil ihre Tochter jetzt aber professioneller spielen will, hatten sie sich entschlossen, das Klavier abzugeben. Also inseriert die Kirchditmolderin, die in der Christbuchenstraße wohnt, das Klavier im Internet. Es meldet sich jemand, der es noch am Karfreitagabend abholen will. „Im Grunde war ich froh, dass es so schnell ging, weil wir den Platz brauchten“, sagt Patrizia Simeoni.

Vor ihrer Tür stehen wenig später zwei junge Männer. Sie habe noch gefragt, wie sie das schwere Musikinstrument transportieren wollten, erinnert sich Simeoni. Ihr Eindruck ist, dass man sich darüber keine Gedanken gemacht habe. Die Männer hätten gesagt, dass sie in der Nähe wohnten und das Klavier dorthin rollen wollten. Simeoni ist skeptisch, aber fragt nicht weiter nach. Gehört und gesehen hat sie von den Männern allerdings seitdem nichts mehr.

Direkt am Bordstein geparkt: das Klavier am Samstag an der Schlossäckerstraße.

Am Freitagabend sieht János Bakai in einer Facebook-Gruppe einen Post. Dort hat jemand das Klavier fotografiert, wie es an der Schlossäckerstraße steht. Unter dem Beitrag habe es viele Kommentare gegeben. Verwunderung, aber auch Empörung, wie jemand einfach so ein Klavier dort abstellen könne. „Ich habe gedacht, ich fahre vor der Arbeit am Samstag dort vorbei und gucke, ob es noch da ist“, erzählt Bakai, der gebürtig aus Ungarn stammt.

Ob er selbst darauf spielen wollte? „Nicht nur“, sagt er. Seine vierjährige Tochter Banna hat frühkindlichem Autismus. „Sie kann nicht sprechen, aber Musik begeistert sie“, sagt der Vater. Sie habe ein kleines Keyboard, auf dem sie oft gemeinsam spielen. „Sie liebt das“, sagt Bakai. Als er in Kirchditmold ankam, steht das Klavier noch dort. Ich habe am Haus geklingelt und gefragt, ob jemand das Instrument loswerden wolle, erzählt Bakai. Aber Ruth Weiß, die dort wohnt, hat keine Erklärung. Die verständigten Polizisten wissen auch erst mal keine Lösung und melden es der Sperrmüllabholung, die nach Ostern kommen soll. Ruth Weiß schickt ein Bild vom Klavier und der kuriosen Geschichte an die HNA.

János Bakai verspricht, das Instrument abzuholen. Er will der Sperrmüllabholung zuvorkommen und besorgt einen Anhänger und kräftige Helfer, die das Klavier zu ihm nach Söhrewald bringen.

Jetzt steht es in seinem Wohnzimmer. Seine Tochter ist noch ein bisschen skeptisch. „Ihr ist das Klavier etwas unheimlich“, sagt Bakai. „Aber der Klang ist toll.“ Bakai hat eine Firma gefunden, die das Klavier neu stimmen wird. „Ich kann nur einige Stücke spielen“, sagt er. „Für uns ist das Klavier perfekt“, sagt er. Patrizia Simeoni ist auf jeden Fall glücklich, dass ihr Klavier so ein schönes neues Zuhause bekommen hat. Ein besseres Ende der Geschichte hätte sie sich kaum vorstellen können. (Kathrin Meyer)

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