Kasseler Kali- und Salzproduzenten gut aufgestellt

"Das Ergebnis ist ordentlich": HNA-Interview mit K+S-Chef Norbert Steiner

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K+S-Vorstandschef Norbert Steiner.

Kassel. Der Kasseler Kali- und Salzproduzent hat ein außerordentlich schwieriges Jahr hinter sich. Über die geschäftliche Entwicklung, Probleme, den Weltkalimarkt und Aussichten sprach HNA-Redakteur José Pinto mit K+S-Vorstandschef Norbert Steiner.

Herr Steiner, das Ende des russischen Kali-Kartells, der Absturz des Weltkalipreises, zunehmender Druck mit Blick auf die Werra-Versalzung, Umwelt-Investitionen im dreistelligen Millionenbereich und nicht zuletzt das Grubenunglück mit drei Toten und monatelangem Produktionsausfall in Unterbreizbach - war 2013 das herausforderndste Jahr seit Sie Vorstandschef sind?

Norbert Steiner: Es war kein leichtes Jahr für unsere gesamte K+S-Mannschaft. Geplant waren die hohen Investitionen in den Umweltschutz - hier sind wir erneut ein großes Stück vorangekommen. Unvorhersehbar dagegen waren die Entwicklungen im Kalimarkt nach dem schwarzen Dienstag Ende Juli, als die russische/weisrussische Vertriebsallianz zerbrach. Wir haben darauf besonnen reagiert und unsere bereits laufenden Programme zur Steigerung der Effizienz und Kostendisziplin intensiviert. K+S hat sich operativ und strategisch auf diese Veränderungen eingestellt.

Aber es hätte - zumindest was die Zahlen angeht - schlimmer kommen können, oder? 

Zur Person:

Norbert Steiner ist seit Mitte 2007 Vorstandschef der K+S AG: Der 59-jährige Jurist kam 1993 von BASF, dem damaligen Mutterkonzern des Kali- und Salzproduzenten, nach Kassel und leitete zunächst den Bereich Recht, Steuern und Versicherungen. 2000 stieg der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne in den Vorstand auf, sieben Jahre später wurde er dessen Chef. Der gebürtige Siegener interessiert sich für Kunst und Musik und sammelt Modelleisenbahnen. Der Manager gilt als bodenständig, verbindlich, besonnen und sozial. Er führt den Konzern mit ruhiger Hand durch turbulente Zeiten.

Steiner: Ein operatives Ergebnis von über 650 Millionen Euro ist auf den ersten Blick ordentlich. Allerdings muss man sehen, dass wir knapp 70 Prozent davon bereits im ersten Halbjahr 2013 erwirtschaftet haben. Die zweite Jahreshälfte war nach den Verwerfungen am Kalimarkt und durch den Druck auf die Preise geprägt. Insgesamt haben wir deshalb trotz eines besseren Salzgeschäfts rund 150 Mio. Euro im Ergebnis eingebüßt.

Wie ist K+S ins neue Jahr gestartet?

Steiner: Der Preisverfall hat sich im neuen Jahr nicht fortgesetzt. Nach Vertragsabschlüssen der großen Kaliproduzenten mit China zeichnete sich zu Jahresbeginn eine Bodenbildung bei den Preisen ab. Dennoch sind die Unsicherheiten noch nicht ausgestanden.

Sie haben Ende 2013 angekündigt, in den nächsten drei Jahren 500 Millionen Euro einsparen zu wollen. Wie weit sind Sie? 

Steiner: Unser Programm „Fit für die Zukunft“ ist mehr als nur ein Sparprogramm. Neben den geplanten Kostensenkungen arbeiten wir hierbei zugleich auch an der Verbesserung unserer Strukturen und Prozesse. Hier sind wir gut unterwegs. Die Bereitschaft zu Veränderungen ist eindeutig vorhanden, die Mannschaft steht dahinter, aber ihr wird auch viel abverlangt. Nach allem muss eines klar sein: Die Verteilungsspielräume sind sehr viel kleiner geworden.

Bleibt es dabei, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird? 

Steiner: Es bleibt dabei, dass wir bei den geplanten Einsparungen zunächst bei den Sachkosten ansetzen, aber natürlich werden wir auch unsere Strukturen und Prozesse durchleuchten. Mit Blick darauf kann ich nicht ausschließen, dass auch Stellen wegfallen. Mit „Fit für die Zukunft“ wollen wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken und das Unternehmen insgesamt schlagkräftiger machen. Damit sichern wir die Zukunftsfähigkeit von K+S.

Wie läuft es beim Legacy-Projekt in Kanada? 

Steiner:  Ich bin sehr, sehr angetan von den vielen Fortschritten in Kanada, auch beim Bau der Anlage. Man muss sich das ja einmal vorstellen: Wir aus Kassel sind diejenigen, die zum ersten Mal seit fast 40 Jahren wieder ein neues Kaliwerk in Kanada auf die Beine stellen. Wir kommen gut voran und rechnen unverändert mit einer Inbetriebnahme im Sommer 2016. Der Weltkalimarkt wird weiter wachsen und dank Legacy wird K+S an diesem Wachstum teilnehmen.

Wo sehen Sie K+S in zehn, 20 Jahren? 

Steiner: Die K+S Gruppe ist ein solide wirtschaftendes und robustes Unternehmen mit einer klaren Aufstellung, der richtigen Strategie und Produkten, die die Menschen auch in 20 Jahren und darüber hinaus brauchen werden. Wir werden noch internationaler sein. Das Ganze aber - wenn man uns denn lässt - auf einer starken deutschen Basis.

Hintergrund: Weltweit Nummer vier beim Kali

K+S ist weltweit viertgrößter Kaliproduzent und die Nummer eins in Europa. Im Salzgeschäft sind die Kasseler seit der Übernahme des US-Herstellers Morton Salt unangefochtener Weltmarktführer. K+S ist der einzige Dax-Konzern mit Sitz in der Region. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 14 300 Mitarbeiter, davon gut 4500 in Hessen, 700 in Thüringen und 1400 in Niedersachsen.

Konzernleitung und Verwaltung sitzen in Kassel. Weltweit wichtigster Produktionsstandort ist das Verbundbergwerk Werra mit den Gruben Hattorf in Philippsthal und Wintershall in Heringen (beide Hessen) sowie Unterbreizbach und Merkers im Wartburgkreis in Thüringen. Merkers ist allerdings ein reines Besucherbergwerk. (jop)

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