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Seit 30 Jahren feiern Heimkehrer und alte Bekannte am 23. Dezember am Fes

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Von: Bastian Ludwig

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Rückblick: 2011 feierten (von links) Kathi Stürmer, Andrea Hofmann und Alexandra Klose. Archiv
Rückblick: 2011 feierten (von links) Kathi Stürmer, Andrea Hofmann und Alexandra Klose. Archiv © Andreas Fischer

Am Abend vor Heiligabend legt die adventliche Besinnlichkeit vor der Alten Hauptpost fast schon traditionell eine Pause ein. Grund dafür ist das Fes-Jahresabschlussfest, zu dem einmal mehr weit über Tausend Menschen erwartet werden.

Kassel - Einmal mehr werden so am Freitag wieder viele Hundert Menschen an die Friedrich-Ebert-Straße strömen, um dort kurz vor Weihnachten alte Bekannte zu treffen, von denen viele längst nicht mehr in Kassel leben und nur über die Feiertage in der Heimat weilen. Der Grundstein für die Kultveranstaltung unter dem Titel „Coming Home – Jahresabschlussfest“ wurde Anfang der 90er-Jahre in der Bar Fes an der benachbarten Karthäuserstraße gelegt.

Barbetreiber der ersten Stunde ist Frank Lüst. Er hat gemeinsam mit Robert Wizani das Fes – benannt nach der Stadt im Nordwesten Marokkos – im Sommer 1983 eröffnet. Nächstes Jahr blickt die Gastronomie auf eine 40-jährige Geschichte zurück. Ungefähr vor drei Jahrzehnten sei die Idee entstanden, am 23. Dezember zum großen Come Together zu laden, bei dem Exil-Kasseler und Heimatverwurzelte zusammenfinden, erzählt Lüst.

Mit jedem Jahr wurde es voller: Dieses Bild zeigt die Menschenmassen im Jahr 2016 vor der Bar Fes. Links im Bild ist die Alte Hauptpost zu sehen. ARchivfoto: Dieter Schachtschneider
Mit jedem Jahr wurde es voller: Dieses Bild zeigt die Menschenmassen im Jahr 2016 vor der Bar Fes. Links im Bild ist die Alte Hauptpost zu sehen. ARchivfoto: Dieter Schachtschneider © Dieter Schachtschneider

Die Initiative kam aber nicht etwa von den Betreibern, sondern von den Gästen. Ein paar ehemalige Abiturienten aus Kassel, die zum Teil zum Studium in andere Städte ausgeschwärmt gewesen seien, hätten seinerzeit die Idee gehabt, sich am Vorabend von Weihnachten im Fes zu treffen. „Die haben sich dazu verabredet. Damals gab es ja noch keine Sozialen Netzwerke, wo man so etwas posten konnte“, erzählt Lüst.

Auf den dann folgenden Ansturm reagierte das Fes relativ improvisiert. „Die Sache war ja nie geplant oder beworben worden. In den ersten beiden Jahren stellten wir uns in den Keller und kochten dort Glühwein. Den haben wir kostenlos nach draußen gereicht, weil so viele Gäste draußen warten musten, weil sie nicht mehr in den vollen Laden reinkamen“, erzählt Lüst. Im Fes selbst sei es so voll gewesen, dass sich niemand mehr habe bewegen können. „Das war auch ein Problem für den Umsatz. Denn es war so voll, dass wir im Verhältnis zur Gästezahl relativ wenig Getränke verkauften.“ Eine Einlassbegrenzung sorgte dafür, dass es vor der Tür immer voller wurde.

Also stellte Lüst bei der Stadt den Antrag, auch draußen Gastronomie anbieten zu dürfen. „Zunächst wollte das Ordnungsamt das nur bis 23 Uhr genehmigen. Das hätte sich für uns aber nicht gelohnt, weil es damals erst ab 22 Uhr überhaupt langsam voll wurde. Heute komme das junge Publikum schon wesentlich früher.“ Schließlich wurde man sich mit der Stadt doch einig. Den etwas schmucklosen Namen „Jahresabschlussfest“ habe übrigens der damalige Ordnungsamtschef geprägt, als dieser die Genehmigung für die Veranstaltung erteilte. Er blieb bis heute erhalten.

Am Anfang wurde nur die Karthäuserstraße gesperrt, um dort Glühwein und Bier zu verkaufen. Doch das Fest wuchs mit jedem Jahr. Zuletzt kamen über 1500 Menschen, die nicht nur vor der Bar standen, sondern auch den gesamten Platz vor der Alten Hauptpost bevölkerten. Eine Armada von Dixi-Klos ist seit einigen Jahren nötig.

Seit 40 Jahren Betreiber: Frank Lüst.
Seit 40 Jahren Betreiber: Frank Lüst. © Bastian Ludwig

Nachdem es wegen Corona zwei Jahre lang kein Jahresabschlussfest gab, geht es nun wieder los. Drei Getränkestände wird es dieses Jahr geben. Zudem eine besonders weiträumige Absperrung für den Verkehr, die auch die Bürgermeister-Brunner-Straße einschließt. Die Absperrung dient der Sicherheit der Menschenmassen. Die Stadt rechnet mit einer „erheblichen Besucherzahl“.

Frank Lüst bittet die Gäste darum, auf mitgebrachte Getränke zu verzichten. Diese seien bei den jüngsten Auflagen massenhaft konsumiert worden. Durch sinkende Umsätze werde der immer größer werdende Aufwand immer schwerer finanzierbar.

Die Bar Fes öffnet am Freitag ab 19 Uhr, richtig losgeht es um 21 Uhr. (Bastian Ludwig)

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