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Das ideale Wetter gibt es nicht: Niederschlag und Temperatur sind bei Landwirten im Fokus

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Von: Jan Trieselmann

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Gewitterwolken über einem Getreidefeld
Gewitterwolken über einem Getreidefeld: Kaum ein Wetter ist für alle Landwirte ideal. Unser Foto entstand im Schwalmstädter Stadtteil Niedergrenzebach im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. © Tanja Goerres/nh

Das Wetter ist ein Dauerbrenner-Thema. In unserer Serie „Donnerwetter“ betrachten wir das nordhessische Wetter von verschiedenen Seiten. Diesmal geht‘s ums Thema: Sind Landwirte nie zufrieden?

Kassel – „Landwirte sind doch nie zufrieden.“ Dieses Vorurteil ist immer wieder zu hören. Egal, ob es um Ernteerträge oder Milchpreise geht: Immer gebe es etwas, das sie stört – so das Vorurteil. Auch oft im Fokus der Landwirte-Kritik: das Wetter. Mal sei es zu trocken gewesen, dann regne es wieder viel zu viel.

Doch gibt es überhaupt ein Wetter, das Landwirte zufrieden stellt? Die Antwort darauf und wie Landwirte ihre Arbeit auf den Feldern abhängig vom Wetter planen, das klären wir in Fragen und Antworten mit Mitarbeitern des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), einer Beratungsstelle des Landes für Landwirte.

Wann sind Landwirte mit dem Wetter zufrieden?

Das ideale Wetter für Landwirte gibt es nicht. Das sagt Stefan Kremper vom Beratungsteam Pflanzenbau des LLH. Grund dafür ist, dass bei Weitem nicht alle Pflanzen die gleichen Bedingungen brauchen. „Zum Beispiel reagieren Obstbäume in der Blüte oder Mais und Zuckerrüben besonders empfindlich auf kühle Temperaturen beziehungsweise Frost“, erklärt Lisa Fröhlich vom Fachgebiet Ökologischer Pflanzenbau.

Was ist das größte Wetter-Problem für Landwirte?

Wetterextreme. Zwar brauchen viele Pflanzenkulturen unterschiedliche Bedingungen zum Wachsen. Aber Wetterextreme, zum Beispiel mehrere Wochen Hitze am Stück mit intensiver Sonnenstrahlung oder auch Starkregen, schaden jeder Pflanzenkultur.

Wie wirken sich die vergangenen trockenen Jahre aus?

Zu Unzufriedenheit führt bei Landwirten nicht grundsätzlich die Regenmenge. „Auch, wenn es die trockenen Jahre 2018, 2019 und 2020 nicht vermuten lassen, so ist mit einer Zunahme der Jahresniederschlagsmenge zu rechnen“, sagt Lisa Fröhlich. Das Problem sei die Verteilung. Für Zentraleuropa rechne man damit, dass Niederschläge im Winterhalbjahr zunehmen, aber auch Trockenphasen im Sommer. Stärkere Niederschläge im Herbst und Winter könnten die dann noch frische Aussaat ausschwemmen.

Warum ist Trockenheit so ein Problem?

Wichtig ist, dass während der Frucht- und Kornausbildung genug Wasser zur Verfügung steht. Fehlendes Wasser zur Hauptwachstumszeit der Kulturpflanze begrenzt die Aufnahme an Nährstoffen, sodass die Pflanzen nicht ausreichend wachsen können. Ein Wassermangel kann damit zu deutlich weniger Ernte-Erträgen führen.

Welche Informationen sind für Landwirte vorrangig wichtig?

Niederschlag und Temperatur. Der LLH hat dafür knapp 30 Wetterstationen in ganz Hessen, die für die Landwirtschaft wichtige Daten erfassen. Dazu gehört die Bodentemperatur, etwa zur Feststellung von Frost, sowie die Windgeschwindigkeit und Windrichtung. Zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst erstellt der LLH Wetterprognosen. Diese Daten können Landwirte im Internet abrufen.

Welche landwirtschaftlichen Arbeiten sind besonders wetterabhängig?

Vor allem die Ernte und Aussaat. Bei der Ernte sollten im Idealfall trockene Bedingungen herrschen und die Sonne scheinen. Bei der Aussaat sollte es zwar ebenfalls trocken sein. Damit die gesäten Pflanzen aber möglichst gut keimen können, ist kurz danach Regen am hilfreichsten. Dann allerdings nur mäßiger Landregen.

Wie passen Landwirte ihre Arbeit an das Wetter an?

Landwirte haben kleine zeitliche Spielräume, wann sie im Idealfall ernten und aussäen. So sollten sie Raps zwischen 20. August und 10. September säen. Die genauen Zeiträume unterscheiden sich je nach Pflanze. Die Zeit, um ideale Bedingungen vorzufinden, ist aber begrenzt.

Wie planen sie diese Arbeiten?

Zunächst einmal mit der offensichtlichsten Methode: Wettervorhersagen. Landwirte beobachten die Wetterprognose für die kommenden Tage und die Messwerte der LLH-Wetterstationen. Bei ihren Arbeiten versuchen sie dann, den möglichst idealen Zeitpunkt zu treffen. „Entscheidend ist das richtige Wetter zur richtigen Zeit“, sagt Stefan Kremper.

Was machen sie, wenn sie zu keinem Zeitpunkt das ideale Wetter vorfinden?

Dann müssen Landwirte abwägen. Ein Beispiel: Geerntetes Korn sollte trocken eingelagert werden, sonst kann sich Schimmel bilden. Ist es bei der Ernte noch feucht, müssen es Landwirte nach-trocknen. Sollten sie noch nicht geerntet haben und für die nächsten Tage ist Regen vorhergesagt, müssen sie entscheiden, wie dringend sie das Korn ernten müssen. Sind ein paar weitere Tage zu lang dafür, müssen sie den Kompromiss eingehen: sofort ernten und nachtrocknen lassen.

Wie hilft ihnen der LLH?

In der Regel planen Landwirte ihre Arbeiten zwar selbst. Allerdings kann es zu ungeplanten Situationen kommen – beispielsweise, wenn sie eine bestimmte Pflanzenkultur nicht im vorgegebenen Zeitfenster aussäen konnten. Unter anderem dann fragen sie den LLH, wie sie vorgehen sollen und welche Pflanzen dieser ihnen alternativ zum Einpflanzen rät. Foto: Thomas Thiele
In der vierten Folge unserer fünfteiligen Serie betrachten wir, wie nordhessische Städte versuchen, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Stefan Kremper
Stefan Kremper, Landesbetrieb Landwirtschaft © Privat

Der Landesbetrieb Landwirtschaft

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) „ist eine staatliche Bildungs- und Beratungseinrichtung des Landes Hessen“, wie er auf seiner Webseite schreibt. Er berate landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe. Diesen biete er auch Weiterbildungen und „Fachinformationen für Landwirtschaft und Gartenbau“ an.

Darüber hinaus veröffentlicht der LLH laut Gilbert Rüdiger von der Fachinformation Pflanzenbau Wetterdaten seiner Messstationen im Internet. Auch Prognosen stelle der LLH in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst zur Verfügung. Laut Webseite hat der LLH hessenweit 17 Standorte, seine Zentrale ist in Kassel.

Quelle und Infos auf www.llh.hessen.de

Wie ein Flughafen mit Wetterdaten arbeitet

Entscheidend sind Wetterdaten auch für den Betrieb an einem Flughafen. Am Kassel Airport in Calden kümmern sich Fluglotsen um die Wetterbeobachtung, wie ein Mitarbeiter gegenüber unserer Zeitung erklärt. Diese erhalten beim Deutschen Wetterdienst (DWD) eine Zusatzausbildung und sind damit lizenzierte Wetterbeobachter.

Alle 30 Minuten beobachten sie vom Flughafen-Tower aus die Wetterlage und überprüfen maschinell gemessene Daten, die sie dann an den DWD weiterleiten. Der erstellt daraus Vorhersagen, die er dem Flughafen in der Regel zweimal täglich sendet. Die Piloten in den Flugzeugen können diese dann abhören.

In der vierten Folge unserer fünfteiligen Serie betrachten wir, wie nordhessische Städte versuchen, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Alle Folgen in der Übersicht:

Unser Autor

Jan Trieselmann (23) wurde 1998 im nordhessischen Helmarshausen geboren und lebt seitdem im Landkreis Kassel. Wetterbeobachtung gehört neben Motorsport und Kochen zu seinen vielen Interessen. Seit 2020 ist er Volontär bei unserer Zeitung.

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