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Wohnmobile locken Diebe in Kassel an: Polizei spricht von Serie

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Wohnmobile sind gefragter denn je. Aber nicht nur bei Urlaubern: Die Fahrzeuge sind in jüngster Zeit in Kassel besonders in den Fokus von Dieben geraten.

Kassel - Seit Anfang Oktober sind in Kassel fünf Wohnmobile gestohlen worden, in drei weiteren Fällen scheiterten die Täter beim Versuch. Die Kasseler Polizei spricht mittlerweile von einer Serie. Ob diese Taten alle auf das Konto ein und derselben oder verschiedener Tätergruppen gehen, ist derzeit noch unklar, so Polizeisprecher Matthias Mänz.

Der letzte Fall ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag in der Weidlingstraße im Vorderen Westen unweit des Stadthallengartens. Dort haben Unbekannte ein graues Fiat Ducato Wohnmobil des Herstellers FCA Italy gestohlen. Von dem Fahrzeug im Wert von 45 000 Euro fehle trotz am Morgen eingeleiteter europaweiter Fahndung bislang jede Spur. Das gestohlene Wohnmobil ist etwa zwei Jahre alt und hat das Kennzeichen KS-HM 150.

Wohnmobile in Kassel gestohlen: Ein Fahrzeug in Polen geortet

Bei den gestohlenen oder angegangenen Wohnmobilen handele es sich vorwiegend um Fahrzeuge von Fiat und Citröen in Wohnmobilausführung, beispielsweise der Hersteller Pössl, Chausson, Karmann-Mobil, so der Polizeisprecher. Auffällig sei auch, dass alle betroffenen Fahrzeuge im öffentlichen Verkehrsraum, am Straßenrand und nicht auf Privatgrundstücken standen. Diese Fahrzeuge hätten in der Regel keine Keyless-Go-Schließsysteme. Die Täter seien bei den Diebstählen entsprechend nicht mit technischen Geräten, sondern eher mit Werkzeugen vorgegangen. Sie brachen die Fahrzeuge auf und schlossen sie kurz. Bei einem der in Kassel gestohlenen Wohnmobile bestand eine zusätzliche GPS-Ortungsmöglichkeit. Dies habe dazu geführt, dass das Fahrzeug in Polen geortet werden konnte. Die polnische Polizei habe an dem Ort im Oktober gleich zwei in Kassel gestohlene Wohnmobile sicherstellen können.

Aufgrund der gehäuften Fälle habe die Kasseler Polizei ihr Streifen- und Fahndungskonzept bereits angepasst. Die Beamten seien entsprechend sensibilisiert. Die Ermittler der Kripo stünden darüber hinaus im engen Austausch mit anderen deutschen und ausländischen Polizeibehörden, insbesondere mit Blick auf die Fahndung nach den gestohlenen Fahrzeugen und hinsichtlich der Identifizierung möglicher Tätergruppen, so der Polizeisprecher.

Sind traurig über der Diebstahl ihres Wohnmobils: Andree Badorek und seine Lebensgefährtin sind oft mit dem Fiat Ducato an das Steinhuder Meer gefahren.
Sind traurig über der Diebstahl ihres Wohnmobils: Andree Badorek und seine Lebensgefährtin sind oft mit dem Fiat Ducato an das Steinhuder Meer gefahren. © Privat

Kasseler Diebstahl-Opfer: „Das ist unser gemeinsames Baby“

Eigentlich wollte Andree Badorek aus Kassel am Wochenende zu seiner Lebensgefährtin nach Hameln fahren. Von dort sollte es weiter zum Steinhuder Meer gehen. Dort fährt das Paar, das eine Fernbeziehung führt, gern hin. Mit seinem Wohnmobil. „Das ist unser gemeinsames Baby“, sagt der 56-jährige Mediengestalter aus Kassel.

Aus den Plänen wird allerdings nichts: Das Wohnmobil von Badorek und seiner Partnerin ist am Mittwochabend beziehungsweise in der Nacht zum Donnerstag aus der Weidlingstraße (Vorderer Westen) gestohlen worden. Es handelt sich um ein graues Fiat Ducato Wohnmobil des Herstellers FCA Italy.

Wohnmobil in Kassel geklaut: Lebensgefährtin bekommt Heulkrampf

Am späten Mittwochnachmittag war es noch da, sagt Badorek. Gegen 17 Uhr war er nämlich noch an dem Fahrzeug, das in der Nähe des Stadthallengartens geparkt war, um zu schauen, ob mit der Solaranlage alles in Ordnung ist. Als er am Donnerstagmorgen mit dem Rad zur Arbeit fahren wollte, traute Andree Badorek zunächst seinen Augen nicht. Als er nach links blickte, um nach seinem an der Straße abgestellten Wohnmobil zu schauen, war es weg. „Das kann nicht wahr sein, habe ich mir gedacht“, erzählt er.

Bevor er die Polizei verständigte, rief Badorek zunächst seine Lebensgefährtin in Hameln an und berichtete ihr von dem Diebstahl. Die habe erst mal einen Heulkrampf bekommen, sagt er. Schließlich würden sie beide sehr an dem Wohnmobil hängen, das sie sich im Jahr 2020, kurz vor Beginn der Corona-Pandemie, noch gekauft hatten. „Im Fahrzeug sind viele persönliche Sachen von uns“, sagt Badorek. Seine Lebensgefährtin und er sind Radsportler. Die gesamte Radlerkleidung im Wert von rund 1000 Euro sei mit dem Wohnmobil verschwunden.

Darüber hinaus verbindet das Paar viele Erinnerungen mit dem Wohnmobil. Wenn sie unterwegs gewesen sind, haben sie regelmäßig ihre Erlebnisse auf dem Instagram-Profil @die2imvan gepostet.

Gestohlenes Wohnmobil aus Kassel hatte Neuwert von 45.000 Euro

Da zwei der bislang in Kassel gestohlenen Wohnmobile in Polen aufgetaucht sind, hat Badorek Hoffnung, dass sein Fahrzeug auch wieder gefunden werden könnte. „Ich hoffe, es ist nicht ausgebrannt oder ausgeschlachtet.“ Seine Partnerin kümmert sich jetzt um die ganze Angelegenheit mit der Versicherung. Als die beiden das Wohnmobil 2020 gekauft haben, hat es 45 000 Euro gekostet. Weitere 10 000 Euro haben sie in Zubehör (zum Beispiel in die Solaranlage und in die Felgen) investiert. Seitdem sind die Preise für die Fahrzeuge ja deutlich gestiegen, sagt Badorek. Das Fahrzeug hat eine Vollkasko-Versicherung.

Er wisse aber nicht, ob er jetzt den Zeitwert von 45 000 Euro oder den tatsächlichen Wert erstattet bekomme. „Wenn ich das Wohnmobil jetzt verkauft hätte, hätten wir zwischen 55 000 und 60 000 Euro bekommen“, sagt Badorek. „Aber wir wollten es ja gar nicht verkaufen, wir wollen noch damit fahren.“ (use)

Ein Wohnmobil wurde in Kassel zuletzt in Kirchditmold gestohlen. Das Fahrzeug hat einen Wert von etwa 50.000 Euro. In Harleshausen klauten die Diebe gleich zwei Wohnmobile.

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