Selbsthilfegruppe Verwaiste Eltern Kassel trifft sich seit 25 Jahren jeden Monat

Selbsthilfegruppe Verwaiste Eltern Kassel trifft sich seit 25 Jahren

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Sie haben gelernt, mit dem Verlust ihres Kindes zu leben: Barbara Getfert (von links), Gabriele Ohligschläger und Lothar Weddig.

Kassel. „Glauben Sie mir, Sie können auch wieder einmal lachen.“ Dieser Satz einer Mutter, nur eineinhalb Jahre nach dem Tod ihrer Tochter, hatte Lothar Weddig Hoffnung gegeben. Nachdem er seine 22-jährige Tochter verloren hatte, trat er im Dezember 1987 der Selbsthilfegruppe Verwaiste Eltern Kassel bei, im August des Jahres war diese von zwei Müttern und einem Vater gegründet worden.

Am vierten Todestag seiner Tochter konnte er wieder lachen. „Es war in einer Aufführung von Goethes Faust“, erinnert sich der heute 77-Jährige. Der Prozess des Trauerns habe jedoch elf Jahre gedauert.

Am Sonntag, 23. September, begeht die Selbsthilfegruppe ihr 25-jähriges Bestehen. Weddig leitete 18 Jahre lang die Gruppe. Vor fünf Jahren übernahmen Barbara Getfert und Gabriele Ohligschläger die Leitung.

Isolation droht

Auch wenn die Schicksalsschläge sehr unterschiedlich sind, ähneln sich viele Erfahrungen von Eltern, die ihre Kinder verloren haben. „Die Trauer allein macht schon ziemlich einsam“, sagt Ohligschläger. Hinzu komme, dass der Kontakt mit Freunden, Bekannten und der Familie schwierig werde. „In der Gruppe hatte ich das Gefühl, verstanden zu werden“, sagt sie. Vor allem der Kontakt mit Menschen, die seit vielen Jahren betroffen seien, hat ihr Mut gemacht. „Ich habe durch sie erkannt, dass man mit dem Tod eines Kindes leben kann“, sagt sie. Am Anfang stehe man im Nebel, sehe kein Licht. „Aber irgendwann kommt das Licht wieder“, sagt Ohligschläger.

Diese Erfahrung hat auch Barbara Getfert gemacht. Vor zehn Jahren starb ihre siebenjährige Tochter durch eine Krankheit. „Es hat gutgetan, das Erlebte teilen zu können“, erzählt sie. Zudem habe sie durch die Gruppe neue Freunde gefunden. Man erfahre von Betroffenen ein anderes Verständnis. „Der Grat vom Lachen zum Weinen ist oft sehr schmal“, ergänzt Ohligschläger.

Jeden dritten Mittwoch im Monat trifft sich die Gruppe ab 19.30 Uhr in der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen KISS, Wilhelmshöher Allee 32 a. Es ist ein offenes, kostenfreies Angebot. Zwischen zehn und 20 Eltern kommen in der Regel zu den Treffen. „Wir möchten Eltern einladen, einen Weg zu suchen, um mit dem einschneidenden Verlust eines Kindes leben zu lernen“, sagt Getfert. Die Inhalte der etwa zweieinhalbstündigen Treffen ergeben sich laut Getfert aus den Bedürfnissen der Teilnehmer, wobei aber eine bestimmte Struktur vorgeben sei. Drei bis fünf Jahr nehmen Betroffene durchschnittlich das Angebot wahr. Viele bleiben der Gruppe darüber hinaus verbunden. In der Gaststätte „Bootshaus“, Auedamm 27, will die Gruppe am Sonntag ab 17 Uhr auf 25 Jahre zurückblicken. Unter anderem werden ein Referat über „Geschwistertrauer“ und Lieder eines Vaters der Kasseler Gruppe, in denen er seine Trauer ausdrückt, zu hören sein.

Kontakt: Barbara Getfert, Tel. 05 61 / 31 55 97, barbara.getfert@unitybox.de

Gabriele Ohligschläger, Tel. 05 61 / 28 13 42, gabi.ohligschlaeger@web.de

Von Mirko Konrad

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