In Forstfeld wird nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gefahndet

„Das war meine erste Bombe“ - Sucher bewahren Ruhe

Bombensuche im Fortsfeld: Tobias Meßner (links) hat schon einmal eine Bombe freigelegt. Sein Kollege Conny Seifert war da gerade im Urlaub. Fotos: Naumann

Forstfeld. Völlig ruhig, mit langsamen Schritten, geht Tobias Seifert die Wiese ab. Dabei trägt er ein sperriges Gestell mit sich herum, 20 Kilo schwer und zwei Meter breit – einen Magnetfeld-Scanner.

Es ist früh und noch eiskalt. Tobias Meißner macht seine Arbeit wie jeden Tag, er denkt gar nicht daran, was unter seinen Füßen liegen könnte – Flieger-Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Seit sechs Jahren macht er das schon, meist zusammen mit seinem Kollegen Conny Seifert. Beide kommen von der Gesellschaft für Liegenschaftskonversion aus Schorfheide und wurden von der Stadt Kassel beauftragt.

Es geht um ein 13.000 Quadratmeter großes Stück Wiese im Forstfeld unweit der A 7 an der ehemaligen Söhrebahn-Trasse. Es soll für Wohnbebauung erschlossen werden, „und dann sollten da natürlich keine Bomben im Boden liegen“, sagt Seifert salopp.

„Wird sich eh nichts finden“

Nicht ohne Grund ist er so ruhig. Er weiß, wahrscheinlich wird er hier eh nichts finden. „Aber die Stadt muss jede Fläche auf Kampfmittel untersuchen, wenn eine Bebauung geplant ist und die Fläche noch nicht geprüft wurde“, sagt Hans-Jürgen Stückradt vom Liegenschaftsamt.

Zuvor haben alte Luftbilder bei der Suche nach möglichen Blindgängern geholfen. Die Alliierten machten sie, um zu sehen wie erfolgreich ihre Luftangriffe waren. „Aus den Aufnahmen lassen sich Blindgänger-Verdachtspunkte ableiten“, erklärt Stückradt.

„Wir wollen sicher gehen“

Auf der Wiese in Forstfeld aber hat sich kein solcher Verdachtspunkt ergeben, „trotzdem machen wir die Magnet-Analyse“, so Stückradt. „Wir wollen sicher gehen“.

Bis in fünf Metern Tiefe vermag das Gerät Bomben aufzuspüren. „Das muss es auch“, sagt Conny Seifert. Eine Bombe, die aus 4 000 Metern Höhe abgeworfen wurde, rammt sich gut zwei bis vier Meter in den Boden. „Durch das Metall der Bombe wird das Magnetfeld der Erde verändert. Dass können wir messen und später optisch darstellen“, erklärt Seifert das Verfahren.

Für heute ist aber zunächst einmal Schluss. Keine zweieinhalb Stunden hat das Scannen der Wiese gedauert. Im Firmensitz in Schorfheide werden die Daten nun aufbereitet und analysiert. „Treten Anomalien auf, müssen wir genauer nachsehen. Gegebenenfalls liegt tatsächlich ein Blindgänger im Boden.“

Aber auch diese Aussicht macht Meißner nicht nervös. In seiner Zeit als Bombensucher wurde er erst einmal fündig. „Im September 2007 war das, in Bettenhausen an der Osterholzstraße“, sagt Meißner knapp. „Das war meine erste Bombe.“

Nicht nur gefunden habe er sie, sondern auch freigelegt, bevor sie dann von Experten des Kampfmittelräumdienstes entschärft wurde. „Das war eine 250-Kilo-Bombe, der Klassiker unter den Blindgängern“, sagt Meißner – und bleibt dabei immer noch ruhig. „Gehört halt zum Job.“

Von Boris Naumann

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