Ermittler Michael Cäsa wird Nachfolger seines Vaters Horst Cäsa

Generationswechsel bei Kasseler Mordermittlern: Das Namensschild kann bleiben

Ermittler Horst und Michael Cäsa vom K 11 der Kasseler Kripo
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Ermittler Michael Cäsa (rechts) wird Nachfolger seines Vaters Horst Cäsa beim K 11.

Die Beamten des K 11 der Kripo klären Todesursachen auf und überführen Mörder. Zwei langjährige Ermittler gehen heute in den Ruhestand. Einer von ihnen hat einen besondern Nachfolger: seinen Sohn.

Kassel – Manche Söhne übernehmen von ihrem Vater eine alte Uhr oder ein Auto. Ein Auto, nämlich den Dienstwagen, den bislang sein Vater Horst Cäsa gefahren ist, übernimmt Michael Cäsa auch. Dazu kommen aber noch Horst Cäsas Büro im Polizeipräsidium Nordhessen und Kriminalfälle. Verfahren, die er nicht mehr abschließen konnte.

Der 63-jährige Kriminaloberkommissar, der mit 16 zur Polizei ging, wird nach knapp 48 Jahren heute in den Ruhestand verabschiedet. Der 33-jährige Polizeioberkommissar Michael Cäsa übernimmt die Stelle seines Vaters im Kommissariat 11 bei der Kasseler Kriminalpolizei. Die Ermittler des K 11 sind für die Aufklärung von Kapitalverbrechen, also Mord und Totschlag, sowie Brände und Waffendelikte zuständig.

Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der Kasseler Kripo, dass ein Sohn die direkte Nachfolge des Vaters antritt. Nicht mal das Schild an der Bürotür muss gewechselt werden, haben die Kollegen gewitzelt.

Irgendwann eine Stelle als Ermittler beim K 11 zu bekommen, das sei ein Kindheitstraum von ihm gewesen, sagt Michael Cäsa. Da sei er schon durch seinen Vater geprägt worden, der natürlich auch ab und an zu Hause von seinen Fällen erzählt habe. Dadurch sei bei ihm der Ehrgeiz geweckt worden, selbst Kapitalverbrechen zu bearbeiten.

Vor zehn Jahren bewarb sich Michael Cäsa zunächst bei der Polizei in Thüringen und machte dort seine Ausbildung. 2015 konnte er dann zur Landespolizei nach Hessen wechseln. Zunächst wurde er im Streifendienst eingesetzt, studierte dann weiter, um zur Kripo gehen zu können. Während seines Studiums hospitierte er bereits im K 11 in Kassel. „Die Staatsanwälte waren damals schon etwas verwirrt, als sie plötzlich mich am Telefon hatten“, sagt Michael Cäsa.

Zu den Fällen, die sein Vater ihm überlässt, gehört der Tod des dreijährigen Jungen, der kürzlich nach einer Operation in Kassel nicht mehr aus der Narkose aufgewacht war. Vor solchen Fällen mit Kindern habe er großen Respekt, sagt der 33-Jährige. Er selbst hat eine zweijährige Tochter, sein Sohn ist drei Monate alt. Da müsse man erst lernen, wie man damit umgehen könne. Ihm sei klar, dass er seinen Vater als Ermittler nicht Ad-hoc ersetzen könne. „Da steht man schon noch im Schatten und muss sich seine Position erarbeiten.“

Michael Cäsa musste sich natürlich ganz normal für die Stelle im K 11 bewerben. Die Behördenleitung hat entschieden, dass er den Zuschlag bekommt. Es gebe ohnehin nicht so viele Bewerber, die ins K 11 wollten, so Cäsa. Das liege auch an den vielen Leichensachen, die die Ermittler bearbeiten müssten. Im K 11 arbeiten mit dem Chef elf Kommissare. „Es gibt Tage, da fährt man von Leiche zu Leiche, von Brand zu Brand“, sagt Cäsa (siehe Artikel unten).

„Er wird ins kalte Wasser geworfen“, sagt Horst Cäsa über seinen Sohn. Eine Woche konnte er ihn noch einarbeiten. Aber wenn er Fragen habe, könne er sich natürlich melden. „Er hat ja meine Telefonnummer.“

Dass der Sohn zum K 11 geht, dagegen hätten seine Frau und er nichts gehabt. Mehr Angst hätten sie um Michael gehabt, als er noch Streifenpolizist gewesen ist. Diese Kollegen seien auf der Straße der größten Gefahr ausgesetzt.

Sorgen hat sich Horst Cäsa allerdings immer um seine Familie, seine Frau und die zwei Söhne gemacht. Das sei darauf zurückzuführen, dass er in den vergangenen 20 Jahren beim K 11 bei so vielen Obduktionen dabei gewesen ist. „Da verändert sich schon der Blick auf das Leben. Ich habe sämtliche Arten des Sterbens gesehen“, sagt der 63-Jährige. „Ich weiß, auf was für einem schmalen Grat wir uns bewegen. Ich weiß, was alles passieren kann.“

Nichtsdestotrotz sei das K 11 in seinen Augen immer noch die spannendste Dienststelle bei der gesamten Polizei, sagt Cäsa, der in jungen Jahren auch bei der Schutzpolizei und später beim SEK war. Als Personenschützer hat er übrigens für vier Jahre Hans Eichel zur Seite gestanden, als der noch Ministerpräsident von Hessen war. Das sei eine sehr angenehme Zeit gewesen.

Für seinen Ruhestand hat sich Cäsa vorgenommen, mit einem befreundeten Psychotherapeuten einen Krimi zu schreiben. Zudem habe er jetzt mehr Zeit für seine Enkelkinder. Seine früheren Aufgaben muss schließlich jetzt deren Vater erledigen.

Das Türschild kann bleiben: Michael Cäsa übernimmt das Büro seines Vaters beim K 11.

Spezialisten für Leichenschauen

Kriminaloberkommissar Ralf Breßler (60) hat viele Leichen gesehen, nachdem er im Jahr 2004 Ermittler beim K 11 der Kasseler Kripo geworden ist. Im Laufe der Jahre ist er ein Spezialist bei Leichenschauen geworden. Ebenso wie sein Kollege, Kriminaloberkommissar Horst Cäsar (63). Dieser schätzt, sich um etwa 4000 Sterbefälle innerhalb der vergangenen 20 Jahren gekümmert zu haben. Die beiden Experten für Leichensachen, wie es bei der Kripo heißt, werden heute in den Ruhestand verabschiedet.

In der Pathologie am Klinikum Kassel waren die beiden Kriminaloberkommissare bei vielen Obduktionen dabei: Horst Cäsa (links) und Ralf Breßler vom K 11 der Kasseler Kripo gehen in den Ruhestand.

Die Ermittler des K 11 kommen nicht nur zum Einsatz, wenn ein Verbrechen geschehen ist. Leichenschauen werden grundsätzlich durch die Kripo in folgenden Fällen vorgenommen: Bei Freitod, Drogenopfern, Unfällen, Todesfällen im öffentlichen Raum, Brandleichen, bei einem plötzlichen Kindstod sowie in Fällen, bei denen die Identität des Toten unklar ist. Hinzu kommen die ungeklärten Fälle, die von Ärzten gemeldet werden.

Durch die Kenntnisse von Ralf Breßler sind in den vergangenen Jahren zwei Mordfälle entdeckt worden, die möglicherweise ansonsten als natürliche Todesfälle durchgegangen wären. Im Mai 2016 wurde eine 74-jährige Frau in ihrem Haus in Niederzwehren tot aufgefunden. War sie gestürzt? Breßler, der selbst nicht am Tatort war, ließ sich die Leiche von zwei jüngeren Kollegen beschreiben. Die berichteten ihm, dass sie am Körper der Frau vorne und hinten Leichenflecken entdeckt hätten. Für Breßler war klar, dass da etwas nicht stimmte. Jemand musste den Körper bewegt haben. Es wurde eine Obduktion angeordnet. Dabei stellte sich heraus, dass die Frau mit einem Kissen erstickt worden war. Der Täter wurde später wegen Mordes verurteilt. Ebenso der Mann, der im September 2017 einen Freund in Niederzwehren erwürgt hatte. Die Leiche wurde erst nach zwei Wochen gefunden. „Wir haben uns angewöhnt, Leichen mit Fäulnis zu obduzieren“, sagt Breßler. Bei der Obduktion stellte sich heraus, dass der Mann erwürgt worden war.

Aber nicht nur Morde wurden aufgrund der Leichenschauen entdeckt. Die Ermittler stellten im Laufe der Jahre auch Behandlungs- und Pflegefehler bei Verstorbenen fest. Durch diese Arbeit konnten Defizite in Pflegeeinrichtungen beseitigt werden, wovon letztlich die Lebenden profitierten. „Hartnäckigkeit ist bei unserer Arbeit ganz wichtig. Man darf nicht locker lassen“, sagt Breßler. „Glück braucht es natürlich auch.“

An den Umgang mit Leichen haben sich Breßler und Cäsa gewöhnt. Viel schlimmer sei für sie aber immer die Begegnung mit den Angehörigen gewesen. Vor allem, wenn Kinder gestorben sind. Zum Beispiel an einem plötzlichen Kindstod. Nichtsdestotrotz hätten sie die meisten dieser Fälle übernommen. Auch um jüngeren Kollegen, die selbst noch kleine Kinder haben, zu entlasten.

Künftig wird sich Ralf Breßler, der 43 Jahre bei der Polizei war, verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, mit weniger morbiden Themen beschäftigen. Zu seinen Hobbys gehören nämlich Geocaching und der Karneval. Breßler ist seit knapp zehn Jahren Sitzungspräsident der Karnevalisten in Fuldatal-Rothwesten. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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