Corona-Hotspot

Drastischer Anstieg der Infektionszahlen in Kassel: Das hat jetzt Folgen

Erstaufnahmeeinrichtung in Niederzwehren
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Steht weiter unter Quarantäne: Die Erstaufnahmeeinrichtung in Niederzwehren.

Die vielen positiv getesteten Bewohner der Erstaufnahme Niederzwehren lassen die Infektionszahlen in Kassel ansteigen. Das hat Konsequenzen für Veranstaltungen.

Kassel – Der Corona-Ausbruch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Niederzwehren hat zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen im Kasseler Stadtgebiet geführt. Das hat auch Auswirkungen auf viele andere Bereiche der Stadt. Fragen und Antworten.

Was hat der Test aller Bewohner der Einrichtung am Dienstag ergeben?
Demnach sind 109 Bewohner sowie ein Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Gießen und eine Mitarbeiterin eines Dienstleisters positiv getestet worden. „Die hohe Zahl macht entsprechende Maßnahmen notwendig“, sagt Manfred Becker, Abteilungsleiter im Regierungspräsidium Gießen und für die Erstaufnahmeeinrichtung zuständig. Am vergangenen Freitag war die Einrichtung bereits unter Quarantäne gestellt worden. Dabei bleibe es auch weiterhin. Die Bewohner dürfen das Gelände aktuell nicht mehr verlassen und werden vor Ort versorgt. Um die Infektionsketten zu unterbrechen, werden die internen Quarantänebereiche derzeit erweitert und neu strukturiert, damit die positiv und negativ Getesteten räumlich getrennt werden können, heißt es in der Mitteilung des Regierungspräsidiums.
Gab es bereits einen vergleichbaren Ausbruch in Hessen?
„So plötzlich dieser Ausbruch in seiner Heftigkeit gekommen ist, darf nicht vergessen werden: Wir befinden uns hier in Deutschland mitten in einer Pandemie“, sagt Manfred Becker. Deren Hauptmerkmal sei es gerade, überraschend aufzutreten. Bislang habe das Sicherheitskonzept gegriffen. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen sind aktuell 3283 Menschen an fünf Standorten untergebracht, davon 300 in Kassel-Niederzwehren. Seit dem Lockdown vor sieben Monaten wurden an allen Standorten 22 Bewohner positiv auf Covid-19 getestet.
Wie ist das Vorgehen in den Erstaufnahmeeinrichtungen bislang?
Neu ankommende Flüchtlinge werden nach der Aufnahme in Gießen generell für mindestens zwei Wochen vorsorglich dort in separaten Räumen untergebracht. Verdachtsfälle werden in einem dafür vorgesehenen Gebäude isoliert, heißt es vom RP Gießen. An allen Standorten seien Alltagsmasken an Bewohner sowie Beschäftigte ausgegeben worden. Mahlzeiten würden nicht mehr in der Kantine eingenommen, sondern auf den Zimmern. In mehreren Sprachen würden die Bewohner über die Informationen des Robert Koch-Institutes informiert.
Wie bewertet die Stadt Kassel den Ausbruch?
„Bei dieser Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung Niederzwehren handelt es sich um ein besonderes Ausbruchsgeschehen, auf das wir mit der umgehenden Quarantäneanordnung bereits reagiert haben. Die Sicherung des Geländes wird bereits seit vergangenem Freitag gewährleistet“, betont dazu Oberbürgermeister Christian Geselle.
Welche Veranstaltungen werden nun abgesagt?
Alle größeren Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmenden. Diese Maßnahme sei notwendig, um dem Anstieg der Inzidenz entgegenzuwirken, so OB Geselle. Nicht stattfinden wird etwa die eigentlich ab dem heutigen Donnerstag geplante Internationale Waffenbörse. Sportveranstaltungen wie die Heimspiele des KSV Hessen Kassel im Auestadion und der MT Melsungen in der Rothenbachhalle können stattfinden, allerdings ohne Zuschauer, teilte die Stadt.
Welche Konsequenzen hat die Entwicklung für private Veranstaltungen?
Im Vorgriff auf die ab kommenden Montag in Kraft tretende Rechtsverordnung des Landes Hessen kündigt die Stadt Kassel an, dass bereits ab dem heutigen Donnerstag private Feiern mit mehr als 25 Personen untersagt sind. Für Feiern in privaten Räumen, insbesondere in Wohnungen, wird eine Höchstteilnehmerzahl von zehn Personen dringend empfohlen.
Warum gibt es heute in der HNA keine Übersicht und Grafik der Infiziertenzahlen in Stadt und Kreis?
Weil die Zahlen, die Stadt und Gesundheitsamt am Mittwochmittag veröffentlicht haben, lediglich für Verwirrung sorgen würden. Dort wird nämlich noch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 37,2 für die Stadt Kassel genannt (siehe Bericht unten). Nachdem die positiv getesteten Asylbewerber berücksichtigt worden sind, ergab sich am späten Nachmittag ein deutlich höherer Inzidenzwert von 94,2. Deshalb hat sich die HNA-Redaktion dazu entschieden, auf die Grafik und die Übersicht zu verzichten.
Was würde die Einstufung als Risikogebiet für Kasseler bedeuten, die andere deutsche Regionen besuchen wollen?
Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 würde auch für die Kasseler das von anderen Bundesländern verhängte Beherbergungsverbot gelten. Es besagt, dass Reisende aus einem deutschen Risikogebiet in Hotels oder Pensionen nicht aufgenommen werden dürfen und gilt etwa in Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Meist ist es möglich, einen negativen Corona-Test vorzulegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, um übernachten zu können.
Wer sich mit falschem Namen in Gästelisten gastronomischer Betriebe einträgt, dem droht ab Montag ein Bußgeld. Wie händelt das die Gastronomie?
Diese Frage hat die Hessische Staatskanzlei jetzt beantwortet. Sollte ein Gastronom feststellen, dass ein Gast falsche Daten auf dem Zettel eingetragen hat, möge er ihn auffordern, richtige Angaben zu machen. Um die Plausibilität zu überprüfen, kann er sich auch den Personalausweis zeigen lassen. Sollte sich der Gast widersetzen, kann ihn der Wirt des Hauses verweisen. Von der Staatskanzlei heißt es weiter, dass die Höhe des Bußgelds bei 100 Euro liege, nicht, wie in der gestrigen Ausgabe berichtet, bei 50 Euro. Und dieses sei in erster Linie ein Signal, damit den Menschen einmal mehr klar werde, dass die Richtigkeit ihrer Angaben für die Rückverfolgung von Infektionsketten wesentlich sei, so Ministeriumssprecher Marco Kreuter.

Von Kathrin Meyer Und Andreas Hermann

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