Vorstellung der Saison mit dem neuen Leitungsteam

Das ist der Spielplan des Kasseler Staatstheaters für die Saison 2021/22

Intendant Florian Lutz
+
Der neue Chef: Intendant Florian Lutz mit dem Spielplanheft 2021/2022, das eher ein Buch ist, vor dem Kasseler Opernhaus.

Weit über ein Jahr lang haben sie daran gearbeitet – am Freitag hat das neue Leitungsteam am Kasseler Staatstheater sein Programm für die kommende Saison vorgestellt.

Kassel – Mit flexiblen Sitzplatzmodellen und einem angepassten Abo-Angebot will das Team um den künftigen Intendanten Florian Lutz für mögliche Pandemie-Einschränkungen gerüstet sein. Saisonbeginn als Festival: Am 24., 25., und 26. September finden acht Premieren statt, das Haus will seine künstlerische Bandbreite zeigen.

Pandämonium: Bühnengestalter Sebastian Hannak verwandelt für die ersten Monate der Spielzeit die Opernbühne in ein mehrstöckiges Logentheater. Um das in der Mitte platzierte Orchester und einige Spielinseln, an denen die Sänger agieren, sitzen die Besucher auf den Seitenbühnen und im Hintergrund – ebenso wie im Zuschauerraum. Diese Installation heißt Pandämonium und soll ein „Musiktheaterparlament“ sein. Alle Produktionen bis zum Jahresende werden darin gespielt, bis hin zum Weihnachtsstück für Kinder. Das soll einerseits neue künstlerische Erlebnisse ermöglichen, andererseits für mögliche Einschränkungen rüsten, so Chefdramaturg Kornelius Paede.

Musiktheater: Zwei Opernpremieren an einem Wochenende: Zum Auftakt geht es mit Alban Bergs „Wozzeck“ (Freitag) und Puccinis „Tosca“ (Samstag) los, beides dirigiert von Generalmusikdirektor Francesco Angelico. Im Oktober folgt das Musical „Cabaret“, später in der Saison etwa „Der Freischütz“ in der Lesart von Regiestar Ersan Mondtag und eine Uraufführung auf Basis einer Science-Fiction-Geschichte von Dietmar Dath, „Blitze sprechen deutsch“. Das zeitgenössische Musiktheater soll einen wichtigen Stellenwert bekommen, aber auch das klassische stets auf seine gesellschaftliche Relevanz befragt werden, so Paede.

Schauspiel: Schauspieldirektorin Patricia Nickel-Dönicke setzt auf eine Mischung aus klassischen Texten (Tschechows „Kirschgarten“, Kafkas „Die Verwandlung“) und Neuem. Ihre Sparte wird sich mit dem Verhältnis Mensch-Natur beschäftigen, ebenso wie mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft. Los geht es mit einer Überschreibung von Goethes „Faust“, bei der Bürger sich auf die Suche nach Gretchens Perspektive machen sollen, und mit „Die gute Erde“ nach dem Roman von Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck. Das Ensemble ist paritätisch und divers besetzt, das macht Anpassungen mancher Stücke erforderlich.

Kooperatives: Spartenübergreifende Arbeit und Kooperationen sind für das Team besonders wichtig. Dafür steht im documenta-Sommer 2022 das Projekt „Temple of Alternative Histories“ vom preisgekrönten Thorleifur Örn Arnarsson, der Theaterleute, Bürger, Wissenschaftler, Darstellende und Bildende Kunst sowie digitale Medien zusammen-bringt. Der Kern ist eine Betrachtung des nordischen Edda-Mythos und des „Ring des Nibelungen“ unter der Fragestellung, wie eine völkisch-nationale Kulturgeschichte und überhaupt ein Bildungskanon entstehen.

Festivals und Reihen: Das Theater nimmt an einem bundesweiten Theaterprojekt zum NSU-Komplex teil, veranstaltet ein Festival zur documenta, arbeitet mit Religionsvertretern für ein Ramadan-Projekt und mit Bars für ein Nachtclubprojekt.

Tanz: Zehn Produktionen, davon sieben Uraufführungen stehen auf dem Spielplan und sollen Tanz als gelebte Gleichstellung und Antidiskriminierung nach außen vermitteln. Mit einer Doppelpremiere startet das Ensemble in die Spielzeit. In „Reminition Swanlake“ des niederländischen Kollektivs United Cowboys und in „Body #whatever“ von Roni Chadash, einer jungen israelischen Choreografin, setzen sich die Choreografen mit dem Ballettklassiker „Schwanensee“ auseinander.

Noa Wertheim, Grande Dame des israelischen Tanzes, wird zum ersten Mal überhaupt mit einer anderen Company als ihrer eigenen arbeiten und im Opernhaus „Janus“ inszenieren, Premiere ist im Februar 2022.

Die Konzertsparte: Brahms und Schumann stehen im Mittelpunkt des Jahres, Brahms auch mit seinem Requiem, Schumann mit „Manfred“. Ferner werden die eigenen Orchestermusiker als Solisten in Szene gesetzt und die neuen Dirigenten vorgestellt, neben GMD Angelico und 1. Kapellmeister Mario Hartmuth sind das Kiril Stankow als Koordinierter Erster und Peter Schedding als 2. Kapellmeister.

JUST+: Umfangreiche Angebote gibt es für Kinder und Jugendliche und für Bürger, die sich selbst künstlerisch einbringen wollen. Von Stücken für Schulen über „Krabat“ mit Beteiligung von Jugendlichen bis hin zum „Weihnachtsoratorium“ mit Bürgerchor reicht das Angebot. Anmeldung: plus@staatstheater-kassel.de

Abonnements: Es gibt ab sofort flexible Angebote, die pandemietauglich je für eine halbe Spielzeit gültig sind, Abocard mit Rabatt für Bestandskunden.

Der Spielplan des Kasseler Staatstheaters für die Saison 2021/22

Musiktheater:

  • „Wozzeck“ von Alban Berg,
  • musikalische Leitung: Francesco Angelico, Regie: Florian Lutz, Premiere 24. September
  • „Tosca“ von Giacomo Puccini, musikalische Leitung: Francesco Angelico, Regie: Sláva Daubnerová, Premiere 25. September
  • „Cabaret“ Musical, musikalische Leitung: Peter Schedding, Regie: Henriette Hörnigk, 23. Oktober
  • „Weihnachtsoratorium“
  • Partizipatives Musiktheater mit Musik von Johann Sebastian Bach, Leitung: Kiril Stankow, Regie: Jochen Biganzoli, 5. Dezember
  • „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber, musikalische Leitung: Mario Hartmuth, Regie: Ersan Mondtag, Premiere 12. Februar
  • „Die Dreigroschenoper“ von Brecht/Weill, musikalische Leitung: Peter Schedding, Regie: Martin G. Berger, Premiere 19. März
  • „La muette de Portici“ von Daniel Auber, musikalische Leitung: Kiril Stankow, Regie: Paul-Georg Dittrich, 9. April.
  • „Blitze sprechen deutsch“ (UA) von Felix Leuschner nach Dietmar Dath, musikalische Leitung: Francesco Angelico, Regie: Florentine Klepper, 4. Juni.
  • „Temple of Alternative Histories“ (UA), Projekt von Anna Rún Tryggvadóttir und Thorleifur Örn Arnarsson (auch Regie), musikalische Leitung: Mario Hartmuth, 9. Juli.

Schauspiel:

  • „Die gute Erde“ (UA) nach Pearl S. Buck, Regie: Mina Salehpour, 25. September
  • „Faust Gretchen“, Videoinstallation, Regie: Bert Zander, 25. September, TiF
  • „Sein oder Nichtsein“ nach Ernst Lubitsch, Regie: Christian Weise, 9. Oktober
  • „Der Funke Leben“ (UA) nach E. M. Remarque, Regie: Lars-Ole Walburg, 22. Oktober
  • „A Divine Comedy“ Tanzperformance von Florentina Holzinger, 29. Oktober
  • „Tausend deutsche Diskotheken“ (UA) nach Michel Decar, Regie: Gasenzer, Tobias /Schilling/Wittkop, Premiere 5. November, Nachtlokal
  • „mädchentreu“ (UA) von Mirja Biel (auch Regie), Premiere 6. November, TiF
  • „Grimm. Ein deutsches Märchen“ von Jan-Christoph Gockel (auch Regie) und David Schliesing, 27. November, TiF
  • „Amok“ nach Emmanuel Carrère, Regie: Jan-Christoph Gockel, 27. November, TiF
  • „Auf Wache“ (UA) von Dirk Laucke, Regie: Lars-Ole Walburg, 28. Januar, TiF
  • „Die Verwandlung“ nach Franz Kafka, Regie: Stef Lernous, 29. Januar
  • „Ein Mann der Kunst“ (UA) nach Kristof Magnusson, Regie: Dariusch Yazdkhasti, Premiere 8. April, TiF
  • „Der Kirschgarten“ von Anton Tschechow, Regie: Jan Friedrich, 7. Mai
  • „Your Very Own Double Crisis Club“ von Sivan Ben Yishai, Regie: Laura N. Junghanns, 8. Mai im Stadtraum

Extras Schauspiel:

  • „Kein Schlussstrich! Bundesweites Theaterprojekt zum NSU-Komplex“ 21. Oktober
  • „fast’n’d.ramadan“, 26. April
  • „Inbetween. Theater zwischen Vorstellung und Ausstellung“ Leitung: Dirk Baumann, Franziska Niehaus, 20. Mai
  • „Butler, Butch, Beyoncé“ analog und digital, ab Frühjahr
  • Tanz
  • „Schwanensee / Zwanenmeer“ (UA), United Cowboys und Roni Chadash, 26. September, Schauspielhaus
  • „Janus“ von Noa Wertheim, 25. Februar, Opernhaus
  • „i spada lekko cialo moje | my body falls lighter | mein körper schwerelos“ (UA) von Maciej Kuzminski, musikalische Leitung: Mario Hartmuth, 29. April, Opernhaus

Junges Staatstheater:

  • „Oh yeah, Baby!“ von Leandro Kees, 26. September, TiF Foyer
  • „How to Gatsby“ nach F. Scott Fitzgerald, Regie: Benjamin Hoesch und Barbara Frazier, 26. September, TiF
  • „In einem tiefen, dunklen Wald“, nach Paul Maar, Regie: Cordula Jung, Premiere: 4. November, Opernhaus
  • „Fliegen lernen“ nach Hans Chr. Andersen, Regie: Horwitz/ Frazier, 19. Februar, Tif
  • „Krabat“ nach Otfried Preußler, Regie: Barbara Frazier, 18. März, Schauspielhaus
  • „Die große Wörterfabrik“, Kinderoper von Martin Zels, Regie: Marlene Pawlak, 30. April, TiF.
  • „Mapping Utopia“ (UA), Forschungsprojekt, 10. Juli, TiF.

Konzerte:

  • 1. Sinfoniekonzert, Szymanowski Konzert für Violine und Orchester Nr. 1, Mahler Sinfonie Nr. 1, Dirigent: Francesco Angelico, 11. Oktober
  • 2. Sinfoniekonzert, Bußtagskonzert, 17., 18. November
  • 3. Sinfoniekonzert, 20. Dezember
  • 4. Sinfoniekonzert, 24. Januar
  • 5. Sinfoniekonzert, 28. Februar
  • 6. Sinfoniekonzert, 1. März
  • 7. Sinfoniekonzert | Karfreitagskonzert, 15. April
  • 8. Sinfoniekonzert, 13. Juni, Stadthalle
  • 9. Sinfoniekonzert, 11. Juli, Stadthalle

(Von Kirsten Ammermüller und Bettina Fraschke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.