1. Startseite
  2. Kassel

Abiturienten über ihre Oberstufenzeit während Corona: „Alles nicht optimal“

Erstellt:

Von: Christina Hein

Kommentare

Abi-Banner: Zum Abi 2022 gibt es an der Friedrich-List-Schule Mutmacher.
Abi-Banner: Zum Abi 2022 gibt es an der Friedrich-List-Schule Mutmacher. © privat/nh

In Kassel werden, wie in ganz Hessen, zurzeit Abiturprüfungen geschrieben. Wer 2022 Abi macht, dessen Schulzeit wurde geprägt durch die Corona-Pandemie. Abiturienten über die schwierige Zeit.

Kassel – Den Auftakt zu den Prüfungen machte das Fach Deutsch am 27. April. Zur Besonderheit gehört, dass in diesem Jahr an einigen Schulen mit gymnasialer Oberstufe kein Abiturjahrgang antritt. Durch den Wechsel von G8 auf G9 ist an der Albert-Schweitzer-Schule, am Friedrichs- und Goethe-Gymnasium für 2022 kein Abiturjahrgang nachgerückt. Im Bereich des Staatlichen Schulamts für Stadt und Landkreis machen deshalb in diesem Jahr nur 1159 Schüler Abitur. Davon besuchen 504 Schulen der Stadt Kassel.

Anders als der Jahrgang 2021, der sogar bei den Prüfungen von Beschränkungen beeinträchtigt war, handelt es sich bei den jetzigen Abiturienten um Schüler, die fast während ihrer gesamten Oberstufenzeit unter der Corona-Pandemie leiden mussten.

Tamara Brandau (19), Jacob-Grimm-Schule: „Bis jetzt liefen meine Prüfungen ganz gut. Vorher hat man ja immer Bammel. Das lässt nach, während man schreibt, die Prüfungen liefen entspannt, man konnte sie gut überstehen. Meine Leistungskurse sind Mathe und Chemie. Am Mittwoch kommt Chemie dran. Corona wurde an unserer Schule ganz gut bewältigt. Wir wurden mit technischen Hilfsmitteln wie Tablets ausgestattet, wo das nötig war, und die Lehrer haben den Online-Unterricht gut hinbekommen.

Was ich schlimm fand, war der Wechselunterricht: eine Woche zuhause, eine in der Schule. Wenn dann noch ein Lehrer zwischen zwei Räumen hin- und herspringen musste, war das kein angenehmes Lernen. Es war rückblickend echt ätzend. Und dann konnten wir in der Zeit nicht mal feiern gehen. Jetzt ist meine Schulzeit fast zu Ende und ich denke schon daran, Pharmazeutische Chemie zu studieren, am liebsten in Köln.“

Tamara Brandau
Tamara Brandau, Jacob-Grimm-Schule © Privat

 Rojda Kansiray (19), Friedrich-List-Schule: „Zwei Prüfungen haben wir jetzt schon hinter uns: Deutsch und Mathe. Ich lag ganz gut in meinem Lernpensum, habe schon im Januar begonnen und dann in den Osterferien noch mal zugelegt. Da habe ich dann Lektüre wiederholt und mir zum Beispiel noch mal Goethes Faust vorgenommen. Die Nervosität kam erst kurz vor der ersten Prüfung.

Aber alle Aufgaben waren machbar. Ich habe mich in Deutsch für das „materialgestützte Verfassen eines Essays“ entschieden. Mein Gefühl ist ganz gut. Mathe war auch okay.

Unser Abiturjahrgang hatte es durch Corona nicht einfach. Wir waren ja fast die Hälfte der Klasse 11 und ein Drittel der 12 im Lockdown. Dazu kamen die Fehlzeiten aus Quarantäne-Gründen. Wir hingen – jeder individuell – bei manchem Stoff hinterher. Das musste dann alles nachgeholt werden.

Ich habe festgestellt, dass ich Stoff aus dem Online-Unterricht nicht mehr so auf dem Schirm hatte. Das liegt vielleicht daran, dass Online-Unterricht eher den Charakter von Frontalunterricht hat und Schüler weniger nachfragen. Das alles war nicht optimal. Wir hatten durch Corona leider auch untereinander wenig Kontakte: Wir haben uns ja gefühlt kaum gesehen. Die Kennenlernfahrt war ausgefallen. Auf der Kursfahrt, die wir im März nachgeholt haben, habe ich mich mit einigen richtig gut verstanden. Aber jetzt haben wir kaum mehr Zeit für Freizeitaktivitäten. Mein nächstes Prüfungsfach ist Wirtschaft. Wenn alles geschafft ist, freue ich mich auf den Abiball. Der findet tatsächlich statt. Anders als beim Jahrgang vor uns.“

Rojda Kansiray
Rojda Kansiray, Friedrich-List-Schule © Privat

Jonathan Faust (18), Wilhelmsgymnasium: „Ich habe schon alle meine schriftlichen Prüfungen hinter mir und muss mich nur noch auf das Mündliche Abi Ende Juni vorbereiten. Deshalb fühle ich mich gerade super. Die Zeit der Oberstufe hätte insgesamt schöner sein können. Corona hat uns einen Strich durch viele schöne Dinge gemacht wie Klassenfahrten.

Der soziale Part war sehr eingeschränkt. Aber an unserer Schule haben die Lehrer früh guten Online-Unterricht hinbekommen. Als angehende Abiturienten durften wir auch früher als andere wieder in den Präsenzunterricht zurückkommen. Dadurch war es für uns erträglich. Mein Wunsch ist es jetzt, nach dem Abi eine Tischler-Lehre zu machen.“

Jonathan Faust
Jonathan Faust, Wilhelmsgymnasium © Andreas Hermann

Auch interessant

Kommentare