Einschlägig vorbestrafter 42-Jähriger vergriff sich an zwei zwölfjährigen Jungen – Urteil: Fünf Jahre Haft

„Das waren keine Ausrutscher“

Kassel. Vor allem wegen Betrugs hat der Mann auf der Anklagebank bereits mehrere Jahre im Gefängnis verbracht. Doch nicht nur anderen, meint Staatsanwalt Carl-Ludwig Geißler, pflegt der 42-Jährige etwas vorzumachen: „Sie betrügen sich auch selbst.“ Indem er sich nämlich sein größtes Problem nicht eingestehe: seine sexuelle Vorliebe für Jungen.

Gerichtsauflagen ignoriert

Zwei Zwölfjährige hat der Angeklagte in Kassel sexuell missbraucht. Und weil das nicht das erste Mal war, fiel das Urteil des Amtsgerichts hart aus: Zu fünf Jahren Gefängnis wurde der Möbelpacker am Dienstag verurteilt.

Dabei floss eine achtmonatige Bewährungsstrafe mit ein, die der 42-Jährige im Dezember kassiert hatte und die in gewisser Weise ebenfalls einschlägig war: Der Mann hatte mehrfach Kontakt zu Jugendlichen gesucht, obwohl ihm das nach seiner Haftentlassung vor drei Jahren gerichtlich untersagt worden war.

Von einem regelrechten „Handlungsschema“ sprach Richter Jan Pree in der Urteilsbegründung: „Das waren keine Ausrutscher.“

Zuletzt hatte der Angeklagte mit einem 19-Jährigen, der aber eher noch wie ein Kind aussieht, seine Wohnung (und wohl auch das Bett) geteilt.

Und als der junge Mann einmal seine damals zwölfjährigen Kumpel mit nach Hause brachte, spendierte der 42-Jährige Bier, Himbeersekt und Wodka-Feige – und griff schließlich einem der beiden betrunkenen Jungen in die Hose. Den anderen hatte er bereits einige Monate zuvor befummelt.

„Das ist richtig, genau so war das“, bekannte der Angeklagte. „Das ist leider passiert.“ Alles Weitere wollte er dann allerdings nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit sagen. Doch nach dem, was hinterher zu hören war, muss er sich dabei in erster Linie als Opfer der Umstände, des Alkohols und seines Mitbewohners dargestellt haben. Genauso wie er es offenbar auch in seinen vom Gericht kontrollierten Briefen aus der Untersuchungshaft immer wieder getan hat.

„Es gab jede Menge Selbstmitleid, aber nie aufrichtiges Bedauern.“

Richter Jan Pree

„Ich habe gefühlt tonnenweise Haftpost von Ihnen gelesen“, sagte Richter Pree. „Darin gab es jede Menge Selbstmitleid, aber nie aufrichtiges Bedauern.“ Von einer Auseinandersetzung mit den eigenen pädophilen Neigungen keine Spur.

Dabei war der Angeklagte bereits 2001 in Wiesbaden zu drei Jahren Gefängnis wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. In neun Fällen hatte er sich an Jungen zwischen neun und zwölf Jahren vergriffen – und war dabei ganz ähnlich vorgegangen wie jetzt in Kassel. Nur dass er sich seine Opfer damals sogar noch als Jugendtrainer einer Fußballmannschaft gesucht hatte.

Gelernt hat der Mann seitdem offenbar nichts. Doch die neuerliche Verurteilung gestern vor dem Amtsgericht dürfte seine letzte Chance sein: „Die nächste Geschichte dieser Art“, sagte Staatsanwalt Geißler, „bringt Ihnen die Sicherungsverwahrung.“ Das Weggesperrtsein auf unbestimmte Zeit also.

Von Joachim F. Tornau

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