Show aus 2001

„15 Minuten Berühmtheit“: Mann aus Kassel als Kandidat bei „Wetten dass...?“

Wortgewandter und selbstbewusster Saalkandidat aus Kassel: Frank Marth (links) im Gespräch mit „Wetten dass..?“-Moderator Thomas Gottschalk.
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Wortgewandter und selbstbewusster Saalkandidat aus Kassel: Frank Marth (links) im Gespräch mit „Wetten dass..?“-Moderator Thomas Gottschalk.

Am Samstag (06.11.2021) gibt es ein Revival der ZDF-Kult-Show „Wetten dass..?“. Wir sprachen mit Frank Marth aus Kassel, der 2001 Kandidat in Göttingen war.

Kassel – Als sich der Kasseler Gastronom Frank Marth am 17. Februar 2001 auf den Weg in die Lokhalle nach Göttingen machte, da sagte seine Mutter noch zu ihm: „Winke doch mal in die Kamera.“ Dass ihr Sohn wenige Stunden später vor 14,79 Millionen TV-Zuschauern neben Tony Curtis, Michael Schumacher, David Copperfield und natürlich Thomas Gottschalk einen eindrucksvollen Auftritt bei der ZDF-Show „Wetten dass..?“ hinlegen sollte, damit hatte Helga Marth allerdings nicht gerechnet.

An diesem Samstagabend vor über 20 Jahren sollte das Telefon von Helga und Peter Marth nicht mehr still stehen. Freunde und Bekannte riefen bei ihnen an, um zu sagen, dass ihr Sohn Frank im Fernsehen zu sehen ist. „Das waren meine 15 Minuten Berühmtheit“, sagt Marth heute. Der damals 35-Jährige war Saalkandidat bei der Show geworden.

Trotz großem Andrang: Mann aus Kassel bekommt Ticket für „Wetten dass..?“

Ganz Kassel wollte zu „Wetten dass..?“ nach Göttingen, erinnert sich Marth, der damals die Kneipe „Fosters Garden“ betrieb. Dass ausgerechnet er an eine Eintrittskarte kam, hatte er Rüdiger Croneiß, dem damaligen Niederlassungsleiter von Mercedes Benz, zu verdanken. Mit Croneiß war Marth über die Arbeit befreundet. Da Mercedes für die VIP-Shuttle der Show in der Lokhalle zuständig war, hatte das Unternehmen ein Karten-Kontingent, das an Top-Kunden verteilt wurde. Eine Karte war übrig. Und die bekam Marth. „Das hat mich sehr gefreut. Mir war aber auch gleich klar, dass ich dann auch Saalkandidat werden möchte“, erinnert sich der 55-Jährige.

„Ich hatte einen sehr belesenen Freund. Michael Schmelich. Den habe ich am Samstagmorgen angerufen und ihm gesagt, dass ich eine Wette brauche, die lustig sein muss und gewinnt.“ Schmelich, der als Freier Autor, Journalist, Produzent und Kultur-Manager gearbeitet hat, meinte, die Wette benötige einen aktuellen und lokalen Bezug. Beide warfen deshalb auch einen Blick in die Bild-Zeitung, die den damaligen Außenminister Joschka Fischer (Grüne) zum Rücktritt aufforderte. Fischer war Anfang 2001 wegen seiner militanten Sponti-Vergangenheit in den Fokus geraten.

„Wetten dass..?“: Mann aus Kassel wird Saalkandidat in der Show

Der lokale Bezug kam von der Uni Göttingen. So formulierten Marth und Schmelich folgenden Wettvorschlag für Gottschalk: „Wetten, dass Sie es nicht schaffen, 15 Professoren auf die Bühne zu bekommen, die in ihrer Jugend an einer Demonstration teilgenommen haben und davon ein Foto haben.“

Nach einem Sektempfang bei Mercedes in der Lokhalle gab Marth seine Postkarte mit der Wette ab. Kurz vor Showbeginn wurde er von dem Regieassistenten auf die Bühne gebeten. Ihm wurde mitgeteilt, dass seine Wette in die engere Auswahl gekommen war. Bei der Abstimmung profitierte Marth dann auch von den Leuten vom Mercedes-Sektempfang. „Die haben für mich Alarm gemacht.“ Die anderen Wetten seien aber auch nicht so gut gewesen. Gottschalk habe eine favorisiert, die eher peinlich war. Er wollte 30 Frauen über 40 im Minirock auf die Bühne holen.

Mann aus Kassel begrüßt Weltstars auf der „Wetten dass..?“-Couch mit Handschlag

„Es war schon erhebend, als ich 15 Minuten vor Ende der Sendung auf die Bühne gebeten wurde“, erinnert sich Marth. Dort saßen David Copperfield, Michael Schumacher, der Socken mit Rennwagen trug, Günther Jauch und Tony Curtis mit seiner sechsten Frau Jill. „Tony Curtis war einer der schönsten Männer Hollywoods“, schwärmt Marth. Er hat „Spartakus“ und „Manche mögen’s heiß“ mit Marylin Monroe gedreht. Marth, selbstbewusst und wortgewandt, begrüßte jeden der Stars mit Handschlag.

Diese Promis waren am 17. Februar 2001 in der Show in Göttingen: (von links) Günther Jauch, Regina Halmich, Daisy Lang, Frikrye Selen, David Copperfield, Michael Schumacher, Tony und Jill Curtis mit Thomas Gottschalk. Frank Marth begrüßte alle per Handschlag.

Weltstar Tony Curtis, der angeschickert auf dem Sofa gesessen habe, dachte, er sei ein deutscher Fernsehstar, so Marth. Als er bei Curtis ankam, stand dieser auf und machte die Gib-mir-fünf-Handbewegung zu Marth. Da Gottschalk zuvor erzählt hatte, dass Curtis Ehefrau bald Geburtstag habe, sagte Marth „Happy Birthday“ zu ihr. Die Blondine stand auf und gab Marth ein Küsschen rechts und ein Küsschen links. „Die Halle hat gebebt“, sagt Marth.

„Wetten dass..?“ in Göttingen: Thomas Gottschalk verliert Wette von Kasseler

Thomas Gottschalk sei sehr freundlich gewesen, sagt Marth. Seine Wette sei dem Moderator allerdings zu politisch gewesen, so jedenfalls sein Eindruck. In der Liveshow gewann Gottschalk damals übrigens die Wette, weil 16 Professoren an dem Abend auf die Bühne kamen. Später stellte sich allerdings heraus, dass zwei der Professoren nicht echt gewesen waren. Ein Spaßvogel aus Hann. Münden und eine Göttinger Polit-Aktivistin hatten sich auf die Bühne geschmuggelt. Gottschalk hatte die Wette also doch verloren.

Wenige Jahre später traf Marth Gottschalk übrigens im Hof eines Luxushotels in Los Angeles wieder, wo der Moderator auf ein Auto wartete. Marth arbeitete damals für den Versicherungsunternehmer Mehmet Göker, für den er auch Reisen organisierte. Gottschalk habe sich an ihn erinnert, erzählt Marth. Man habe kurz geplaudert. Göker, der dubiose Geschäftsmann, sei beeindruckt gewesen.

Abschluss der „Wetten dass..?“-Sendung: Gottschalk mit den Professoren, die in ihrer Jugend an einer Demo teilgenommen hatten, verliert aber die Wette von Frank Marth aus Kassel.

Mann aus Kassel trifft Prominenz auf After-Show-Party von „Wetten dass..?“

„Ich wollte nach der Show unbedingt ein Foto mit Michael Schumacher haben, sonst hätte ich gar nicht nach Hause fahren dürfen“, sagt Marth. Der Formel-1-Fahrer sei in Eile gewesen. Schumi sagte: „Dann aber schnell.“ Mehr Zeit auf der After-Show-Party, auf die er mit der „ganzen Mercedes-Bande“ ging, hätten Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel und Rita Süssmuth für ihn gehabt. Die ehemalige Bundestagspräsidentin habe ihn für seine Wette gelobt. „Super, was Sie heute Abend für die Uni Göttingen geleistet haben“, habe Süssmuth zu ihm gesagt.

Auch nach der After-Show-Party in Göttingen war noch lange nicht Schluss. „Nach meinen 15 berühmten Minuten war ich voller Adrenalin“, erinnert sich Marth. In Kassel ging es auf die Partymeile der Friedrich-Ebert-Straße. „Ich hatte gehofft, dass mich jemand im Fernsehen gesehen hatte“, sagt Marth.

Das hatten die meisten Gäste von „Joe´s Garage“ in der Tat getan, viele waren an dem Samstagabend von Freunden angerufen und über den Auftritt des bekannten Kasseler Gastronomen informiert worden. „Eben noch auf der Bühne, jetzt bei uns in Joe’s Garage“, bin ich dort begrüßt worden. Ich habe das Bad in der Menge genossen“, sagt Marth. Am Montagvormittag ging es dann weiter. Als Marth sich in der Metzgerei Barthel in der Wilhelmsstraße etwas zum Essen kaufen wollte, sagte die Fachverkäuferin zu ihm: „Sie sind’s doch.“ (use)

Am 6. November wird das „Wetten dass..?“-Revival mit Kult-Moderator Thomas Gottschalk sicherlich wieder zahlreiche Zuschauer vor den Fernseher ziehen.

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