Kritik an Plänen

Brüder-Grimm-Platz in Kassel soll umgestaltet werden: „Das wird kein Disney-Märchenwald“

Sie befürworten die Umbaupläne für den Brüder-Grimm-Platz in Kassel: Professor Stefan Rettich (links) und Matthias Foitzik sind Mitglieder des Gestaltungsbeirates der Stadt. Zudem saß Rettich in der Wettbewerbsjury zum Umbau.
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Sie befürworten die Umbaupläne für den Brüder-Grimm-Platz in Kassel: Professor Stefan Rettich (links) und Matthias Foitzik sind Mitglieder des Gestaltungsbeirates der Stadt. Zudem saß Rettich in der Wettbewerbsjury zum Umbau.

Die Planungen für den Brüder-Grimm-Platz in Kassel sind heftig umstritten. Nun äußert sich der Gestaltungsbeirat zum Märchenwald-Projekt.

Kassel - Die umstrittenen Pläne für die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes in Kassel dürften nicht in einen faulen Kompromiss münden: Das wünschen sich der Vorsitzende des städtischen Gestaltungsbeirates Matthias Foitzik und Stefan Rettich, ebenfalls Beiratsmitglied und zugleich Mitglied der Wettbewerbsjury, die über die Umbaupläne entschieden hat.

Der Architekt und der Architektur-Professor sehen die heftige Debatte über die Umbaupläne mit Sorge. Es werde von einigen der Eindruck erweckt, Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) wolle mit der Realisierung des Entwurfs, der in der Mitte des Platzes einen Kiefernhain vorsieht, seine persönlichen Vorstellungen durchsetzen. Es habe aber im Vorfeld der Entscheidung für die Pläne des Landschaftsarchitekturbüros Club L94 aus Köln ein mehrstufiges Verfahren gegeben.

Viele gesellschaftliche Gruppen in Gestaltung des Brüder-Grimm-Platz in Kassel eingebunden

„Im Preisgericht saßen Architekten, Stadt- und Landschaftsplaner sowie Denkmalschützer aus ganz Deutschland“, sagt Rettich. Zudem habe es einen beratenden Wettbewerbsbeirat gegeben, in dem Anlieger, Einzelhandelsvertreter, Schüler, Politiker aller Fraktionen und weitere Interessensvertreter gesessen haben. Es habe also eine breite Einbindung vieler gesellschaftlicher Gruppen gegeben.

Inhaltlich halten Foitzik und Rettich den Entwurf des Kölner Büros für „sehr überzeugend“. Er nehme durch den im Rund angelegten Wald Bezug auf seine ursprüngliche Form als Rondellplatz, belasse ihn aber in seiner heutigen Form als Fünfeck. Zudem löse er mehrere Probleme. So sei der Platz heute kaum mehr als solcher erkennbar. Er werde vom Verkehr dominiert.

So soll es werden: In der Mitte des Brüder-Grimm-Platzes in Kassel ist der Kiefernhain vorgesehen.

Brüder-Grimm-Platz in Kassel soll mehr Aufenthaltsqualität erhalten

Der Wald und die künftig nur noch einspurige Führung der Autofahrer sorgten für deutlich mehr Aufenthaltsqualität und Querungsmöglichkeiten. Der Platz nehme eine wichtige Schanierfunktion zwischen den barocken Achsen Wilhelmshöher Allee und Königsstraße ein. Dadurch komme ihm eine hohe Bedeutung zu, der er aktuell noch nicht gerecht werde.

„Als Entrée-Platz markiert er den Beginn der Innenstadt“, so Rettich. Insofern sei der Kiefernwald eine willkommene Irritation, die die Aufmerksamkeit auf diesen Ort lenke, findet Foitzik. Der Entwurf bestehe zudem nicht nur aus dem Kiefernwäldchen. Er lasse genug Freiflächen vor den Gebäuden, sodass diese weiterhin zur Geltung kämen.

Umbau des Brüder-Grimm-Platz in Kassel kostet zehn Millionen Euro

Zwei Punkte seien aber auch der Wettbewerbsjury wichtig gewesen, sagt Rettich. So müsse gewährleistet sein, dass die Kiefern schon bei ihrer Pflanzung eine stattliche Größe hätten, damit der Wald als solcher wahrnehmbar sei. Und zweitens sei es wichtig, dass der Wald nicht zu einem „dunklen Angstraum“ werde. Das Kölner Büro habe belegen können, dass es möglich ist, zehn Meter hohe Kiefern zu pflanzen und zudem ein Lichtkonzept für den Wald vorgelegt. Wegen der unter den Bäumen vorgesehenen Bodendeckern sei es nicht zu erwarten, dass die Menschen sich zwischen den Kiefern niederließen.

Zur Wahl der Baumart, die viele Kritiker ablehnen, weil es sich nicht um einen Stadtbaum handele, sagen die Fachleute: „Die Kiefer erzeugt den Eindruck eines Waldes. Zudem ist sie extrem trockenresistent“, so Foitzik. Und im Übrigen seien die Eichen des Kunstwerkes „7000 Eichen“ auch kein Stadtbaum und trotzdem sehr willkommen. Die Sorge, dass hier ein kitschiger Märchenwald entstehe, teilt Rettich nicht: „Das wird ganz sicher kein Disney-Märchenwald“. Den Wald in der Stadt könne man vielmehr als „Symbol für die ökologische Wende“ verstehen.

Zehn Millionen Euro soll der ab Ende 2022 geplante Umbau kosten. 6,5 Millionen Euro kommen vom Bund. (Bastian Ludwig)

Die Idee des Märchenwaldes auf dem beliebten Platz in Kassel ist Teil eines preisgekrönten Wettbewerbsbeitrags zur Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes.

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