Kontrolleure setzen Pflicht zur Garderobennutzung durch

Dauer-Ärger um Jacken im Kasseler Stadthallensaal

Kassels wichtigster Veranstaltungsort für populäre Großkonzerte: Das Kongress-Palais Stadthalle. Foto:  Zucchi / dpa

Kassel. Nach bald jedem Konzert in der Stadthalle machen Besucher ihrem Unmut darüber Luft, dass man mit dicken Jacken, Mänteln und größeren Taschen nicht in den Saal gelassen wird.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Garderobennutzungs-Pflicht:

Bei Konzerten in der Kasseler Stadthalle gilt seit einem halben Jahr: Dicke Jacken, Mäntel und größere Taschen dürfen nicht mit in den Saal genommen, sondern müssen zum Preis von zwei Euro an der Garderobe abgegeben werden.

Seit es die Regelung gibt, wird nach Veranstaltungen immer wieder Unmut laut. Manche stören sich an den Kosten der Garderobenpflicht, doch am häufigsten wird kritisiert, dass die Regelung uneinheitlich angewendet würde: Besucher, denen der Zugang nur ohne Jacke gestattet wurde, ärgern sich, wenn sie im Saal dann etliche andere Gäste erblicken, die samt ihrer warmen Bekleidung hineingelassen wurden. Wir ließen uns die Situation von Kongress-Palais-Leiter Oliver Höppner erläutern.

Warum wurde die Garderobenpflicht eingeführt?

In erster Linie aus Sicherheitsgründen, sagt Höppner: In der Vergangenheit hätten zwischen den Stuhlreihen verstaute Jacken, Mäntel und Taschen regelmäßig Fluchtwege blockiert und sich als Stolperfallen erwiesen. Das sei ein Sicherheitsrisiko, falls der Saal evakuiert werden müsse. Davon abgesehen hätten sich immer wieder Gäste gestört gefühlt, dass über die Lehne des Vordermanns gehängte Kleidungsstücke ihren Sitzraum einengen oder dass Jacken genutzt würden, um bei freier Platzwahl weiträumig Sitze zu blockieren.

Wer ist für die Regelung und deren Durchsetzung verantwortlich?

Das ist nicht Sache der jeweiligen Konzertveranstalter. Diese sind dem Hausrecht des Kongress-Palais unterworfen, das Garderoben- und Sicherheitspersonal von externen Dienstleistern anheuert. Diese Kräfte werden laut Höppner in Sicherheits- und Servicefragen geschult und von hauseigenen Instruktoren auf ihre Einsätze je nach Veranstaltung vorbereitet.

Wie werden die Konzertbesucher informiert, dass sie ihre Jacken abgeben müssen?

Im Foyer weisen mehrere Aufsteller sowie Einblendungen auf Bildschirmen in Symbolform, ähnlich wie auf Flughäfen, darauf hin, was nicht mit in den Saal darf. Zudem wird darauf im Veranstaltungsbereich der Kongress-Palais-Website hingewiesen – allerdings ziemlich klein gedruckt, wie Oliver Höppner gegenüber der HNA einräumt. Dies solle verbessert werden. Immer mehr Veranstalter würden die Hinweise inzwischen auch direkt auf die Konzertkarten drucken. Das setze sich erst allmählich durch, da Konzerttourneen mit sehr langem Vorlauf geplant würden.

Klare Ansage: Solche Aufsteller im Foyer erläutern, was Stadthallenbesucher mit in den Saal nehmen dürfen und was nicht. Fot o:  Schachtschneider

Wie kommt es dazu, dass Besucher sich immer wieder über Ungleichbehandlung in der Garderobenfrage beklagen?

„In Einzelfällen machen wir durchaus flexible Ausnahmen“, sagt der Kongress-Palais-Leiter. Das sei etwa der Fall bei gesundheitlich oder altersbedingt beeinträchtigten Besuchern, bei deren Begleitern bis zum Platz oder bei Veranstaltungsfotografen, die nur recht kurz im Saal seien. Wer solche Personen ohne Kenntnis des Hintergrundes im Saal mit dicker Jacke entdecke, könne sich selbst benachteiligt fühlen, räumt Höppner ein. Andere, die es vielleicht geschafft hätten, ohne besonderen Grund die Garderoben-Abgaberegeln zu unterlaufen, „werden in der Regel von unserem Personal im Saal angesprochen“.

Welche Alternativen haben Konzertbesucher, die ihre Jacken und Mäntel nicht an der Garderobe abgeben wollen?

Wer seine Sachen nicht gleich im Auto lassen will oder kann, dem stehen im Kongress-Palais insgesamt 100 Schließfächer zur Verfügung – theoretisch zumindest. Denn je nach Konzertveranstaltung müssten die Zugangskontrollen oft bereits vor dem Schließfachbereich an der ersten Treppe stattfinden, sagt Oliver Höppner: „Das ist eine unglückliche Situation, die Problematik ist uns bewusst.“ Es gebe Überlegungen, künftig auf mobile Schließfachregale umzurüsten, die dann bei Bedarf in der Vorhalle aufgestellt werden könnten.

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