Missbrauch von Kindern: 49-Jähriger muss nach der Haft in Sicherungsverwahrung

Dauerhaft hinter Gittern

Kassel. Seit 30 Jahren missbraucht ein 49-Jähriger immer wieder Kinder und Jugendliche. Am Montag schob die 10. Strafkammer des Landgerichts dem einen Riegel vor: Nachdem er sich seit 2008 in Kassel erneut an drei Jungen vergangen hat, die zum Tatzeitpunkt zwischen elf und 14 Jahren alt waren, ordneten die Richter die Sicherungsverwahrung an.

Der Angeklagte gestand die zehn Taten, die die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift auflistete, ohne Umschweife. Demnach hatte er einen heute 15-Jährigen bei einem Grillfest kennengelernt. Der brachte später seine beiden Freunde mit in die Wohnung des Mannes, der alle drei im Laufe der Zeit zu Oral- oder Analverkehr zwang. Den Jüngsten überwältigte er, als der betrunken im Bett lag. Zwei der Jugendlichen fesselte er mit Klebeband, um sie zu missbrauchen.

Der 49-Jährige räumte zwar alles ein, beteuerte jedoch, dass er nur in einem Fall selbst beim Fesseln Hand angelegt habe. In dem anderen hätten das zwei der Jungen getan, nachdem sie sich an seinem Computer pornografische Fesselspiele angesehen hätten. Zwei Jugendliche bestritten das als Zeugen. Der Vorsitzende Richter fragte den 15-Jährigen, weshalb er und seine Freunde nach den ersten sexuellen Übergriffen weiter in die Wohnung des Angeklagten gekommen seien. „Weil wir dort trinken und rauchen durften, was wir zu Hause nicht konnten“, lautete die Antwort.

Der Angeklagte war erst im Jahre 2000 vom Landgericht Wiesbaden wegen 17 Fällen von sexuellem Missbrauch zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Sein Vorstrafenregister wies davor schon diverse einschlägige Taten auf.

Nach den Angaben des psychiatrischen Sachverständigen Peter Müller hat der 49-Jährige zwar eine eindeutige sexuelle Orientierung auf Erwachsene, doch zugleich pädophile Tendenzen. Während der drei Jahrzehnte, in denen er immer wieder straffällig wurde, habe er sich stets ähnlich verhalten: „Wenn es mit Erwachsenen nicht ging, suchte er sich Kinder.“ Die Sozialtherapie während seiner letzten Haft habe daran nichts geändert. Als Alternative zum dauerhaften Wegschließen sah der Gutachter lediglich die Einnahme eines Medikaments, das zur „Triebaufhebung“ führt.

Sicherungsverwahrung

Das Gericht verurteilte ihn jedoch zu sieben Jahren und ordnete die anschließende Sicherungsverwahrung an. Der Vorsitzende Richter hielt dem 49-Jährigen zwar sein Geständnis zugute, doch er sieht mit Blick auf die Vorstrafen eindeutig eine Gefahr für die Allgemeinheit, sollte der Angeklagte in absehbarer Zeit wieder auf freien Fuß kommen. Während der Haft, empfahl der Richter, könne der Angeklagte entscheiden, ob er freiwillig das triebhemmende Medikament einnimmt, was bei der alle zwei Jahre stattfindenden Prüfung der Haftfortdauer die Chancen auf eine Entlassung verbessere. (pas)

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