„Katastrophe“

Im Vorgarten tummelt sich die Drogenszene: Anwohner fühlen sich belästigt

Ärgert sich über Drogengeschäfte vor seiner Haustür: Horst Reuter beseitigt jeden Tag die Hinterlassenschaften der Junkies aus dem Vorgarten.
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Ärgert sich über Drogengeschäfte vor seiner Haustür: Horst Reuter beseitigt jeden Tag die Hinterlassenschaften der Junkies aus dem Vorgarten.

Anwohner der Bremer Straße im Stadtteil Wesertor fühlen sich von der Drogenszene vor ihrer Haustür belästigt.

Kassel – Horst Reuter ist froh, dass es in jüngster Zeit so viel geregnet hat. Dann würde man den Urin und Kot im Vorgarten nicht so sehr riechen. „Hier stinkt es manchmal wie Hulle“, sagt der 69-jährige Rentner, der in der Bremer Straße (Wesertor) wohnt. Drogenabhängige, die sich in den Vorgärten der Mehrfamilienhäuser regelmäßig aufhielten, seien dafür verantwortlich.

Auf dem Grundstück würden auch immer wieder Spritzen liegen. Reuter, der bis zu seiner Rente bei den Stadtreinigern gearbeitet hat, geht jetzt täglich mit einer Müllzange umher, um den Unrat zu entfernen.

Als er vor zehn Jahren in das Haus zog, sei ihm schon bewusst gewesen, dass um die Ecke am Stern gedealt wird. Das Problem vor seiner Haustür habe vor zwei Jahren angefangen, als ein Mann Mitte 20 in das Nachbarhaus eingezogen wäre. „Da fing das Theater an.“ Der Mann habe im Vorgarten gedealt und auch die Drogen in den Büschen versteckt. Reuter hat daraufhin alle größeren Bäume abgeschnitten.

Kassel: Nachbarschaft hat Angst vor Drogendealer

Der Nachbar sei auch schon von der Polizei mit Drogen erwischt worden. Im vergangenen Sommer habe das in der Zeitung gestanden. Nach Informationen der HNA handelt es sich um einen Fall aus dem Juli 2020, als ein 23-jähriger Mann mit 47 Kokainplompen am Stern erwischt worden war. Einmal habe er gegen den Mann vor Gericht ausgesagt, nachdem der eine Frau bedroht habe. Plötzlich habe der Dealer Zeugen präsentiert, die für ihn ausgesagt hätten. „Da wurde er freigesprochen.“

Nachdem der Mann aus dem Nachbarhaus ausgezogen sei, habe er gedacht, er sei abgeschoben worden, weil er sich illegal in Deutschland aufgehalten hätte. „Nach vier Monaten war er aber wieder da“, sagt Reuter. Der Mann sei dann in ein Hochhaus an der Unteren Königsstraße gezogen. Seine Drogengeschäfte wickele er aber immer noch in seinem Vorgarten ab, sagt der 69-Jährige. Er selbst habe keine Angst vor dem Dealer, sagt Reuter, aber viele andere Nachbarn schon. „Die alten Leute trauen sich nicht mehr auf die Straße.“

Eine ältere Dame, die seit über 30 Jahren in dem Haus lebt, bezeichnet die Situation als „Katastrophe“. Von den Abhängigen, die sich regelmäßig vor der Tür aufhielten, werde sie als „alte Schlampe“ und „Drecksau“ bezeichnet. Wenn sie bei der Polizei anrufe und mitteile, dass im Garten offen mit Drogen gehandelt werde, dann bekomme sie nur zu hören, dass die Polizei nichts unternehmen könne, sagt die Frau. „Der Polizist hat zu mir gesagt, wenn wir kommen, dann sind die schon wieder weg.“

Die Zustände in seinem Vorgarten haben für Reuter auch persönliche Konsequenzen. „Meine Kinder kommen deshalb nicht mehr zu mir. Und sie haben unseren Enkelkindern verboten, uns zu besuchen.“ Einige Nachbarn seien deshalb schon weggezogen, sagt Reuter. Er selbst will sich nicht vertreiben lassen. „Das sehe ich nicht ein.“

Drogengeschäfte in Kassel: Das sagt die Polizei zu den Beschwerden

„Zu einzelnen Personen dürfen wir zum Schutz von Persönlichkeitsrechten und aus Datenschutzgründen keine näheren Angaben machen“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Mit Blick auf die Bremer Straße lasse sich aber sagen, dass von dort in den letzten Monaten vereinzelte Meldungen und Beschwerden von Anwohnern über Drogengeschäfte bei der Polizei eingegangen sind. Das Quartier rund um den Stern sei seit Langem ein Kriminalitätsschwerpunkt. Zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität habe die Polizei bereits in der Vergangenheit eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen.

Die AG Stern wurde beim für Rauschgiftdelikte zuständigen Kommissariat 34 fest eingerichtet. Weiterhin würden regelmäßig Kontrollen und sichtbare sowie verdeckte operative Maßnahmen dort stattfinden. Dabei habe die Polizei auch die Nebenstraßen auf dem Schirm. Hinweisen aus der Bevölkerung, wie denen aus der Bremer Straße, werde unmittelbar nachgegangen. „Nach unseren Erkenntnissen hat sich in der Bremer Straße, abgesehen von der allgemeinen Problematik, kein besonderer Schwerpunkt gebildet“, so Mänz. Nichtsdestotrotz nehme die Polizei die Beschwerden aus der Bevölkerung ernst und verfolge die Entwicklungen aufmerksam, um gezielt gegen örtliche Schwerpunkte vorzugehen. (use)

In Kassel kam es zu Wohnungsdurchsuchungen bei denen die Polizei kiloweise Drogen und verschiedene Chemikalien entdeckte. Zudem kam es im Rahmen einer großangelegten Razzia zu weiteren Durchsuchungen in Kassel. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Waffen und Bargeld.

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