Debatte um Ehrenbürgerwürde

Debatte um Ehrenbürgerwürde: Hat August Bode das verdient ?

Seit 1960 Ehrenbürger: August Bode

Kassel. Er steht in einer Reihe mit Elisabeth Selbert, die am Grundgesetz mitgewirkt hat, und dem früheren Ministerpräsidenten Holger Börner. August Bode, bis 1960 Chef der Waggonbau- und Rüstungsfirma Wegmann, ist Kasseler Ehrenbürger.

Ein Unding, finden die Kasseler Linken, die sich dafür einsetzen, August Bode diesen Titel abzuerkennen.

Wer war dieser August Bode? Seine berufliche Laufbahn begann er bei der Kasseler Waggonfabrik Wegmann & Co. Dort fing er als Lehrling an. Wie er es schaffte, die Firma 1912 im Alter von 37 zu übernehmen, geht aus den spärlichen öffentlichen Informationen über sein Leben nicht hervor. Während sich im Stadtmuseum über andere Ehrenbürger dicke Ordner und zahlreiche Fotos finden, ist über August Bode und seine Nachfolger kaum etwas vorhanden. Bekannt ist, dass seine Firma in den 1930er-Jahren an der Entwicklung des legendären Henschel-Wegmann-Zuges beteiligt war. Der Zug mit seiner stromlinienförmigen Lokomotive galt als technische Meisterleistung. In dieser Tradition machte das Unternehmen nach dem Krieg im zivilen Bereich weiter. Bei Wegmann wurden unter anderem exklusive Salonwagen gebaut.

Panzereinsatz im Zweiten Weltkrieg: Der Tiger wurde bei den Kasseler Firmen Henschel und Wegmann produziert.

Die Kritik an Bode setzt bei seiner Rolle als Rüstungsproduzent an. Bereits im Ersten Weltkrieg habe er in seiner Firma Panzer bauen lassen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahm die Firma die Rüstungsproduktion erneut auf. Bei Wegmann wurden die Panzertürme für Panzerkampfwagen produziert. Ebenso wie Gerhard Fieseler war Bode Wehrwirtschaftsführer. Der Kunstflugpilot und Firmeninhaber ist allerdings nie Ehrenbürger geworden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bei Wegmann zunächst wieder Waggons und Straßenbahnen gebaut. Erste Rüstungsaufträge gab es mit dem Aufbau der Bundeswehr. Wegmann beteiligte sich an der Entwicklung und Produktion von Kampfpanzern für die Bundeswehr.

August Bode starb 1960 im Alter von 85 Jahren. Er legte den Grundstein für eine Firma, deren Nachkommen heute im Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) die Mehrheit der Anteile halten. Der Straßenname des Kasseler Unternehmensstandorts von KMW erinnert noch an den früheren Besitzer.

Über die Ehrenbürgerschaft August Bodes gibt es jetzt eine politische Debatte. Im Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Grundsatzfragen wird darüber heute diskutiert (17 Uhr, Rathaus, Magistratssaal). Was halten Sie davon?

Von Thomas Siemon

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