Debatte um Eichels Pensionsklage erhitzt die Gemüter

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Hans Eichel

Kassel. Nichts scheint so sehr für aufgeregte Diskussionen, Empörung und Wut zu sorgen, wie der Blick in die Geldbörse des anderen. Wer bekommt wie viel im Monat, als Arbeitnehmer, Beamter oder Rentner? Und vor allem, hat er das auch verdient?

Diese Frage wird nach unserer Berichterstattung über die Pensions-klage des früheren Bundesfinanzministers und Kasseler OB Hans Eichel (SPD) heftig diskutiert. Die Wellen schlagen hoch: Die einen, beschäftigt in der Privatwirtschaft, gucken mit Häme Richtung Beamte: Haben wir es doch schon immer gewusst: viel kassieren und nichts dafür tun.

Die anderen, die Beamten, teilen Richtung Wirtschaft aus und bemitleiden sich selbst: Man habe es nicht so gut wie die Vielverdiener in der Privatwirtschaft.

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Dabei werden oft Äpfeln mit Birnen verglichen: Natürlich gibt es die kleinen Beamten, die niemals reich werden. Sie können aber nicht den Abteilungsleiter bei VW ins Feld führen, um ihr eigenes Einkommen zu kritisieren. Und natürlich gibt es die Verkäuferin im Supermarkt, die durchaus neidisch auf die Postobersekretärin schaut. Ich weiß es aus eigener Erfahrung im Bekanntenkreis: Die eine Frau war eine kleine Beamtin bei der Post, die andere eine Verkäuferin in einem Lederwarengeschäft. Die Pension ist ungleich höher als die Rente.

Hans Eichel: Ein Politiker in Bildern

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Vor allem, liebe Beamte: Es mag zwar misslich sein, einfach etwa von Kassel nach Frankfurt versetzt zu werden. Aber Mobilität wird auch in der Privatwirtschaft vorausgesetzt. Was die Beamten aber vor allem von allen privat Beschäftigten unterscheidet: ein ganzes Stück sicherere Lebensplanung. Welcher junge Mensch in der Privatwirtschaft, der mit Ein- oder Zwei-Jahresverträgen ausgestattet wird, kann eine Familienplanung heute in Angriff nehmen? Wie will er einen Kredit für die erste Eigentumswohnung bekommen, wie Kinder planen? In diesem Punkt, liebe Beamte, haben Sie mehr Lebensqualität.

Mehr zu Hans Eichel finden Sie im RegioWiki.

Und, ja zugegeben, ein Fehler ist uns unterlaufen: Pensionen werden voll besteuert. Bei einem Höchstpensionssatz von 72 Prozent und dem dazugehörenden Freibetrag liegt der steuerpflichtige Anteil der Pension bei 87 Prozent. Und die 3300 Euro Pension sind der Durchschnitt bei den Bundesbeamten. (tho)

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