Umstrittene Bauprojekte in Kassel

Debatte um Grimm-Platz hat Vorbilder: Gegen diese Bauvorhaben gab es vor ihrer Realisierung Proteste

Aktueller Zankapfel: Die Pläne für den Brüder-Grimm-Platz sind auf Widerstand gestoßen.
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Aktueller Zankapfel: Die Pläne für den Brüder-Grimm-Platz sind auf Widerstand gestoßen.

Die Debatte um den Umbau des Brüder-Grimm-Platzes ist in vollem Gange. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass schon oft gegen Widerstände Bauprojekte in Kassel realisiert wurden. Meist verstummte die Kritik aber bald.

Kassel – Obelisk, Grimmwelt, Fuldauferweg: Ein Überblick über Bauprojekte, über die lange in der Stadtgesellschaft diskutiert wurde.

Nach langen Diskussionen an der Treppenstraße aufgestellt: der Obelisk des documenta-Künstlers Olu Oguibe.

Obelisk

Hat er in Kassel eine Zukunft oder nicht? Und wenn ja, wo? Diese Fragen wurden 2018 im Zusammenhang mit dem Obelisken des documenta-Künstlers Olu Oguibe öffentlich debattiert. Nachdem Königsplatz und Holländischer Platz als Standorte aus dem Rennen waren, wurde mit der Treppenstraße ein Kompromiss gefunden, mit dem auch der Künstler einverstanden war. Heute wird er dort von vielen als Bereicherung empfunden.

In den Herzen der meisten Kasseler angekommen: Lange Zeit war der Standort der Grimmwelt auf dem Weinberg umstritten. Archivfoto: Grimmwelt

Grimmwelt

Die Kasseler Grimmwelt wurde gegen viele Widerstände umgesetzt. So hatte sich relativ früh die Bürgerinitiative „Rettet den Weinberg“ gebildet, die den Bau auf dem historischen Areal verhindern wollte. Ein Bürgerbegehren wurde 2013 vom Verwaltungsgericht als unzulässig erklärt, weil es zu spät eingereicht worden war. So konnte 2015 die Grimmwelt eröffnet werden. Auch sie wird von vielen als Aufwertung für den Weinberg wahrgenommen.

Debatte ist verstummt: Nachdem die Fuldapromenade 2009 angelegt war, flaute die Kritik ab.

Fulda-Uferweg

Als der frühere Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) 2008 seine Idee öffentlich machte, einen Fulda-Uferweg bauen zu wollen, war der Aufschrei groß. Insbesondere die ansässigen Wassersportvereine am Auedamm wollten das Projekt verhindern. 2009 war dann Spatenstich für die Promenade, die inzwischen eine beliebte Ausflugsstrecke ist.

Spaltet bis heute die Stadt: Die Gestaltung des Königsplatzes sorgte häufig für Streit. Archivfoto: Pia Malmus

Königsplatz

Der fast 250 Jahre alte Königsplatz und dessen Gestaltung waren schon sehr häufig Anlass für Kontroversen in der Stadtgesellschaft. Nicht nur die zur documenta 1992 errichtete Treppe, die Oberbürgermeister Georg Lewandowski (CDU) acht Jahre später auf eigene Faust abreißen ließ, passt in diese Reihe. Auch die nach dem Abriss aufgestellten 36 Wasserspeier wurden im Volksmund als „Elefantenklo“ verspottet. Sie spalten bis heute die Bevölkerung. Die ganz große Liebe wird es zwischen den Kasselern und ihrem Königsplatz wohl nicht mehr werden.

Streit um Laternengeschoss: Viele forderten vor 25 Jahren die Kuppel-Rekonstruktion. Archivfoto: Andreas Fischer

Schloss Wilhelmshöhe

Als Mitte der 90er-Jahre das marode Dach des Schlosses Wilhelmshöhe umgebaut werden sollte, entbrannte ein sechsjähriger Streit. Anlass waren die Pläne des Landes, auf dem Mittelbau des Schlosses ein Laternengeschoss zu errichten. Der entsprechende Entwurf eines Münchner Architekten hatte sich bei einem Wettbewerb durchgesetzt. Doch eine Bürgerinitiative sammelte gegen das Vorhaben 30 000 Unterschriften und wurde von Denkmalschützern unterstützt. Gemeinsam forderte man den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Kuppel. Daraus wurde nichts. Im Jahr 2000 wurde das Laternengeschoss eröffnet.

Streitpunkt: Anfang der 70er-Jahre wurde der Weinberg neu bebaut.

Weinberg

1971 wurde ein Architektenwettbewerb zur Bebauung des gesamten Weinbergs gestartet. Der Siegerentwurf sah dessen komplette Bebauung vor. Dort, wo heute die Grimmwelt steht, sollte ein großes Hotel eröffnen. Das Gebäude des heutigen Museums für Sepulkralkultur sollte einer Kita weichen. Erste historische Gebäude wurden in der Folge zwar abgerissen, die Umsetzung des kompletten Planes wurde wegen heftiger Widerstände aus der Bevölkerung aber nicht umgesetzt.

Nur zweite Wahl: Eigentlich hätte das Staatstheater ganz anders aussehen sollen.

Staatstheater

Schon ein paar Jahrzehnte zurückliegt auch die Debatte um den Neubau des Staatstheaters. Erst gab es lange Streit um den Erhalt des ausgebombten preußischen Theaters, dann wurde der erste Neubaustart nach den Entwürfen des preisgekrönten Architekten-Duos Hans Scharoun und Herrmann Mattern nach kurzer Zeit Ende 1954 abgebrochen. Wegen Gründungsschwierigkeiten und Kostensteigerungen war ein Streit mit dem Land entbrannt, der bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Schließlich guckte das Land kurzerhand Paul Bode als neuen Architekten aus. Der stellte das Theater nach seinen Plänen 1959 fertig. (Bastian Ludwig)

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