Dr. Wilhelm Krull soll mit Gremium Ausrichtung der Hochschule analysieren

Debatte um Personalie an Uni Kassel: Beratergremium nimmt Uni Kassel unter die Lupe

Ex-Generalsekretär der VW-Stiftung: Dr. Wilhelm Krull leitet das „Sounding Board“ des Landes Hessen.
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Ex-Generalsekretär der VW-Stiftung: Dr. Wilhelm Krull leitet das „Sounding Board“ des Landes Hessen.

Die Hochschulen in Hessen sollen ihr Profil schärfen. Auf diesem Weg soll ein so genanntes „Sounding Board“ die Uni-Leitungen bei ihrer strategischen Ausrichtung beraten. Doch das international besetzte Gremium hat auch für Irritationen bei einigen Lehrenden an der Universität Kassel gesorgt.

Kassel – Im Fokus steht dabei der Vorsitzende des Beratungsgremiums Dr. Wilhelm Krull. Der langjährige Generalsekretär der VW-Stiftung hat bereits viele ähnliche Prozesse in der Hochschul- und Forschungslandschaft begleitet. In die Kritik war er vergangenes Jahr geraten, als es um die Neubesetzung des Präsidentenamtes an der Uni Göttingen ging. Diese scheiterte, weil die Findungskommission mit dem Stiftungsratsvorsitzenden Krull letztlich nur einen Kandidaten präsentierte. Diese Alternativlosigkeit und das gesamte Berufungs- und Wahlverfahren sorgten für eine Protestnote von 49 Professoren, was den Rücktritt von Krull zur Folge hatte.

Vor diesem Hintergrund zeigen sich einige Lehrende der Kasseler Hochschule irritiert darüber, dass das HMWK für die Leitung des „Sounding Boards“ Krull ausgewählt hat.

Im Senat der Uni Kassel selbst hat die Personalie indes für keine Diskussionen gesorgt. Wohl aber das erarbeitete Strategiepapier, das die Uni im Vorfeld nach Wiesbaden geschickt hatte. In diesem sollte die Hochschule skizzieren, wie sie sich perspektivisch aufstellen will. Eigentlich war für den 9. Dezember ein Besuch des Gremiums in Kassel geplant, dieser findet wegen Corona nun digital statt.

Bei den Gewerkschaften GEW und Verdi wird weniger die Auswahl der Gremienleitung als Problem gesehen, als vielmehr die inhaltliche Ausrichtung des Prozesses. Die Kriterien, nach denen die Strategiebewertung erfolgt, müssten offengelegt werden, „Welchen Stellenwert haben Arbeitsbedingungen und die Qualität der Lehre und Forschung“, fragt sich Peter Hosse, Referent für Hochschule und Forschung bei der GEW.

Verdi-Sekretär Peter Wadakur hält sowohl die Strategieplanung durch das Präsidium der Uni Kassel als auch die Bewertung dieser Planung für undemokratisch. Sie beziehe wichtige Beteiligte wie die Studierenden als auch die Beschäftigten nicht ein. Das HMWK kann die Sorge nicht nachvollziehen: „Das Verfahren trifft auf eine sehr positive Resonanz bei den Hochschulleitungen“, so ein Ministeriumssprecher. Die hochkarätig besetzte Expertenkommission im „Sounding Board“ gebe lediglich eine Rückmeldung auf die in den Universitäten entwickelten Strategiekonzepte. Über den Umgang mit den Anregungen entschieden die Universitäten frei und eigenständig.

Dr. Wilhelm Krull selbst kann auf HNA-Anfrage die Debatte um seine Person und die Rolle des Gremiums nicht verstehen: „Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, ich wäre in Göttingen als Person gescheitert, hätte ich eine andere Reaktion gezeigt. Ich habe dort nicht versucht, einen Präsidenten durchzudrücken, sondern die Senatsvertreter waren begeistert.“

Zwischenzeitlich habe er weitere Aufgaben übernommen – etwa bei der baden-württembergischen Exzellenzkommission und den Max-Planck-Instituten Göttingen. Die Aufgabe des „Sounding Boards“ sei die eines Ratgebers: „Wir wollen gute Ansätze noch ein Stück weiter besser machen. Wir sind keine diktatorische Kommission, die Vorschriften erlässt.“

Bis Ende Januar solle ein Bericht vorgelegt werden. Ziel sei, bis 2022 eine Gesamtstrategie zu entwickeln. (Bastian Ludwig)

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