Kassels moralische Stimme: Dechant Harald Fischer wird 60 Jahre

Wird am Freitag 60: Der katholische Dechant Harald Fischer. Foto: Archiv

Kassel. Er ist seit fast 20 Jahren im besten Sinne eine moralische Institution in Kassel – für Menschen aller Konfessionen, jeden Alters, jeder gesellschaftlichen Gruppe.

Seine Stimme hat Gewicht und wird von vielen Kasselern wie ein Kompass zu religiösen, ethischen und politischen Themen geschätzt. Dechant Harald Fischer, oberster Geistlicher der katholischen Kirche in der Region, wird am Freitag 60 Jahre alt.

Mit Aufmerksamkeit und seelsorgerische Zugewandtheit widmet sich der Pfarrer nicht nur seiner Gemeinde St. Familia und jedem einzelnen Menschen, sondern auch den großen gesellschaftlichen Themen. Dabei wirkt der hochgewachsene Mann mit dem weißen Rauschebart und der sanften, sonoren Stimme stets ausgeglichen und in sich ruhend.

Fischer ist bekannt als ein Katholik, der sich mutig auch zu innerkirchlichen Themen äußert: In einem HNA-Interview forderte er die Abschaffung des Pflichtzölibats und nannte die Nicht-Zulassung von Frauen für das Priesteramt einen Skandal. Dabei geht es ihm nie um die Schlagzeile, sondern stets um die Sache - um seine Kirche, die er in einer tiefen Krise sieht. Statt zu klagen, will er verändern. Ein großes Anliegen ist es dem Geistlichen dabei, den Laien in der Kirche mehr Gewicht zu geben.

Eine starke christliche Stimme bringt Fischer auch in gesellschaftliche Debatten ein, beispielsweise zur Sterbehilfe, Gentechnik oder Rüstungsproduktion. Erst kürzlich vermittelte er zwischen islamkritischen Kagida- und Gegendemonstranten in Kassel. Sein Credo: Nicht weggucken, sondern einmischen und Position beziehen. Seit Jahren setzt er sich auch den interreligiösen Dialog in der Stadt ein.

Bei allem kommt bei Harald Fischer die Spiritualität, die Beschäftigung mit der Seele des Menschen, nicht zu kurz. Er plädiert - ganz im Sinne von Papst Franziskus, den er sehr wertschätzt - für Bescheidenheit und Demut. Es sind Werte, die er selbst vorlebt. In seinem geradezu spartanisch eingerichteten Haus neben der Kirche an der Kölnischen Straße beherbergt er seit jeher Flüchtlinge und Menschen in Not.

Dabei ist der in Kassel geborene Theologe, der zunächst Industriekaufmann lernte und auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur ablegte, ein lebensfroher Mensch. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Kino- und Theatergänger, sondern auch bekennender Eintracht-Frankfurt-Fan. Auch bei Spielen des KSV im Auestadion wird er des öfteren beim Jubeln und Mitfiebern gesehen.

Harald Fischer liebt die Menschen und die Gemeinschaft - und versteht es dabei, keinen außen vor zu lassen. Eins seiner Markenzeichen ist, dass er nach seinen Gottesdiensten durch die Gemeinde geht und sich gerade den Menschen zuwendet, die noch keiner kennt.

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