Altmarktumbau: Demo soll Pläne für neue Fußgängerwege stoppen

Kassel. Etwa 75 Menschen, die gegen den Umbau der Altmarkt-Kreuzung nach den Plänen der Stadt sind, sind am frühen Donnerstagabend einem Aufruf der Kasseler CDU gefolgt und demonstrierten auf der Freifläche Weserstraße/Ecke Kurt-Schumacher-Straße.

Allerdings waren etwa ebenso viele Befürworter des Umbaus erschienen. „Umbau stoppen“ riefen die einen, „Oben bleiben“ setzten die anderen dagegen.

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Der Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) hatte zu der Gegendemo aufgerufen. Vielen Menschen, die im Rollstuhl sitzen, liegt daran, dass die Unterführungen am Altmarkt verschwinden und behinderte Menschen stattdessen die Kreuzung über der Erde queren können. Unterstützt wurde fab von den Stadtverordneten der SPD und der Grünen.

Demo-Gastgeber CDU hatte indes die FDP und die Freien Wähler an seiner Seite. Applaus von den einen, Buh-Rufe und Pfiffe von den anderen gab es für Dr. Norbert Wett, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden. Seine Partei demonstriere gegen eine Politik mit der Brechstange, die an den Bürgern vorbeigehe.

Altmarktumbau: Demo soll Pläne für neue Fußgängerwege stoppen

Sie gehen auf die Straße, um den Umbau der Altmarkt-Kreuzung noch zu verhindern: CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Norbert Wett (links) und Kassels CDU-Chefin Eva Kühne-Hörmann gestern bei der Demonstration. Fotos:  Fischer

„Der Umbau ist Unfug“, sagte Wett. Nur durch Demonstrationen bestehe noch die Chance, diese Pläne zu stoppen. Die Christdemokraten befürchten, dass beim Wegfall der Unterführungen mehr Staus wegen der Fußgängerüberwege entstehen. Zudem sei das Bauvorhaben mit vier Millionen Euro doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. „Herr Hilgen, stoppen Sie diesen Umbau sofort“, forderte Wett den sozialdemokratischen Oberbürgermeister auf. Landesministerin und Kassels CDU-Chefin Eva Kühne-Hörmann warnte vor dem CO2-Ausstoß, der durch die zunehmenden Staus entstehen würde. Zudem kündigte sie an, dass die Landesregierung das Projekt, das doppelt so teuer wie geplant werde, nicht unterstützen werde.

Helmut Ernst, Vorsitzender des Behindertenbeirats, vertritt eine andere Meinung. Die Unterführungen bedeuten ein „unüberwindbares Hindernis“ für Menschen mit Behinderung. Er fordert, die „jahrzehntelange Diskriminierung“ endlich zu beenden und die Tunnel zu schließen.

Sie wollen die Unterführungen abschaffen: Rollstuhlfahrer setzen sich für die Umbaupläne der Stadt ein.

Matthias Nölke (FDP) kritisierte, dass die Stadt die Kreuzung „ohne Volksbefragung“ umbauen wolle. Da er selbst einen schwerstbehinderten Vater hatte, wisse er, welche Schwierigkeiten Rollstuhlfahrer hätten. Es gehe nicht darum, ob die Kreuzung barrierefrei umgebaut wird, sondern wie. Es gebe bessere Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer, als die Tunnel zu schließen.

Fahrstühle und Rampen lehnen aber viele Behinderte ab. Deshalb riefen sie wieder und wieder „Oben bleiben.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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