250 Menschen protestierten

Umstrittene Tagungsredner des Weißen Kreuzes: Demo gegen „Homoheiler“

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Sie demonstrierten gegen Diskriminierung und wollten lieber nur ihre Vor- oder Transvestitennamen nennen: Luni Corn, Prinzessin Lennifee, Mario, Maria, Hertha und Andreas (von links). Fotos: Zgoll TP

Kassel. In der Homosexuellenszene hat ein seit Donnerstag in Kassel laufender Kongress des evangelischen Verbandes Weißes Kreuz hohe Wellen geschlagen. Aus ganz Deutschland waren am Freitagnachmittag Menschen nach Kassel gekommen, um gegen zwei der Referenten zu demonstrieren, die Homosexualtität für therapierbar halten.

Etwa 250 Teilnehmer marschierten vom Kulturbahnhof durch die Innenstadt und protestierten lautstark gegen die Thesen der als „Homoheiler“ kritisierten Redner.

Unter den Demonstranten war auch eine Gruppe von Schwulen und Lesben, die sich bundesweit in der Hochschulpolitik engagieren. Die kostümierte Gruppe war sich einig, dass eine „Heilung“ von Homosexuellen großer Quatsch ist. Schon gar nicht sollten Minderjährige zu Therapien gedrängt werden.

Aufgerufen zu der Versammlung hatten die Organisatoren des Kasseler Christopher Street Days (CSD). Deren Vorsitzender Holger Ewen erinnerte in seiner Ansprache noch einmal daran, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität schon seit 1992 nicht mehr als Krankheit einstufe.

Die Demonstrantin Nele Schwarz aus Kassel hält die Thesen der in der Kritik stehenden Referenten Markus Hoffmann und Dr. Christl Vonholdt für gefährlich. Homosexualität werde von ihnen als etwas Unnormales dargestellt, dass einer Therapie erfordere.

Stefan Rosenkranz und Laura Marschollek von Amnesty International halten die Argumentation der Redner, es sollten nur Homosexuelle behandelt werden, die das auch wollen, für eine Schutzbehauptung. Wenn in der Gesellschaft im Umgang mit Schwulen und Lesben immer wieder von Störungen gesprochen werde, dann sorge erst dieses Verhalten der Gesellschaft für die Probleme bei den Betroffenen.

Mutigster Redner auf der Demonstration war Thomas Träbing. Der bekennende Schwule ist im CDU-Bezirksverband Unterneustadt. Die CDU-Fraktion hatte sich als einzige nicht an einer Resolution der Stadtverordneten gegen die Referenten-Einladung des Weißen Kreuzes beteiligt. Für Träbing, der sich klar zu den Demonstranten bekannte, gab es dennoch viele Pfiffe. Er nahm es gelassen.

Wegen des Demonstrationszuges durch die Innenstadt kam es zeitweise zu Verkehrsbehinderungen. Die Tagung des Weißen Kreuzes zum Thema „Sexualethik und Seelsorge“ endet am heutigen Samstag. (bal)

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