Demo gegen rechts: Vater von Halit Yozgat bricht in Tränen aus

Reden vor dem Rathaus: „Das neunte Opfer war mein Sohn“, sagte Ismail Yozgat (am Pult). Er dankte den Kasselern, dass sie so zahlreich gekommen waren, um gemeinsam gegen Rassismus zu kämpfen. Dahinter von links: OB Bertram Hilgen, Bischof Martin Hein und Generalkonsul Ilhan Saygili.

Kassel. Nach und nach strömten sie herbei, um sich an den fünf verabredeten Orten in der Stadt zu sammeln. Es waren Menschen aus allen Stadtteilen, aus allen gesellschaftlichen Schichten, jeden Alters, jeder Religion und jeder Couleur.

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„Kassel ist bunt“ lautete das Motto unter dem für Samstag zur großen Demonstration gegen rechts aufgerufen worden war. Als sich gegen 14 Uhr die Menschenkette von der Nordstadt bis zum Kasseler Rathaus geschlossen hatte und sich über zwei Kilometer 3500 Menschen still an den Händen hielten, war das Bild überwältigend einheitlich: Sie alle waren gekommen, um Gesicht zu zeigen und aufzustehen gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Gebet für Halit Yozgat

Hintergrund der Demonstration war die Mordserie von Neonazis, die über Jahre hinweg unentdeckt zehn Menschen in Deutschland töteten. Eines der Opfer war 2006 der 21-jährige Kasseler türkischer Abstammung Halit Yozgat. Auch Angehörige von Mordopfern in Nürnberg und Dortmund waren am Samstag nach Kassel gekommen.

Vertreter der Stadt, der evangelische Landesbischof Dr. Martin Hein und viel Politprominenz wie der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel und Ex-Landrat Dr. Udo Schlitzberger hatten sich zu Beginn der Demonstration an dem Ort versammelt, wo Halit Yozgat ermordet worden war. In Anwesenheit des türkischen Generalkonsuls Ilhan Saygili aus Frankfurt legten sie an der Holländischen Straße 82 einen Kranz nieder. Der Imam der Stadtmoschee, Sevket Simsek, sprach ein Gebet. Als der Vater des Ermordeten, Ismail Yozgat, in lautes Wehklagen ausbrach und den Verlust seines geliebten Sohnes, seines „Lämmchens“ beweinte, hatten viele der Umstehenden Tränen in den Augen.

„Heute zeigen wir als Bürger dieser Stadt, dass wir nicht bereit sind, menschenverachtende und in letzter Konsequenz todbringende Ideologien unter uns zu dulden“, sagte während der Kundgebung vor dem Rathaus Bischof Hein. Toleranz gegenüber Intoleranz dürfe es nicht geben.

„Kassel trauert um Halit Yozgat“, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Er forderte: „Der braune Sumpf muss trockengelegt werden.“ Über die hohe Beteiligung an der Menschkette freute er sich: „Ich bin stolz auf Kassel.“

Fotos: Tausende Kasseler demonstrierten gegen rechts

Tausende Kasseler demonstrierten gegen rechts

Bewegende Worte hörten die Demonstranten vom Vater des ermordeten Halit, Ismail Yozgat. Er bedankte sich bei den Kasselern, dass man gemeinsam gegen rechts kämpfe. Er forderte außerdem eine „rückhaltlose Aufklärung“ der Morde. Zu den Rednern zählten neben Vertretern von Ausländerverbänden auch der türkische Generalkonsul Ilhan Saygili.

Von Christina Hein

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