Demonstranten fordern bessere Unterbringung für Flüchtlinge

Nicht nur Calden: Während der Demonstration vor dem Regierungspräsidium kamen Flüchtlinge hinzu, die in der Landesfeuerwehrschule an der Heinrich-Schütz-Allee wohnen. Foto: Dittrich

Kassel. Medizinische Versorgung, bessere Hygiene, mehr Privatsphäre: Auf Transparenten steht, was Flüchtlinge in Calden fordern. Ursprünglich wollten Bewohner der Zeltstadt die Forderungen selbst an Regierungspräsident Lübcke richten.

Doch nach der Schlägerei in der Unterkunft ist alles anders. „Sie haben Angst – auch vor der Polizei“, erklärte ein Organisator der Kundgebung.

Rund 150 Menschen waren zu der Kundgebung ab 14 Uhr vor dem Regierungspräsidium gekommen. Darunter Bürger aus Kassel, ehrenamtliche Helfer, aber auch Flüchtlinge aus Unterkünften in Kassel. Ursprünglich wollten auch Flüchtlinge aus Calden dazustoßen, blieben aufgrund der aktuellen Vorkommnisse in der Zeltstadt allerdings dort.

Eine Frau, die die Schlägerei in Calden miterlebt hat, streitet sich mit Regierungspräsident Walter Lübcke, der zu den Demonstranten auf die Wiese vor dem Steinweg gekommen ist. Sie ist wütend: „Es ist unter aller Sau, wie mit den Menschen umgegangen wird.“ Sie fordert eine bessere Unterbringung für Jugendliche und eine bessere Organisation der Essensausgabe. Dafür applaudieren auch andere Demonstranten.

Eine Helferin aus der Zeltstadt berichtet über die Situation, die täglich bei der Essensausgabe herrsche: „Die Menschen müssen über zwei Stunden in einer Schlange anstehen. Alles ist portioniert.“

Neue Flüchtlinge, die vorige Woche spätabends in Calden eintrafen, hätten gar kein Essen mehr bekommen. „In der Küche arbeiten junge Mädchen, die mit der Situation überfordert sind“, meint die junge Frau, die nach eigenen Angaben am Sonntag in Calden Essen verteilte. „Die Ordner waren bei der Schlägerei überfordert und die Polizei hat sich erst gar nicht getraut einzuschreiten.“ Sie sorgt sich vor allem um die Jugendlichen in der Zeltstadt, die sich am Sonntag vor den prügelnden Erwachsenen versteckten: „Die werden ein zweites Mal traumatisiert.“

Lübcke versucht zu beschwichtigen, verteidigt aber die Unterbringung in Calden: „Calden ist eine Erstaufnahme. Wenn wir die Menschen von dort auf andere Unterkünfte verteilen und sie dann abgeschoben werden, müssen wir sie wieder einsammeln. Das ist auch nicht gut.“ Bei der Essensausgabe gebe es vereinzelt Engpässe, aber man sei im Gespräch mit den Betreibern.

Außerdem verweist er auf die Bemühungen, die Flüchtlinge in Leichtbauhallen und Containern unterzubringen: „Über die Hälfte der Flüchtlinge ist schon in festen Unterkünften.“

Wenn es nötig werde, würde man auch die Zelte winterfest machen, versprach er. Aber man könne nicht alle aufnehmen – Armut sei kein Grund für Asyl, erklärt er die Gesetzeslage den Teilnehmern.

Am Montagabend hat die Polizei bekanntgegeben, dass sich gegen 17.45 Uhr etwa 50 syrische Männer, Frauen und Kinder mit Transparenten in englischer Sprache auf dem Königsplatz zu einer friedlichen Demo versammelt hatten. Es wurden Transparente gezeigt, auf denen die Missstände in einer Unterkunft für Flüchtlinge in der Landesfeuerwehrschule in Kassel beanstandet wurden. Die Wünsche der Demonstranten: eine andere Unterbringung, mehr medizinische Versorgung, mehr Privatsphäre und bessere hygienische Bedingungen. (bdi)

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