Demonstration für eine Arbeitserlaubnis

Protest vor Rathaus: Über 100 Kasseler machen sich für Rechte von zwei Kurdinnen stark

Kundgebung: Mitglieder einer Unterstützer-Initiative setzten sich gestern bei einer Protestaktion vor dem Rathaus für die Rechte von zwei Kurdinnen ein.
+
Kundgebung: Mitglieder einer Unterstützer-Initiative setzten sich gestern bei einer Protestaktion vor dem Rathaus für die Rechte von zwei Kurdinnen ein.

Am Montagnachmittag fand vor dem Kasseler Rathaus eine Demonstration statt, an der sich rund 110 Menschen beteiligt haben, um sich für die Rechte von zwei in Kassel lebenden Kurdinnen stark zu machen.

Die Forderung: „Sorgen Sie für Arbeitserlaubnis und Ausweispapiere für Leyla und Meryem L.!“ lautet die Forderung einer Unterstützer-Initiative, die außerdem eine Online-Petition zugunsten der zwei Frauen gestartet hat. Nach Auskunft der Initiative haben sich im Internet mehr als 2200 Menschen an der Petition, die bis zum 10. März läuft, beteiligt. „Die beiden sind anscheinend in einer Verwaltungssackgasse gelandet, in der niemand mehr die Verantwortung übernehmen will“, heißt es. Leyla und ihrer kranken Mutter Meryem, die einen Herzinfarkt hatte, drohe die Abschiebung, so die Unterstützer. Info: leyla-meryem-bleiben.org

Der Hintergrund: Leyla (36) und Meryem L. (62) leben seit 2011 in Kassel. 1988 waren die Kurdinnen aus der Türkei geflohen und nach Bayern gekommen, wo sie in Bayreuth in einer Asylunterkunft lebten. Dort wurde auch ihr Asylverfahren in Gang gesetzt.

2011 sind die Frauen nach Kassel gezogen. Vor fünf Jahren nahm Leyla L. bei einem großen Kasseler Pflegedienst eine Arbeit als Alltagsassistentin für behinderte Menschen auf. Die Geschäftsführung stehe jetzt unter Druck, „einer erfahrenen Mitarbeiterin zu kündigen“, heißt es in der Petition: Es hat sich herausgestellt, dass Leyla keine Arbeitserlaubnis hat. Sie verfüge aber über eine Sozialversicherungsnummer und habe Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. „Wir wollen Leyla als geschätzte Kollegin behalten und ihr und ihrer Mutter eine Zukunft in Kassel ermöglichen“, sagen Kollegen.“

Der Anwalt: Die Behörden sind sich nicht über die Zuständigkeit einig. „Die Ausländerbehörde in Bamberg erachtet sich mal für zuständig und mal nicht“, sagt der eingeschaltete Anwalt Christopher Wohnig. Weil der ständige Wohnsitz der Frauen zuletzt Kassel war, gebe es ein Hin und Her. Bayern habe eine Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt mit dem Hinweis auf einen Verstoß gegen die Wohnsitzauflagen. In der Angelegenheit würden jetzt Gerichte entscheiden. „Das ist verfahren, müsste es aber nicht sein“, sagt Wohnig, der sich um eine interne Einigung der Behörden bemühen will.

Die Unterstützer: Die Initiative für Leyla und Meryem ist ein Zusammenschluss von Freunden, Kollegen und Unterstützern. „Wir setzen uns für ein Bleiberecht für Leyla und Meryem in Kassel ein und für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis für Leyla, damit sie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber weiterhin arbeiten kann.“ Die Frauen seien in Kassel verwurzelt und hätten viele Freunde.

Die Stadt Kassel: Dazu äußert sich die Stadt: „Der genannte Fall liegt nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt Kassel. Dies hat zuletzt das Verwaltungsgericht Kassel am 16. Oktober 2019 bestätigt. Diese richterliche Entscheidung ist für die Stadt Kassel maßgeblich und bindend. Zuständige und aktenführende Behörde ist die Stadt Bayreuth beziehungsweise der Freistaat Bayern.“  (Christina Hein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.