Initiative Junge Kultur Kassel mobilisierte viele junge Leute

500 demonstrierten: Kritik an Schließungsplänen der SPD

Bunter, lauter Protest: Die 500 Demonstranten zogen vom Kulturbahnhof vor das Kasseler Rathaus (Foto). Nach einer 45-minütigen Kundgebung störten einige der Teilnehmer die Stadtverordnetenversammlung. Fotos: Koch

Kassel. „Freibaderhalt für Jung und Alt“ – so skandierte die Menge der Demonstranten immer wieder lautstark vor dem Rathaus, begleitet vom Kreischen der Trillerpfeifen.

Etwa 500 Menschen sind Montagnachmittag dem Aufruf der Initiative Junge Kultur Kassel gefolgt, sich gegen die drohende Schließung der Freibäder in Bad Wilhelmshöhe und Harleshausen zu wehren. Der Demonstrationszug, der am Kulturbahnhof gestartet war, und die 45-minütige Kundgebung vor dem Rathaus verliefen friedlich. Ärger gab es erst im Anschluss, als einige der Teilnehmer die Stadtverordnetenversammlung störten und deren Vertreter mit Schwimmreifen, Flugblättern und aufblasbaren Gummitieren bewarfen. Zuvor hatten die überwiegend jungen Demonstranten lautstark und mit kreativ gestalteten Plakaten sowie allerlei Schwimmutensilien auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht.

Die Freibäder seien Bestandteil der kulturellen Vielfalt der Stadt und zählten „zu den wichtigsten Erlebnisorten junger Menschen“, sagte Ralph Raabe, Betreiber des Clubs A.R.M. und der Lolitabar. Er und seine Mitstreiter hatten die Initiative Junge Kultur Kassel vor vier Jahren ins Leben gerufen, als die Szenelokalitäten an der Werner-Hilpert-Straße vor dem Aus standen. Genauso wie damals die Rettung in letzter Minute gelungen sei, gelte es jetzt, sich gegen die Schließung der Freibäder zu wehren. Neben vielen Schülern und jungen Erwachsenen hatten sich auch Kinder mit ihren Eltern sowie ältere Kasseler der Demo angeschlossen. Zudem unterstützte der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe die Aktion und war mit vielen Mitgliedern dabei.

Vereinsvorsitzender und Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott sagte, Freibäder zu schließen, sei „aus gesundheitspolitischer und sozialer Sicht Unsinn“. Bewegung sei für alle Generationen wichtig. Daher müssten wohnortnahe Sportangebote erhalten bleiben. Die Kritik der Demonstranten galt vor allem der SPD und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel. „Kinners näh, SPD-Freibadpolitik tut weh“ und „Unsere Freibäder sind grün und sozial - und ihr?“ lauteten Sprüche auf den Transparenten.

Fotos

Unsoziales Vorgehen warf auch Hans Mengeringhaus der Stadt Kassel vor. Der 77-jährige ist Mitbegründer der Kasseler Tafel und Träger der Goldenen Ehrennadel der Stadt. Diese gab er samt Urkunde vor dem Rathaus zurück. „Ich sehe nicht ein, dass ich Gold bekomme und man nimmt uns einen hochkarätigen Diamanten“, sagte der mit Blick auf die drohende Schließung der Bäder.

Diese versucht die Initiative Junge Kultur Kassel noch abzuwenden. Eine entsprechende Online-Petition (www.ijkk.de) haben bislang 1900 Menschen unterzeichnet. Zwei Wochen wollen die Initiatoren noch Unterschriften sammeln und diese dann an Oberbürgermeister Bertram Hilgen übergeben.

Von Katja Rudolph

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