Den Segen gibt’s auf Abstand

Viele Konfirmationen werden wegen Corona auf den Sommer verschoben

Es war keine defizitäre Konfirmation.
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Es war keine defizitäre Konfirmation.

Die Letzen werden die Ersten sein. Zumindest was die Konfirmationen in Kassel betrifft, hat sich dieser Vers aus dem Matthäus-Evangelium bewahrheitet. Denn die erste Konfirmation des Jahres war eigentlich die letzte aus dem vergangenen Jahr – und fand an der Matthäuskirche in Niederzwehren statt.

Kassel – Dort wurden gestern und am Samstag in sechs Kurzgottesdiensten im kleinen Kreis die Konfirmanden des vorigen Jahrgangs eingesegnet.

In der Hoffnung, dass die Corona-Einschränkungen bis dahin vorbei sind, hatten Gemeinde und Eltern seinerzeit beschlossen, auf 2021 auszuweichen. Zwar fanden die Feiern nun doch mit Masken, Mindestabstand und begrenzter Teilnehmerzahl statt. Dennoch sagt Pfarrer Björn Henkel: „Es war keine defizitäre Konfirmation.“

Weil es pro Gottesdienst nur vier Konfirmanden gab, blieb Zeit für eine Kurzpredigt für jeden einzelnen, in denen die Pfarrer angelehnt an den jeweiligen Konfirmationsspruch sehr persönliche Worte fanden. Den Segen erteilten Henkel und sein Kollege Dietrich Hering mit erhobenen Händen und auf Abstand, während die Paten ihre Hand auf die Schulter ihres Schützlings legen durften. Und sogar Gesang von zwei Solistinnen, begleitet am E-Piano von der Organistin, gab es im Gottesdienst.

Dass die Familienfeier im Anschluss nur im kleinsten Kreis mit Eltern und Paten stattfinden konnte, fand Konfirmandin Charlotte Schaumburg nicht schlimm: „Man ist ja mit den wichtigsten Menschen an diesem Tag zusammen.“ Und dem kleinen Kreis in der Kirche, in die jeder Konfirmand bis zu sieben Gäste mitbringen durfte, konnte die 14-Jährige auch etwas abgewinnen: „Man war weniger aufgeregt, weil nicht so viele Leute da waren.“

Die meisten Gemeinden hatten ihre Konfirmationen, die voriges Jahr wegen des ersten Lockdowns abgesagt werden mussten, im Sommer oder Herbst nachgeholt. Auch im aktuellen Konfirmationsjahrgang werden die Termine, die üblicherweise im April und Mai liegen, in der Regel um einige Monate nach hinten geschoben. Das hatte die Evangelische Landeskirche empfohlen. So hat auch die Friedenskirche im Vorderen Westen ihre Konfirmationen Anfang Juni angesetzt, vor allem auf Wunsch der Eltern, so Pfarrer Matthias Meißner. Viele hofften, dass dann im Freien doch etwas mehr möglich sei als derzeit. Allerdings wisse angesichts steigender Infektionszahlen und Virusmutation derzeit ja niemand, wie sich die Situation entwickele.

Während der vorige Jahrgang seine eigentliche Konfirmanden-Zeit noch normal verbringen konnte, mussten die aktuellen Konfirmanden auf viele Highlights verzichten: kein Konfi-Camp, keine Konfer-Freizeit und mitunter Videokonferenzen statt Gruppenstunden. „Sie sind schon gebeutelt“, bedauert Meißner. Ein Gruppengefühl sei unter den gegebenen Bedingungen schwer zu erzeugen.

Das bedauert auch Pfarrer Hartmut Feußner von der Kirchengemeinde Wolfsanger. „Die Konfirmandenzeit lebt ja auch von der Begegnung.“ Ebenso komme das Hineinwachsen in die Gemeinde in Coronazeiten zu kurz. Normalerweise halte man die Konfirmanden dazu an, eine Mindestzahl an Gottesdiensten zu besuchen. In Coronazeiten könne man darauf nicht pochen. Nun hoffe man, dass sich die Pandemiesituation bis zu den Einsegnungen im Juni entspanne.

Von Katja Rudolph

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