Teile der Haferkakaofabrik vom Hausschwamm befallen und nicht mehr zu retten

Haferkakaofabrik in Kassel: Denkmal vor dem Abriss

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Sollen abgerissen werden: Die Gebäude der Haferkakaofabrik an der Sandershäuser Straße 77-83.

Bettenhausen. Große Teile der historischen Haferkakaofabrik müssen abgerissen werden. Mehrere Gebäude des hochrangigen Industriedenkmals an der Sandershäuser Straße im Stadtteil Bettenhausen sind vom echten Hausschwamm befallen.

Die in den Jahren 1897 bis 1899 erbaute Fabrik war 1954 aufgegeben worden. Seither standen die aufwändig gestalteten Industriebauten weitgehend leer. Bis auf die vorübergehende Nutzung kleinerer Flächen durch Künstler oder Tangotänzer war es nicht gelungen, das Denkmal der Industriekultur zu revitalisieren.

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Während sich viele andere Industriebrachen in Kassel zu stabilen Gewerbeparks entwickelt haben, hat in der Haferkakaofabrik und auch auf dem schräg gegenüber gelegenen Salzmann-Gelände das Konzept einer langsamen Entwicklung einer neuen Nutzung bisher nicht funktioniert.

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Heinz Kefenbaum von der städtischen Denkmalschutzbehörde. Aber ein Fachgutachter habe allein die Sanierungskosten für die vom Hausschwamm befallenen Gebäude auf 4,6 Millionen Euro geschätzt. Das sei für die Eigentümerin, die Raiffeisen-Warenzentrale Kurhessen-Thüringen, wirtschaftlich unzumutbar gewesen. Deshalb habe man den Antrag auf Abbruch genehmigen müssen.

Das für Kassel typische Industrie-Areal mit hochwertiger Architektur gilt seit Jahren als stark gefährdet. Durch eine undichte Dachkonstruktion sei viel Wasser in die Gebäude gelangt, erklärt Kefenbaum. Dadurch habe sich der Schwamm durch die Holzbalkendecken bis in den Keller ausbreiten können und in den dort gelagerten Holzpaletten weitere Nahrung gefunden.

Die betroffenen Gebäude seien nun nicht mehr zu retten. Nicht betroffen davon sei das hohe Ziegelgebäude der Fabrik, das über Stahlbetondecken verfüge. Für dieses ehemalige Lagergebäude, in dem es eine beeindruckende Sackwendelrutsche aus Holz gibt, auf der die Getreidesäcke über vier Stockwerke nach unten geschafft wurden, werde weiter eine Nachnutzung gesucht.

Studenten der Uni Kassel hatten verschiedene Ideen von einer Wohnnutzung bis zum Umbau als Hotel entwickelt. Alles scheitere aber an den Kosten, es finde sich kein Investor, sagt Kefenbaum. Als problematisch gilt auch, dass der Silospeicher auf dem Gelände genutzt wird, was Lärm und Staub mit sich bringt.

Die Raiffeisen-Warenzentrale hat laut Liegenschaftsverwalter Tim Hollstein wegen der hohen Erhaltungskosten die Abrissgenehmigung beantragt. Ideen für eine Nachnutzung gebe es noch nicht. Auf dem Gelände in Bettenhausen Wohnen anzubieten, sei schwierig. „Wir sind halt nicht in Hamburg“, sagt Hollstein.

Von Jörg Steinbach

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