Müll, Spritzen, Fäkalien

Denkmal ist belagert: Trinker- und Drogenszene auf dem Friedrichsplatz

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Montagmittag auf dem Friedrichsplatz: Ein Mann zieht sich offenbar eine Substanz in seine Nase.

Kassel. „Wir haben doch alle den Anspruch, dass sich die Menschen bei uns in der Innenstadt wohlfühlen“, sagt Sabine Amelie Alt, Geschäftsführerin des Bekleidungshauses Sinn-Leffers. Das Unternehmen habe kürzlich erst sehr viel Geld in die Hand genommen, um die Fassade am Friedrichsplatz zu sanieren.

Der Portikus des ehemaligen Residenzpalais am Friedrichsplatz, der in das Geschäftshaus integriert worden ist, macht Alt derzeit wenig Freude. Fast jeden Morgen sei er verdreckt. Müll, Spritzen, Fäkalien zählt die Geschäftsführerin auf. Mitunter komme es vor, dass die Reinigungskräfte sich weigerten, den Dreck wegzumachen.

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Die Trinker- und Drogenszene halte sich seit Wochen wieder verstärkt auf dem Friedrichsplatz auf. Das liegt natürlich auch am Wetter. Einen anderen Grund dafür sieht Alt auch darin, dass zwei Ärzte, die eine Schwerpunktpraxis für Suchtmedizin haben, vom Königs- an den Friedrichsplatz umgezogen sind. Hier bekommen suchtkranke Menschen die Ersatzdroge Methadon.

Eine Szene vom Dienstag dieser Woche: Ein junger Mann kommt auf eine Gruppe biertrinkender Männer und Frauen zu, die ihre Zeit an der Mauer hinter dem Alex verbringen. Auf die Frage, wo er hinwolle, sagt der junge Mann, dass er jetzt einen Termin beim Arzt habe. Danach komme er wieder. Neben der Praxisgemeinschaft ist ein Lebensmittelladen. Dort werde sich mit Getränke-Nachschub versorgt, erzählt eine Mitarbeiterin eines Einzelhandelsgeschäftes am Platz.

Ein Pils kostet dort 49 Cent. Die schwarz-rot-gelben Dosen sind in diesen Tagen vermehrt auf dem Friedrichsplatz zu sehen. Dort wird aber nicht nur Alkohol konsumiert. HNA-Fotograf Andreas Fischer hat Anfang dieser Woche um die Mittagszeit festgehalten (siehe Bild oben), wie ein Mann auf einer roten Bank sitzt und sich offenbar eine Substanz in die Nase zieht.

Sabine Amelie Alt

Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner sind der Polizei im ersten Halbjahr dieses Jahres 16 Fälle bekannt geworden, bei denen Betäubungsmittel auf dem Friedrichsplatz eine Rolle spielten. Im Vergleichszeitraum 2013 seien es sieben Taten gewesen. Das sind Kontrolldelikte, bei denen die Fallzahlen wenig aussagen: Je mehr die Polizei kontrolliert, desto mehr Strafanzeigen werden geschrieben.

Geschäftsführerin Alt kann nicht nachvollziehen, dass die Stadt das Problem nicht in den Griff bekomme. Es könne doch nicht sein, dass so eine prominente Fläche wie der Friedrichsplatz von der Trinker- und Drogenszene dominiert werde. Solche Zustände seien zum Beispiel am Stachus oder auf dem Marienplatz in München nicht vorstellbar, sagt Alt. Der Stadt Kassel werde die Problematik mindestens einmal im Monat beim Treffen der City-Kaufleute mitgeteilt.

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden regelmäßig die Frauen und Männer aus der Szene ansprechen, sagt Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt. „Diese Gespräche haben jedoch lediglich präventiven Charakter und zielen immer auf das Verständnis und Wohlwollen der Personen aus der Szene ab.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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