Auf 4500 Dächern in Kassel dürfen keine Fotovoltaikanlagen installiert werden

Denkmalschutz verhindert Solarstrom

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Ungenutzte Fläche: Auf dem Dach des Fahrradhofes in Niederzwehren wäre ausreichend Platz für eine große Fotovoltaikanlage.

Kassel. Die Elektrofahrräder mit dem eigenen Solarstrom vom Dach aufladen – so hatte sich das die Geschäftsleitung des Fahrradhofes in Niederzwehren gedacht. Doch die Denkmalschutzbestimmungen der Stadt machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.

Bernd-Peter Doose

„Das Dach des Fahrradhofes wäre perfekt für eine Fotovoltaikanlage – eine riesige Fläche, die nach Süden zeigt“, sagt Georg Pestel, einer der Geschäftsführer. Zudem wolle er gern bei dem umweltfreundlichen Trend mitmachen. „Die Elektroräder hängen vier bis sechs Stunden an der Steckdose, und die Beleuchtung im Laden verbraucht viel Strom“, sagt Pestel. Das hätte er gern mit eigenem Strom bedient. Vor zwei Jahren stellte der Fahrradhof deshalb eine Anfrage bei der Stadt, um vorzufühlen, ob eine Baugenehmigung für eine Fotovoltaikanlage möglich wäre. Erfolglos, denn der Laden ist in einem über hundert Jahre alten und denkmalgeschützten Fachwerkhaus untergebracht.

„An solchen Bauten darf nichts angebracht werden, was das äußere Erscheinungsbild verändert“, sagt Georg Kefenbaum vom Denkmalschutzamt Kassel. Einen Anbau hatte das Denkmalamt allerdings genehmigt. Doch das Solarvorhaben musste der Fahrradhof erst mal auf Eis legen. „Jetzt wollen wir noch einen Versuch starten und nachhaken, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, eine Fotovoltaikanlage zu installieren“, sagt Pestel.

Passen würde es, denn Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat angekündigt, aus Kassel „die Solarhauptstadt“ zu machen. Kefenbaum sieht dennoch wenig Chancen für den Fahrradhof: „Es liegt ein Beschluss aus dem Jahr 2009 vor, der besagt, dass die wenigen Denkmäler der Stadt nicht mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet werden sollen“, sagt er. In Kassel betrifft das 4500 Denkmäler und denkmalgeschützte Gesamtanlagen. Das seien lediglich fünf Prozent der Dachflächen, auf 95 Prozent könne man also Solaranlagen installieren. „Damit können wir problemlos Solarhauptstadt werden, ohne die Denkmäler zu verschandeln“, sagt Kefenbaum.

Dem widerspricht Kreishandwerksmeister Bernd-Peter Doose: Denkmalschutz sei zwar wichtig, werde allerdings oft überzogen. „Wenn ein Dach geeignet ist, dann sollte man auch auf einem geschützten Fachwerkhaus eine Fotovoltaikanlage installieren dürfen.“ Wer die Energiewende wolle, dürfe sich nicht mit solchen alten Gesetzen selbst im Wege stehen. Es gebe auch Möglichkeiten, solche Anlagen verdeckt zu installieren. „Dem Handwerk gehen durch solche übertriebenen Schutzmaßnahmen wichtige Aufträge verloren.“

Von Diana Rissmann

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