Kritik an Landesbehörde

Denkmal stoppt Lärmschutz: Erdwall an A44 soll nicht weiter gebaut werden

Erdwall an der A  44: Die Aufschüttung ging durch die Großbaustellen um Kassel - Flughafen, SMA - schneller als erwartet. Ob der Wall, der auch für Lärmschutz sorgen soll, fortgesetzt wird, ist fraglich. Archivfoto: Koch

Nordshausen. Michael Plätzer versteht die Welt nicht mehr. Der Ortsvorsteher von Nordshausen will nicht wahrhaben, dass der Erdwall an der Autobahn 44 nicht weitergeführt werden soll. Seit vielen Jahren werde dieser Wall als Schutz vor dem Autobahnlärm gefordert.

Jetzt hat das Landesamt für Denkmalpflege einen Strich durch die Planungen für eine weitere Aufschüttung gemacht.

Der Wall, der bereits deutlich Konturen bekommen hat, soll auf einer Strecke von 300 Metern unterbrochen werden. In diesem Bereich befinde sich ein schützenswertes Bodendenkmal, so die Behörde. Reste von Siedlungen aus der Eisenzeit (etwa 800 vor Christus) und dem Mittelalter gebe es hier. Dieses Bodendenkmal dürfe nicht zugeschüttet werden. Dafür sei die Bedeutung für die Siedlungsgeschichte Kassels zu groß.

Das muss noch nicht das letzte Wort sein. Die Baufirmen, die den Wall bislang aufgeschüttet haben - Schnittger, Baureka und Eurovia - haben ein Angebot gemacht. Sie wollen das Bodendenkmal auf eigene Kosten dokumentieren. Dafür würde das Gelände elektromagnetisch aufgenommen. Die Konturen des Bodendenkmals könnten so archiviert werden. Ganz selbstlos ist dieser Vorschlag nicht, denn die Firmen verdienen mit dem Erdwall Geld. Hier landet der Aushub von den Großbaustellen.

Michael Plätzer

„Dieser Vorschlag der Firmen ist vernünftig und im Interesse der Menschen in Autobahnnähe“, sagt Michael Plätzer (SPD). Die Chance, den erhofften Lärmschutz zum Nulltarif zu bekommen, müsse man jetzt auch nutzen. Bisher beißt er mit dieser Forderung allerdings auf Granit. Die Denkmalpflege ist von dem Vorschlag der Baufirmen nicht überzeugt. Mit dem Verfahren könne das Bodendenkmal nicht genau genug wiedergegeben werden. Das könne nur eine Ausgrabung leisten, die aber viel zu teuer sei.

Welche Auswirkungen der Erdwall für den Lärmschutz haben wird, ist nach Angaben von Regula-Maria Ohlmeier, Leiterin des städtischen Umwelt- und Gartenamtes, schwer abzuschätzen. „Ich weiß nur, dass die Aufschüttung in Oberzwehren mehr gebracht hat, als wir vermutet haben“, sagt sie. Deshalb werde die Stadt auch das Gespräch mit der Landesdenkmalpflege suchen. Eine Delegation der Bauunternehmer sei bereits in Wiesbaden vorstellig geworden. Ziel sei es, sich auf eine Methode zu einigen, die das Bodendenkmal für die Nachwelt erhalte, ohne weitere Aufschüttungen zu verhindern.

Um den Erdwall und andere Themen geht es am Mittwoch, 19.30 Uhr, bei einer Bürgerversammlung in Nordshausen, Sporthalle auf der Dönche. Dort wird der Magistrat mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen an der Spitze vertreten sein.

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