Amtsgericht: Drei Frauen wegen üblen Beleidigungen auf der Anklagebank

Kassel. Es gibt nicht nur männliche Schmierfinken: Drei Frauen im Alter zwischen 21 und 24 Jahren hatten sich vor etwa einem Jahr auf ihre Art dafür gerächt, dass eine gemeinsame Bekannte sie angeblich gegeneinander ausspielen wollte.

Sie schrieben die Worte „Fotze“ und „Rabenmutter“ an den Balkon der 25-Jährigen in Rothenditmold und kippten zwei Eimer weißer Wandfarbe dort aus. Der Sachschaden beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf rund 1200 Euro. Außer wegen Sachbeschädigung musste sich das Trio am Mittwoch wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten.

Nach Trinkgelage

Dort war keine umfangreiche Beweisaufnahme nötig, denn die drei gestanden alles. „Es war eine Kurzschlussreaktion“, räumte die 21-jährige Angeklagte kleinlaut ein. Sie und die beiden Frauen links und rechts neben ihr auf der Anklagebank hätten „Ärger“ mit der 25-Jährigen gehabt. Nach einem Trinkgelage seien sie gemeinsam auf die „blöde Idee“ gekommen. Die 24-jährige sprühte die unflätigen Worte in gut lesbarem Rot auf die Außenseite des Balkons. Die 22-Jährige kippte die weiße Farbe aus und verzierte die Innenseite mit einer Beschimpfung, die 21 hatte ihr zuvor geholfen, auf den Balkon zu klettern.

Wieder befreundet

„Ich habe mich bereits mehrfach bei ihr entschuldigt und ihr auch geholfen, den Balkon zu reinigen“, so die 24-Jährige, außerdem habe sie 100 Euro gezahlt, um den Schaden wieder gut zu machen. Inzwischen, berichteten die drei Frauen, seien sie wieder mit der 25-Jährigen befreundet. Es habe sich „wieder eingerenkt“, bestätigte auch die verunglimpfte Frau. Vor allem mit der 22-Jährigen habe es zuvor „Theater“ gegeben, nach den Schmierereien hätten die beiden dann offen über ihre Differenzen geredet und sich versöhnt. „Zwölf Jahre Freundschaft wirft man nicht einfach so weg.“

Mit Blick auf das Geständnis und die inzwischen erfolgte Aussöhnung fragte sich Richter Matthias Grund, ob überhaupt eine Strafe nötig ist. Freilich konnte er einige geringfügige Einträge im Vorstrafenregister der drei Damen nicht unter den Tisch fallen lassen.

Er wählte am Ende eines äußerst kurzen Prozesses den Mittelweg und stellte das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage ein, so dass die drei Frauen zwar ohne Verurteilung, aber nicht ohne einen Denkzettel davon kommen. Sie zahlen je nach Tatbeteiligung zwischen 200 und 400 Euro an „Ärzte ohne Grenzen“. (rap)

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