10.000 Tonnen Schutt sind immer noch nicht entsorgt

Salzmann-Gelände: RP räumt Rossing hinterher

Noch immer liegen rund 10 000 Tonnen Schutt auf dem Salzmann-Gelände: 75 000 Kubikmeter Beton und Steine waren beim Abriss von Gebäudeteilen von August bis November 2012 angefallen. Der Großteil davon wurde inzwischen entsorgt. Foto: Malmus

Kassel. Noch immer hat Geschäftsmann Dennis Rossing den Abrissschutt auf dem Salzmann-Gelände nicht vollständig beseitigt. Für Rossing läuft damit heute eine Frist ab, die ihm das Regierungspräsidium gesetzt hat.

„Wenn Rossing bis zum 25. September den Schutt nicht fachgerecht entsorgt, muss er damit rechnen, dass wir das für ihn machen – und ihm dafür die Rechnung schicken“, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums.

Wie Conrad mitteilt, habe der Salzmann-Eigentümer Mitte August noch einmal um Aufschub für die Entsorgung des Restschutts gebeten. „Diese Bitte haben wir aber abgelehnt“, sagt Conrad. „Zum einen hat Rossing in Sachen Schadstoffbelastung noch immer keinen Unbedenklichkeitsnachweis erbracht. Zum anderen hat er noch kein Verwertungskonzept für den Schutt vorgelegt.“

Dennis Rossing

Weil diese Unterlagen bis heute fehlten, könne davon ausgegangen werden, dass sich seit August auf dem Gelände nichts getan habe. „Ob das tatsächlich so ist, werden wir heute sehen“, sagt Conrad. Wenn immer noch Abrissschutt auf dem Gelände gelagert werde, „müssen wir geltendem Recht entsprechen und handeln“, sagt Conrad. Soll heißen: Nach Mahnung sorgt das Regierungspräsidium selbst dafür, dass der Schutt verschwindet – allerdings auf Kosten Rossings.

„Wir werden zunächst Angebote einholen und dann die preiswerteste Variante auswählen“, sagt Conrad. Die erwarteten Kosten liegen im sechsstelligen Bereich – für etwa 10.000 Tonnen Schutt. Im Angebot enthalten sei dann die Unbedenklichkeitsprüfung wie auch die fachgerechte Entsorgung.

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„Dieses Angebot werden wir Rossing im Voraus in Rechnung stellen“, sagt Conrad. Dem Unternehmer werde kein Cent vorgestreckt. „Wir müssten das sonst mit Steuergeldern machen.“ Falls Rossing die Rechnung nicht zahle, könnten Zwangsmaßnahmen eingeleitet werden.

Indessen ist noch völlig unklar, was mit dem Salzmann-Areal weiter geschieht. Nach HNA-Informationen steht der Bad Hersfelder Unternehmer immer noch in Verhandlung mit Interessenten. Rossing selbst war am Mittwoch nicht zu erreichen. Schon im August hatte Rossing erklärt, er werde der Stadt den Rücken kehren.

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Hintergrund: Ein Fall für den Staatsanwalt

Auf Veranlassung des Regierungspräsidiums prüft derzeit die Staatsanwaltschaft Kassel, ob es sich bei dem verbliebenen Abrissschutt auf dem Salzmann-Gelände um eine illegale Mülldeponie handelt. "Wir arbeiten gerade an einer Anfangsverdachtsprüfung", sagt Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. "Das heißt: Wir schauen, ob überhaupt Ermittlungen aufgenommen werden." Formal entspreche das dem normalen Ablauf eines solchen Verfahrens. Wann es zu ersten Ergebnissen komme, sei noch unklar.

Fotos vom aktuellen Zustand auf dem Gelände

Schutt auf dem Salzmann-Gelände

Information: Salzmann dem Verfall preisgegeben

Nachdem Ende April 2013 das Vorhaben endgültig gescheitert war, das Salzmann-Gebäude in ein Technisches Rathaus umzuwandeln (Eigentümer Dennis Rossing hatte den Mietvertrag mit der Stadt nicht unterschrieben), ist das historische Industriegebäude dem Verfall preisgegeben. Von ehemals zwölf Mietern, mit dabei die Kulturfabrik Salzmann, sind inzwischen nur noch drei ansässig.

Weite Teile des Gebäudes sind in einem desolaten Zustand und dem Verfall preisgegeben. "Es wird immer schwieriger, die Immobilie zu unterhalten", sagt Hausverwalter Stefan Traut. Mit Investitionen in das Gebäude durch Dennis Rossing sei nicht zu rechnen.

Von Boris Naumann

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