1025 Juden aus Kassel fuhren in Richtung Vernichtungslager

Deportation aus Kassel startete vor 75 Jahren: Von Gleis 13 in den Tod

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Archivbild: Von der Deportation der Kasseler Juden gibt es kein Foto. Dieses Bild entstand 1942 in Würzburg.

Kassel. Für fast alle der 1025 jüdischen Menschen war es eine Reise ohne Wiederkehr. Am 9. Dezember 1941, vor genau 75 Jahren, traten sie ihren Marsch zum Kasseler Hauptbahnhof an.

Auf Gleis 13 wartete ein Sonderzug, dessen Ziele das jüdische Ghetto in Riga war.

Insgesamt wurden 2500 Juden aus ganz Nordhessen nach Riga sowie in die Konzentrationslager Majdanek und Theresienstadt deportiert. Ein zweiter Sonderzug fuhr am 1. Juni 1942. An Bord der beiden Züge waren unter anderem Männer, Frauen und Kinder aus Kassel, Eschwege, Witzenhausen, Rotenburg, Melsungen und Guxhagen.

Das geht aus den Akten von damals hervor. Von der Bücherverbrennung auf dem Friedrichsplatz gibt es Fotos, von der zerstörten Synagoge an der Bremer Straße nach der Pogromnacht ebenfalls. Von der Deportation der Juden aus Kassel und Umgebung sind keine Aufnahmen bekannt.

Marsch durch die Stadt

Dafür wurde genau dokumentiert, welchen Weg die Menschen damals zum Bahnhof zurücklegten. Sie waren von den Nationalsozialisten schon am Tag zuvor festgesetzt worden. Die Nacht hatten sie in zwei Turnhallen der Bürgerschulen 1 und 2 an der Schillerstraße verbracht. Auf dem Gelände befindet sich heute die Arnold-Bode-Schule.

Vor dem Abmarsch nahm die Gestapo den Opfern Schmuck, Geld und Papiere ab. Von dem Schulkomplex ging es über die Orleansstraße (heute Erzbergerstraße) und die Bahnhofsstraße (heute Werner-Hilpert-Straße) zum Hauptbahnhof. Ein Großteil des Gepäcks wurde in einen Extrawaggon gepackt, der den Bahnhof nie verließ und vor der Abfahrt des Zuges abgekoppelt wurde.

Der Weg zur Deportation: Das Luftbild zeigt Kassel im Jahr 1941. Von den Turnhallen an der Schillerstraße gingen vor genau 75 Jahren 1025 jüdische Menschen aus Kassel und Umgebung zum Hauptbahnhof. Von dort fuhr der Zug nach Riga ab.

Minus 40 Grad Kälte

Was die Menschen damals erlitten, hat einer der wenigen Überlebenden 1946 in einem Brief an Verwandte aufgeschrieben. Das Dokument des Kasseler Juden Siegfrid Ziering wird in der Gedenkstätte Yad Vashem (Jerusalem) aufbewahrt.

Er schrieb: „Am 9.12.41 nachmittags fuhren wir ab. Es waren ungeheizte 3ter Klasse Coupes. Wir fuhren über Berlin, Breslau, Posen, Königsberg, Tilsit und kamen am 12. Dez. 41 in Riga an. Es war 40 Grad Kälte. Das meiste Gepäck ließen wir am Bahnhof auf nimmer Wiedersehen. Bei einem furchtbaren Schneesturm mussten wir ins Ghetto marschieren, zehn Kilometer … Wir bekamen zu zehn Personen ein kleines Zimmer und Küche. Die ersten drei Wochen bekamen wir überhaupt keine Verpflegung. An Frieden und Freiheit dachte schon keiner mehr, unser einziger Wunsch war, als Juden zu sterben, und wenn, dann zusammen.“

Im Kasseler Hauptbahnhof gibt es zwei Mahnmale aus den Jahren 1993 und 2015, die an die Deportierten mit Namen der Opfer erinnern. Sie stammen von dem Kasseler Künstler und documenta-Teilnehmer Horst Hoheisel.

Mahnmal im Kasseler Kulturbahnhof: Diese Lore erinnert an die Deportation.

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