Abwasserleitungen im Bergpark kosten vier Millionen Euro

Der alte Kanal hielt 250 Jahre

Kanal aus dem 18. Jahrhundert: Axel Schäfer (von links), Ralf Bierbüsse und Siegfried Hoss auf der Baustelle.
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Kanal aus dem 18. Jahrhundert: Axel Schäfer (von links), Ralf Bierbüsse und Siegfried Hoss auf der Baustelle.

Im Bergpark Wilhelmshöhe werden für rund vier Millionen Euro die Kanäle erneuert. Unter anderem vor Schloss Wilhelmshöhe gibt es größere Bauarbeiten.

Kassel. Nein, mit der documenta im kommenden Jahr haben die Erdarbeiten unterhalb von Schloss Wilhelmshöhe nichts zu tun. Da gab es ja schon mal Reisterrassen als Kunstwerk. Doch was man derzeit in Höhe der mit einer Schranke abgesperrten Zufahrt zum Schloss sieht, sind Bauarbeiten ohne künstlerischen Anspruch. Die haben es aber trotzdem in sich. Denn was die Bauarbeiter der Firma Hermanns da freigelegt haben, ist durchaus interessant.

„Das ist ein Originalkanal aus dem 18. Jahrhundert“, sagt Ralf Bierbüsse vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen. Der wird vermutlich schon seit rund 250 Jahren zur Entwässerung im Bergpark genutzt. Gebaut wurde er aus Bruchsteinen, die mit Kalkmörtel verbunden und nach oben von Abdeckplatten verschlossen sind. Normalerweise jedenfalls. Denn momentan wurden für die Sanierung die Platten entfernt. Man kann ausnahmsweise mal in den Kanal sehen und dort die eine oder andere Wurzel erkennen, die sich durchgearbeitet hat. Auch deshalb war die Sanierung nach so langer Zeit jetzt nötig.

„Wir versuchen auch hier, so viel wie möglich vom Originalzustand zu erhalten“, sagt Gartenhistoriker Siegfried Hoss von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Um die Leistungsfähigkeit des Kanals zu erhöhen, müssen allerdings auch neue Rohre unter die Erde.

Um die vier Millionen Euro investiert das Land Hessen in die Sanierung der Kanäle im Bergpark. Nicht nur unterhalb des Schlosses, sondern auch entlang des großen Besucherparkplatzes in Höhe der Ochsenallee. Auch der Innenhof des Marstalls kommt noch an die Reihe. Bis zum Spätsommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Dort, wo es nötig ist, trennen wir jetzt auch das Oberflächenwasser vom Schmutzwasser“, sagt Ralf Bierbüsse.

Auch an anderen Stellen im Umfeld des Bergparks wird derzeit gearbeitet. Die Städtischen Werke verlegen Glasfaserkabel und eine neue Stromleitung, die auch die Waldschule anschließt.

Das meiste Wasser bei Regen versickere einfach auf den großen Grünflächen im Park, sagt Siegfried Hoss. Das restliche Wasser werde über die Kanäle in Richtung Drusel geleitet. Das gilt übrigens auch für das Wasser der Wasserspiele. Das fließt ebenfalls über die Drusel Richtung Fulda.

Wenn es denn fließt. Denn aktuell lassen die Kontaktbeschränkungen wegen Corona noch keine Großveranstaltungen zu. Ab und zu werden einzelne Stationen der Wasserspiele trotzdem aktiviert. „Wir müssen immer mal durchspülen“, sagt Siegfried Hoss. Für solche kurzen Sondervorstellungen gebe es allerdings keine Ankündigungen. (Thomas Siemon)

Großbaustelle vor Schloss Wilhelmshöhe: Hier wird der historische Abwasserkanal aus dem 18. Jahrhundert erneuert.

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