Kinder lesen vor, dafür schneidet ihnen Danny Beuerbach die Haare

Der Deal mit dem magischen Friseur

Salon auf dem Teppich: Der siebenjährige Jonas Brill las aus dem Buch „Der magische Frisör“ vor. Währenddessen schnitt ihm der Autor und Friseur Danny Beuerbach im Garten der Grimmwelt die Haare.
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Salon auf dem Teppich: Der siebenjährige Jonas Brill las aus dem Buch „Der magische Frisör“ vor. Währenddessen schnitt ihm der Autor und Friseur Danny Beuerbach im Garten der Grimmwelt die Haare.

Vorlesefriseur Danny Beuerbach war am Samstag an der Grimmwelt in Kassel.

Kassel – „Einen großen Applaus für einen großen Vorleser“, forderte Danny Beuerbach am Samstagmittag das Publikum auf, das auf den Treppen der Rückseite der Grimmwelt saß. Die Kinder, Mütter und Väter klatschen für den siebenjährigen Jonas Brill aus Kaufungen. Der hatte gerade ein ganzes Buch vorgelesen, das Danny Beuerbach selbst geschrieben hat. Der Titel lautet:

„Der magische Frisör“ und ist im Ravensburger Verlag erschienen.

Beuerbach weiß, wovon er schreibt. Er selbst ist nämlich auch Friseur, wahrscheinlich auch ein magischer. Denn Beuerbach bringt seine Kunden auf dem Frisierstuhl dazu, ihm vorzulesen, während er ihnen eine neue Frisur verpasst. Mittlerweile tourt der Friseur, der nach seiner Ausbildung im Jahr 2003 die Welt bereiste, in renommierten Salons und als Gastfriseur bei Fotoshootings, Magazinen und Fashion Shows arbeitete, mit seiner Leseförderungsaktion „Book a look - and read my book“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Wie kommt man auf die Idee, sich von seinen Kunden ein Buch vorlesen zu lassen? Nachdem Beuerbach Jonas die Haare geschnitten und mit Spray „ein bisschen Magic“ auf dem Kopf verteilt hat, beantwortet er die Frage. Früher habe er keine Zeit mehr gehabt, selbst zu lesen. Da habe er ein verstaubtes Buch, „Der Alchimist“ von Paulo Coelho, mit an die Arbeit genommen. Er habe seine Kunden gebeten, ihm daraus vorzulesen. Erst seien sie skeptisch gewesen, dann habe er ihnen als Gegenleistung einen Rabatt für den Haarschnitt angeboten. Dieser Deal funktionierte. Als das Buch fertig war, habe er dann einen Band von den Brüdern Grimm mit in den Salon genommen. Und dann hätten ihm Kinder vorgelesen. Da habe er realisiert, dass „hier etwas ganz Großartiges“ passiere.

Bei seinem Konzept stehe im Vordergrund, dass die Kinder die Angst verlieren, dass sie schlecht Vorlesen könnten, sagt der Friseur, der mittlerweile nur noch in Teilzeit im Salon steht. Die restliche Zeit ist er mit seinem Teppich unterwegs, den er ausbreitet, um darauf den Kindern die Haare zu schneiden. Kostenlos.

Zu seinen Kunden gehörte am Samstag auch Maximilian aus Kassel. Der Achtjährige gehe nicht mehr so gern zum Friseur, erzählte seine Mutter Barbara Foth. Das liege daran, dass er dort jetzt die Haare waschen müsse. Und das gefalle Maximilian nicht, weil bei der Wäsche im Salon auch sein gesamter Rücken nass geworden wäre. Weil Maximilian daraufhin nicht mehr zum Friseur wollte, nahm seine Mutter die Schere selbst in die Hand. „Mama ist die beste Haarschneiderin, die ich kenne“, erzählte Maximilian am Samstag. Seine Mutter sah das etwas anders. „Der Junge braucht wieder eine professionelle Frisur.“ Und so landete Maximilian auf dem Teppich des Vorlesefriseurs. Dort musste man sich vorher nämlich auch nicht die Haare waschen lassen.

Maximilian hatte auch kein Problem mit dem Vorlesen. Im Gegenteil: Er war schneller mit dem Lesen als der magische Friseur mit der Schere. Und so las er das Buch „Jetzt aber dalli“ von Sabine Büchner gleich zwei Mal vor. Zum Schluss gab es Applaus für Vorleser Max und seinen Friseur. „Hübsch siehst Du aus“, sagte Barbara Foth zu ihrem Sohn. Der Achtjährige antwortete: „Das war ganz okay.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)

Vor dem Haarschnitt: Maximilian Foth suchte ein Buch zum Vorlesen aus.

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