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Silvester in Kassel: Es war wieder wie vor Corona

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Von: Matthias Lohr, Anna Weyh

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So viel Feuerwerk über Kassel gab es seit 2019/2020 nicht: Blick vom 13. Stock des H4 Hotel neben der Stadthalle in Richtung Bebelplatz. Zu sehen sind unter anderem die Friedenskirche (links) und die Rosenkranzkirche. Komplettiert wird der Himmel über Kassel vom Laser von Künstler Horst H. Baumann.
So viel Feuerwerk über Kassel gab es seit 2019/2020 nicht: Blick vom 13. Stock des H4 Hotel neben der Stadthalle in Richtung Bebelplatz. Zu sehen sind unter anderem die Friedenskirche (links) und die Rosenkranzkirche. Komplettiert wird der Himmel über Kassel vom Laser von Künstler Horst H. Baumann. © Pia Malmus

Nach zwei Silvestern, die wegen Corona anders ausfielen, war es diesmal wieder so laut und bunt wie vor der Pandemie. Am Königsplatz musste die Stadtpolizei verstärkt für Ordnung sorgen.

Kassel - Der letzte Tag des Jahres beginnt mit einem Superlativ. Schon morgens ist es so warm, dass man im T-Shirt die letzten Erledigungen des Jahres machen kann. Später zeigt das Thermometer 17 Grad an. Der Temperaturrekord aus dem Vorjahr wird damit um 4,5 Grad übertroffen. Wenn das so weiter geht, kann Silvester 2025 im Freibad gefeiert werden.

Der Silvesterabend:

Noch ist es recht ruhig auf Kassels Straßen. Zwar ist das Knallen von Böllern schon seit dem Verkaufsstart von Feuerwerk und Raketen immer wieder vereinzelt in den Straßen Kassels zu hören. Aber noch sitzen viele Familien und Freunde in ihren Wohnungen zusammen und verbringen den Silvesterabend gemeinsam.

Feierten in Harleshausen gemeinsam mit ihrer Familie den Jahreswechsel: Neele Hergesell (links) und ihre Tante Janin Fisseler.
Feierten in Harleshausen gemeinsam mit ihrer Familie den Jahreswechsel: Neele Hergesell (links) und ihre Tante Janin Fisseler. © anna weyh

Bei Neele Hergesell und ihrer Tante Janin Fisseler heißt das ganz untypisch für Silvester: Grillen auf dem Balkon. Die milden Temperaturen werden genutzt. „Danach wollen wir noch ein paar Spiele zusammen spielen“, sagt Neele Hergesell. Um Mitternacht stoßen die beiden gemeinsam mit der Familie auf das neue Jahr an.

Das Feuerwerk:

Bereits um viertel vor zwölf ist der Königsplatz voller Menschen. Das ist ungewöhnlich. Zwischen den Buden des Weihnachtsmarkts werden zahlreiche Raketen abgeschossen. Dazu knallen höllisch laute Böller, die Namen tragen wie „Zeus Special“. In den Häuserschluchten der Innenstadt hallt es so sehr, dass man gar nicht weiß, wo das alles herkommt. Bei Twitter hatte zuvor jemand aus Berlin geschrieben: „Dem Gefechtslärm nach zu urteilen, steht die Rote Armee schon im Wedding.“ Man weiß jetzt, wie er das gemeint hat. Und man kann erahnen, wie sich Flüchtlinge aus der Ukraine gerade fühlen. Um kurz vor Mitternacht strömen die Menschen auch zum Weinberg. Dort kann man nahezu das Feuerwerk der gesamten Stadt sehen.

Auch auf dem Weinberg war viel los.
Auch auf dem Weinberg war viel los. © anna weyh

Die Polizei ist vor Ort, muss aber nicht einschreiten. Alles ist friedlich. Ein Notfallsanitäter vor dem Elisabeth-Krankenhaus hat gerade einen Patienten eingeliefert. „Bisher ist es ruhig. Mal sehen, was noch kommt“, sagt er. Am Bebelplatz ist es sehr laut. Immer wieder ziehen Rauchschwaden über den Platz. Ein Mann sagt, Böllern gehöre einfach zu Silvester. In vielen Geschäften waren die Feuerwerksartikel, die zwei Jahre nicht verkauft werden durften, am Silvestermorgen ausverkauft. Vor der Stadthalle steht wie jedes Jahr ein Ehepaar mit Wunderkerzen und schaut sich die vielen Raketen an. Es sei deutlich mehr los als in den Jahren vor der Pandemie, sagt die Frau.

Die Partynacht:

Kassels Clubs sind gut gefüllt. Gefeiert wird zum Beispiel im neuen Club Kodex sowie in der Techno-Location Graf Karl. Auch vor dem York bildet sich um halb eins eine lange Schlange. Auf der Friedrich-Ebert-Straße tummeln sich ebenfalls zahlreiche Menschen. Das Irish Pub, Joe’s Garage und die Papagayoo Bar sind nur drei von vielen angesagten Party-Adressen in dieser Silvesternacht.

Der Morgen danach:

Es ist wie immer nach einer durchzechten Nacht – danach kommen der Kater und der Müll. Die Feiermeile auf der Friedrich-Ebert-Straße ist um kurz nach acht noch mit abgebrannten Raketen und Böllern, Papier und Glasscherben übersät. Der Königsplatz ist dagegen schon wieder sauber. Die Stadtreiniger sind bereits seit 6 Uhr im Einsatz und nehmen sich nach und nach die ganze Stadt vor. Einer der fleißigen Arbeiter sagt, es sei mindestens so viel Müll wie 2019.

Der Müll war immens: Nicht nur wie hier vor der Stadthalle hatte die Stadtreiniger am Neujahrsmorgen viel zu tun.
Der Müll war immens: Nicht nur wie hier vor der Stadthalle hatte die Stadtreiniger am Neujahrsmorgen viel zu tun. © Dieter Schachtschneider

Im Techno-Club Grauzone am Ständeplatz wird um halb neun immer noch gefeiert. Vor dem Eingang steht ein Dutzend Gäste mit Türstehern. Alle sehen gezeichnet aus – kein Wunder: Für sie begann 2023 mit der längsten Nacht des Jahres – bis jetzt.

Die Bilanz:

Am Sonntagmittag zieht man bei der Stadt Bilanz. Stadtpolizei und Feuerwehr vermelden eine „normale Silvesternacht ohne besondere Vorkommnisse“. Bei der Polizei fällt das Fazit ähnlich aus. Es war wieder wie vor Corona. So seien die Rettungsdienste „wieder mehr mit Behandlungen von Verletzungen durch Feuerwerkskörper gefordert gewesen“. Wer in der Stadt unterwegs war, sah immer wieder Rettungswagen.

Bis etwa 3 Uhr waren neun Stadtpolizisten im Dienst, um das Feuerwerksverbot rund um Kirchen, Krankenhäuser und Heimen zu kontrollieren. Zwei Streifen beobachteten dauerhaft den Königsplatz, weil dieser laut dem Stadtsprecher „außergewöhnlich stark frequentiert war“. Hier seien Böller und Raketen unkontrolliert in Menschenmengen gezündet worden. Auch der hinterlassene Müll sei immens gewesen. (Anna Weyh, Matthias Lohr)

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