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Nicole Maisch ist der grüne Gegenpol im Magistrat

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Von: Florian Hagemann

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Ein Platz blieb frei: Nicole Maisch fehlte erkrankt.
Ein Platz blieb frei: Nicole Maisch fehlte erkrankt. © Andreas Fischer

Die Grüne Nicole Maisch ist in Abwesenheit zur Gesundheitsdezernentin der Stadt Kassel gewählt worden. Was aber bedeutet das für die Kommunalpolitik und die Arbeit im hauptamtlichen Magistrat? Eine Analyse.

Kassel - Mit Nicole Maisch ist der hauptamtliche Magistrat der Stadt Kassel wieder komplett, die Dezernentenstellen sind alle besetzt – und das paritätisch. Drei Männer, drei Frauen, so sollte es sein. Die Grünen ersetzen nach dem Weggang der Grünen Ulrike Gote nach Berlin den Posten der Gesundheitsdezernentin mit der Grünen Nicole Maisch – eine ganz normale Entwicklung. Nichts Besonderes. Oder doch?

Die Personalie Maisch ist auf alle Fälle spannender, als sie auf den ersten Blick erscheint. Mit der 40-Jährigen zieht ein politisches Schwergewicht in den hauptamtlichen Magistrat. Das ließ sich über Ulrike Gote einst auch sagen, schließlich kam sie mit der Empfehlung nach Kassel, mal Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags gewesen zu sein. Immerhin. Was Maisch allerdings von Gote unterscheidet: Sie bringt nicht nur die Erfahrung aus zehn Jahren Bundestag mit, sondern sie hat – anders als Gote – vor allem eine Kasseler Vergangenheit und ist hier bestens vernetzt.

Maisch kann also von jetzt auf gleich eine bedeutende Rolle spielen – in der Kasseler Politik, im Magistrat. Sie eignet sich somit nicht nur als logische Ergänzung für das zuletzt lückenhafte Gremium, sondern auch als grüner Gegenpol zum omnipräsenten SPD-Oberbürgermeister Christian Geselle, der im kommenden Jahr gern wiedergewählt werden möchte. Noch ist nicht entschieden, wer seine Gegenkandidaten sein werden. Maisch aber ist eine – sogar sehr nahe liegende – Option. Sie selbst hat eine Kandidatur bisher nicht ausgeschlossen, was in der Politik mitunter ja schon als halbe Zustimmung gilt.

Maisch müsste zumindest nicht mehr groß ankommen in der Stadt, was von Vorteil wäre in einem Wahlkampf gegen einen Amtsinhaber, der eigentlich immer im Wahlkampfmodus und allgegenwärtig ist. Es gibt kaum eine Pressemitteilung der Stadt, in der Geselle nicht in irgendeiner Form zitiert wird. Er managt das Impfen, die Folgen des Krieges, und zwischendurch entscheidet er mal schnell als Oberbürgermeister, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Städtischen Werke ist, dass Kinder und Jugendliche ab den Osterferien freien Eintritt in die Bäder haben. Seinen Kollegen im hauptamtlichen Magistrat fällt es da schwer, sich zu behaupten und eigene Akzente zu setzen. Maisch könnte das mit ihrem Selbstbewusstsein und Selbstverständnis durchaus gelingen.

Auch wenn das mit der Oberbürgermeisterkandidatin Spekulation ist, für das Amt der Bürgermeisterin ist Maisch mit ihrer Wahl zur Gesundheitsdezernentin quasi automatisch zur Kandidatin geworden. Das hat mit einem Passus im grün-roten Koalitionsvertrag zu tun. Darin heißt es, dass das Amt des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin den Grünen zusteht. Noch hat es Ilona Friedrich von der SPD inne, weil im Koalitionsvertrag auch festgehalten ist, dass keine Abwahlen stattfinden. Friedrichs Amtszeit endet nächstes Jahr. Dann kämen die Grünen für den Bürgermeisterposten ins Spiel – und damit womöglich Maisch.

Das Ganze würde Bewegung in den gesamten hauptamtlichen Magistrat bringen: Für Ilona Friedrich muss das nämlich nicht zwingend das Aus bedeuten. Sie könnte als Dezernentin wiedergewählt werden. Dann würde es womöglich für Kulturdezernentin Susanne Völker mit einer Wiederwahl eng, deren Amtszeit ebenfalls 2023 endet. Denn anders als Friedrich hat die parteilose Völker keine Basis für einen Machterhalt in der Koalition. (Florian Hagemann)

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