Er will Müll vermeiden

Herr der Tauschboxen: Moritz Vogt aus Kassel organisiert Verschenken von Gegenständen

Er kümmert sich um Tauschboxen: Dieses Regal hat Moritz Vogt kürzlich in der Straße Am Schützenhof in Niederzwehren aufgestellt. Hier kann jeder funktionsfähige Gegenstände, die er nicht mehr benötigt, abstellen. Menschen, die sie benötigen, können sich kostenlos bedienen.
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Er kümmert sich um Tauschboxen: Dieses Regal hat Moritz Vogt kürzlich in der Straße Am Schützenhof in Niederzwehren aufgestellt. Hier kann jeder funktionsfähige Gegenstände, die er nicht mehr benötigt, abstellen. Menschen, die sie benötigen, können sich kostenlos bedienen.

Der 15-jährige Moritz Vogt aus Kassel will unnötigen Müll vermeiden. Aus diesem Grund hat er Tauschboxen aufgestellt.

Kassel/Fuldabrück – Ob nun alte Bücher oder Spielsachen, aussortiertes Geschirr, Elektrogeräte oder Kleidung, „ich will nicht, dass so viel weggeworfen wird“, sagt der 15-jährige Moritz Vogt. Dass dem Jugendlichen dieses Anliegen wirklich am Herzen liegt, wird daran deutlich, dass er vor seinem Zuhause in Niederzwehren vergangene Woche eine Tauschbox aufgestellt hat.

Drei Tage hat er zusammen mit seinem Vater Frank Altenhofen daran gebaut. Sie steht vor dem Haus in der Straße Am Schützenhof, in dem er mit seiner Mutter Sylvia Vogt lebt.

Unweit des Hauses seines Vaters in Fuldabrück-Bergs-hausen hat der 15-Jährige bereits vor einem Jahr eine Tauschbox aufgestellt. Direkt an dem Fuß- und Radweg entlang der Fulda, in der Nähe der Gaststätte Fährmann. Vielen Spaziergängern und Radfahrern ist diese Box bekannt. Zudem hat Moritz Vogt geholfen, die „Givebox“, wie diese Konstruktionen auch genannt werden, die Ende Mai am Tannenwäldchen angesteckt worden ist, wieder aufzubauen.

Der 15-Jährige fährt mit seinem Tretroller regelmäßig zu den verschiedenen Tauschboxen, um sie mit nützlichen und intakten Gegenständen zu bestücken. Zum Teil holt er sich von anderen Menschen entsorgte Sachen vom Recyclinghof im Langen Feld. Und er nimmt mit, was mittlerweile viele Menschen einfach auf dem Bürgersteig abstellen. In seiner Tauschbox werden die Gegenstände zumindest nicht nass.

Zwei Drittel seiner Freizeit verbringe ihr Sohn mit der Bestückung der Tauschboxen, erzählt Sylvia Vogt. Dass er dieses außergewöhnliche Hobby mit so viel Hingabe und Ausdauer betreibe, liege auch daran, dass ihr Sohn Autist ist. Bevor er seine Leidenschaft für das Sortieren von Müll entdeckt hat, sammelte Moritz Kerzen und Kronkorken. Doch wenn er diese Sammlungen anderen Menschen gezeigt habe, seien sie nicht so interessiert gewesen, erzählt sein Vater Frank Altenhofen.

Tauschregal am Wasser: Diese Box von Moritz Vogt steht seit einem Jahr am Rad- und Fußweg an der Fulda in Bergshausen.

Dass Moritz Vogt Brauchbares aus dem Müll rettet und den Tausch von Dingen organisiert, kommt gut an. Er mache das, damit alle sich wohlfühlen, erklärt der 15-Jährige, der nach den Sommerferien in die zehnte Klasse der August-Fricke-Schule kommt. Von einem Lehrer der Förderschule hat Moritz einen Bausatz für eine Tauschbox geschenkt bekommen. Die steht jetzt auf dem Schulhof.

Das Tauschregal, das er vergangene Woche in Niederzwehren auf dem Grundstück der Nachbarn (natürlich mit deren Genehmigung) aufgebaut hat, werde schon rege genutzt. „Ich gehe jeden Tag ein paar Mal hin, und es sieht immer anders aus.“ Einige Leute stellen Dinge rein, die sie nicht mehr brauchen, andere holen sich, was sie benötigen. „Es ist ein Geben und Nehmen“, fasst es Sylvia Vogt zusammen. In der neuen Tauschbox gibt es auch eine Pinnwand, an der Nachrichten hinterlassen werden können.

Eine ältere Dame hatte kürzlich darauf geschrieben, dass sie eine Antenne benötige. Jemand hat das gelesen und eine Antenne, die er nicht mehr brauchte, für die Dame hinterlassen. Die wartet nun auf Abholung. Eine Person hat geschrieben, dass sie Löffel und Gabeln benötigt. Und ein Mann, bei dem es letztes Jahr gebrannt hat, schreibt, dass er alte Möbel für seine neue Wohnung sucht.

Moritz Vogt freut sich, wenn er mit seinem Tauschregal Menschen Wünsche erfüllen kann. Wenn er deshalb nicht unterwegs ist, dann guckt er auch gern mal TV. Die Lieblingssendungen des 15-Jährigen: „Bares für Rares“ und „Der Trödeltrupp - Das Geld liegt im Keller“. (use)

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