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Der Katholik Jan Uhlenbrock beteiligt sich an der Aktion „Out in Church“

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Von: Katja Rudolph

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Arbeitet als katholischer Klinikseelsorger: Jan Uhlenbrock in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel, wo er auch Andachten hält.
Arbeitet als katholischer Klinikseelsorger: Jan Uhlenbrock in der Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel, wo er auch Andachten hält. © ANDREAS FISCHER

Für Jan Uhlenbrock, der seit 15 Jahren mit seinem heutigen Ehemann Christian zusammenlebt, war sein öffentliches Coming Out vor allem eines: bestärkend.

Kassel – Anfang Februar, als die Initiative „Out in Church“ bundesweit für Schlagzeilen sorgte, hatte der 52-Jährige sich auf Anfrage der HNA bereit erklärt, in der Zeitung über seine Erfahrungen als schwuler Mann in der katholischen Kirche zu sprechen.

Jan Uhlenbrock ist ausgebildeter Priester und arbeitet heute als Klinikseelsorger im katholischen Elisabeth-Krankenhaus in Kassel. Sein Priesteramt gab er 2005 für die Liebe auf, weil ein Doppelleben für ihn nicht in Frage kam. In der Klinik in Trägerschaft eines Ordensverbunds muss er sein Privatleben nicht verstecken. Viele Patienten, Mitarbeitende, Menschen aus seiner Kirchengemeinde in Vellmar und andere Bekannte hätten ihm nach dem HNA-Artikel Respekt für seinen Mut ausgesprochen, erzählt Uhlenbrock.

„Dabei fand ich es gar nicht so mutig.“ Ihm war es wichtig, Gesicht zu zeigen: für eine offene Kirche, die jeden Menschen so akzeptiert, wie er ist. Für eine Kirche ohne Angst lautet auch das Motto von „Out in Church“. 125 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der katholischen Kirche in Deutschland hatten sich in der beispiellosen Aktion offen als schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell gezeigt. Ein Wagnis, denn damit riskierten sie ihre Jobs. Die dazu erschienene ARD-Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ schaute Jan Uhlenbrock damals unter Tränen. Sie rührte an eigenen Verwundungen.

Inzwischen hat der Kasseler sich der Initiative angeschlossen und ist auch – mit nunmehr 280 weiteren queeren Katholiken – auf deren Webseite zu sehen. Im Bistum Fulda ist Uhlenbrock bislang der einzige, der sich offen in der Bewegung engagiert. Mit drei weiteren Personen, die dies noch nicht wagen, sei er im Gespräch.

„Out in Church“ habe etwas angestoßen, sagt Jan Uhlenbrock. „Die Diskussion ist in Gang gekommen.“ Auch konkrete Veränderungen gibt es inzwischen: So haben die deutschen Bischöfe Ende November mit der „Grundordnung des kirchlichen Diensts“ das katholische Arbeitsrecht geändert. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat angekündigt, die Neufassung im hiesigen Bistum anzuwenden. Sie soll im ersten Quartal 2023 wirksam werden. Wichtigste Änderung: „Der Kernbereich privater Lebensgestaltung, insbesondere Beziehungsleben und Intimsphäre, bleibt rechtlichen Bewertungen entzogen.“ Das bedeutet, wer in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft lebt oder nach etwa einer Scheidung wieder verheiratet ist, kann deshalb nicht mehr gekündigt werden. Das Pflichtzölibat bleibt davon allerdings unberührt.

Ebenso wird in der arbeitsrechtlichen Neufassung Vielfalt in kirchlichen Einrichtung explizit befürwortet. Hierbei gibt es allerdings Kritik von „Out in Church“, dass lediglich von „sexueller Orientierung“ die Rede ist und nicht von sexueller Identität. Ob Transpersonen als Mitarbeitende willkommen sind, bleibt also offen.

Auch Jan Uhlenbrock sagt: „Die Frage, ob Betroffene Angst haben müssen, ist noch nicht zu 100 Prozent vom Tisch.“ Er sieht auch dem Ausgang des Synodalen Wegs als Reformbewegung der katholischen Kirche mit Bauchschmerzen entgegen. Zuletzt gab es aus Rom klare Signale, dass der Vatikan die Ziele des Synodalen Wegs ablehnt.

Mit seiner Aufgabe als Klinikseelsorger sei er glücklich, sagt Uhlenbrock. „Ich habe meine Nische gefunden.“ Und was wäre, sollte er eines Tages von der katholischen Kirche die Chance bekommen, doch wieder als Priester zu arbeiten? „Dann würde ich zurückkommen“, sagt er, „weil es für mich eine Berufung war und ist.“

Jan Uhlenbrock im HNA-Podcast „Mensch, Kassel“

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