Grabmal erst kürzlich restauriert

„Ein Trauerspiel“: Vandalismus in Kassel - Hoher Schaden durch Grabmal-Verwüstung

Zeigt die Folgen des Vandalismus: Pfarrer Willi Temme hält die Teile in der Hand, die der Figur des Landgrafen Philipp in der Martinskirche mutwillig abgetrennt wurden.
+
Zeigt die Folgen des Vandalismus: Pfarrer Willi Temme hält die Teile in der Hand, die der Figur des Landgrafen Philipp in der Martinskirche in Kassel mutwillig abgetrennt wurden.

Das Grabmal von Philipp dem Großmütigen in der Martinskirche in Kassel ist Opfer von Vandalismus geworden. Der finanzielle Schaden liegt im fünfstelligen Bereich.

Kassel – „Es ist ein Trauerspiel“, sagt Willi Temme, der Pfarrer der Martinskirche in Kassel. Auf was er sich bezieht, wird beim Blick auf das Grabmal für Landgraf Philipp den Großmütigen und Christina von Sachsen deutlich: Teile der lebensgroßen Figur, die den Landgrafen zeigt, sind abgetrennt – die Folgen von Vandalismus in der Martinskirche, der sich am 14. August ereignet haben muss.

Da sah die Aufsicht, dass die Figur des Landgrafen beschädigt wurde. Ihr fehlen seitdem ein Arm und ein metallenes Schwert, das golden glänzt. Beides fand die Mitarbeiterin auf dem Boden. Die Teile liegen nun gut verstaut in der Kirche. Temme schätzt, dass der finanzielle Schaden im fünfstelligen Eurobereich liegt. Vor allem spricht der Pfarrer aber von einem immensen ideellen Schaden, der entstanden ist. Denn kunsthistorisch sei das Grabmal von großer Bedeutung.

Vandalismus in Kassel: Grabmal in Martinskirche wurde erst aufwendig restauriert

Das auch Epitaph genannte Werk wurde nach dem Tod des Landgrafen im Jahr 1567 von der Kasseler Hofbildhauerwerkstatt über der Fürstengruft errichtet, wie der Stadthistoriker Christian Presche in einer Abhandlung über das Grabmal schreibt. Es überstand weitgehend unbeschadet den Zweiten Weltkrieg – Pfarrer Temme bezeichnet das als kleines Wunder. Anfang dieses Jahrhunderts wurde es schließlich aufwendig restauriert.

Erst kürzlich wurde in der Kasseler Martinskirche eine digitale Spendensäule installiert. Die Besucher können mit Giro- oder Kreditkarte kontaktlos Geld einzahlen. Die Hoffnung ist groß, dass somit mehr Spenden zusammenkommen.

Und nun also das. Die Versicherung ist informiert, die Polizei hat ermittelt, wie Sprecher Matthias Mänz bestätigt. Allerdings seien die Ergebnisse ohne einen Tatverdacht an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Vandalismus in Kassel: Pfarrer der Martinskirche verweist auf Drogenkriminalität

Pfarrer Temme äußert in diesem Zusammenhang auch eine Vermutung, indem er auf ein Problem rund um die Martinskirche verweist: die Drogenkriminalität. Immer wieder tauchten dort Süchtige auf, die nicht rational zu fassen seien – getrieben davon, an Geld zu kommen. Beispielsweise an das Geld aus dem Opferstock, der deshalb schon zweimal beschädigt wurde. Früher hätten auch schon mal Spritzen auf dem Platz vor der Kirche gelegen. „Aber ich habe schon länger keine mehr gesehen“, sagt Temme.

Mit dem HNA-Newsletter Kassel nichts mehr aus der Region verpassen.

Polizeisprecher Mänz bestätigt, dass das Gebiet rund um die Martinskirche und den Stern ein Kriminalitätsschwerpunkt und auch ein Schwerpunkt der Drogenkriminalität ist. Das sei nach wie vor so, auch wenn die Polizei dort mittlerweile verstärkt im Einsatz sei.

Trotz des jüngsten Vorfalls verteidigt Temme das Prinzip der offenen Kirche. Jeden Tag ist die Martinskirche von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Daran will der Pfarrer festhalten. „Wir haben eigentlich auch keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Die Schäden durch Einbrüche sind größer.“ Zumindest galt das bis zum 14. August – bis zur Tat an Landgraf Philipp. „Wo es gestörte Menschen gibt, sind wir aber nie davor gefeit, dass solch ein Schaden entsteht“, sagt Temme. (Florian Hagemann)

Seit der Corona-Krise hat der Vandalismus in einigen Orten im Kreis Kassel zugenommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.