17 Jahre im Vorstand der Gesundheit Nordhessen Holding

Arbeitsdirektorin Birgit Dilchert verlässt das Klinikum Kassel am Möncheberg

Abschied nach 17 Jahren als GNH-Vorstandsmitglied: Birgit Dilchert vor dem Klinikum.
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Abschied nach 17 Jahren als GNH-Vorstandsmitglied: Birgit Dilchert vor dem Klinikum.

17 Jahre lang war Birgit Dilchert Personalvorstand und Arbeitsdirektorin der Gesundheit Nordhessen Holding. Jetzt ist sie in Ruhestand gegangen.

Kassel ‒ Dass Birgit Dilchert nun nahezu geräuschlos in Ruhestand gegangen ist, hat in erster Linie mit Corona zu tun. Gern hätte sich die 63-Jährige im großen Kreis verabschiedet – nach 17 Jahren als Arbeitsdirektorin und Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen Holding: Sie hätte einige Mitarbeiter und Kollegen am liebsten noch einmal umarmt, sie gedrückt.

Aber die Pandemie hat auch das nicht zugelassen. So hat Dilchert im Januar eher leise ihren Platz am Möncheberg geräumt. Kein Vergleich zu ihrem Start als Vorstandsmitglied der Holding.

2004 sorgte die Personalie Dilchert für Aufsehen – politisch und medial. Die Berufung der Gewerkschaftssekretärin, die zuvor schon 15 Jahre für das Klinikum zuständig war, wurde hinterfragt, ebenso ihr Gehalt. Dilchert war plötzlich in den Schlagzeilen. „Das war keine leichte Zeit“, sagt sie heute. Sie hat das damals ausgehalten, ist geblieben. Der Sturm zu Beginn hat sie geprägt: „Jetzt kann mich nichts mehr erschüttern“, sagte sie sich – und sie verweist in dem Zusammenhang auf die vielen, die sie damals unterstützt hätten. „Ich habe mich niemals allein gefühlt.“

So wurde aus Dilchert eine Konstante, die in 17 Jahren vier Vorstandsvorsitzende erlebte: Josef Sebastian Oswald, Gerhard Sontheimer, Karsten Honsel und Michael Knapp, der heute die Geschicke leitet. Mit ihnen bildete Dilchert jeweils ein Vorstandsduo, wobei die Geschichte eine Pointe hat: Zwei Monate nach ihrem turbulenten Start stand Dilchert nach dem überraschenden Weggang des Vorsitzenden Oswald plötzlich ganz allein an der Spitze der Holding mit ihren 4500 Mitarbeitern. Sie blickte nach vorn und sagte sich: „Ja, ich schaffe das.“

Sie packte ihre Themen an: das Unternehmen in kommunaler Trägerschaft halten, Tarifbindung, Personalentwicklung, Ausbildung, Weiterbildung, betriebliches Gesundheitsmanagement, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Das waren damals Randthemen“, sagt sie. Heute ist sie stolz darauf, dass die GNH von der eigenen Ausbildung profitiert und es trotz aller Schwierigkeiten auf dem Markt Fachkräfte ans Kasseler Klinikum zieht.

Einen Grund dafür sieht sie auch in der Kita, die in einen Neubau gezogen ist und den Mitarbeitern die Chance bietet, den Nachwuchs während der Arbeitszeit betreuen zu lassen. Vor zwei Jahren war das, von Corona sprach damals noch niemand. Die Pandemie hat zuletzt weite Teile der Arbeit auf dem Möncheberg bestimmt. Bei all den Schicksalen, die damit verbunden sind, hat Dilchert da auch ein großes Miteinander der Mitarbeiter erlebt. Das hat sie gefreut, weil es anknüpft an ihre Kulturvision für das Unternehmen, wie sie das nennt. Sie lautet: Miteinander Verantwortung leben. „In der Coronazeit wird das praktiziert. Die Kollegen bewältigen sie mit einem einzigartigen Engagement.“

Corona bleibt, Dilchert aber geht, die Nachfolge steht noch nicht fest. Es gibt bessere Zeitpunkte. Aber die Entscheidung ist schon lange gefallen. Es ist nun Zeit für andere Dinge, wenn die Pandemie es zulässt. Dilchert liest gern, sie will ihr Englisch verbessern, damit sie ihr Mann, ein Englischlehrer, nicht immer korrigiert, und sie möchte noch eine weitere Fremdsprache lernen, um sich auf Reisen zu verständigen.

Eine große Fahrt im Februar hat sie schon absagen müssen, aber die gebürtige Spangenbergerin, die heute in Fritzlar wohnt, ärgert sich nicht groß. Auch wenn sie die GNH zu ihrer Heimat erklärt hat, mag sie auch die Gegend, aus der sie stammt. Sie bleibt einfach hier, bis der Sturm vorbei ist. Es kommen wieder bessere Zeiten. Sie weiß das aus Erfahrung. (Florian Hagemann)

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