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Der Puma: Vom Prestigeprojekt zum Problemfall

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Von: Barbara Will

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Der hochmoderne Puma soll den angejahrten Schützenpanzer Marder ablösen. Eine speziell ausgestattete Variante versagte nun bei einer Übung.
Der hochmoderne Puma soll den angejahrten Schützenpanzer Marder ablösen. Eine speziell ausgestattete Variante versagte nun bei einer Übung. © Philipp Schulze/dpa

Rheinmetall und KMW versprechen schnelle Instandsetzung des Pannenpanzers Puma.

Kassel/München/Düsseldorf – Nach den Puma-Pannen stehen die Hersteller Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) unter Druck. Der Schützenpanzer, der in der Bundeswehr Dienst tut, wurde für Einsätze der Nato-Speerspitze VJTF nachgerüstet – im Rahmen des Kontingents, das Deutschland bei dem Verteidungsbündnis stellt. Bei einer Schießübung des Heeres fielen alle 18 Pumas aus. Die Panne ist besonders blamabel, weil Deutschland im Januar die Führung der schnellen Nato-Truppe übernimmt, deren Aufgabe es ist, im Ernstfall innerhalb von zwei bis drei Tagen am Einsatzort zu sein. Nun soll der 50 Jahre alte Puma-Vorgänger Marder wieder ran, ebenfalls ein Rheinmetall-Produkt.

Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall beschäftigen in Kassel zusammen gut 2500 Menschen. Das Puma-Projekt teilen sie sich in ihrem Gemeinschaftsunternehmen PSM GmbH. Gefertigt werden Teile des Schützenpanzers in Kassel, und der Standort ist auch an dessen Nachrüstung beteiligt.

Was das Debakel für die hiesigen Werke der Unternehmen bedeutet, ist noch unklar. Die Unternehmen nahmen dazu auf Anfrage bislang nicht Stellung.

Dafür machen sie zur Schadensbeseitigung mobil. „Seit heute befunden Experten von KMW und Rheinmetall einen Teil der schadhaften Puma-Schützenpanzer der Bundeswehr“, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Ziel sei zuallererst, „ein qualifiziertes Schadensbild entstehen zu lassen, um davon ausgehend die umgehende Instandsetzung in die Wege zu leiten.“ Die Industrie habe in Abstimmung mit dem Bundesverteidigungsministerium bereits „weitgehende Maßnahmen“ eingeleitet: „Alle Kräfte sind nun darauf gerichtet, die Fahrzeuge in den nächsten zwei bis drei Wochen instand zu setzen“. Um ganz sicher zu gehen, will man offenbar in die vorderste Linie: „Um die Bereitschaft der VJTF-Kräfte über den gesamten Zeitraum des Einsatzes verlässlich zu gewährleisten, sollte die Industrie zur Begleitung des Schützenpanzers Puma als Teil des Verbandes kontinuierlich vor Ort bereitstehen und hinzugezogen werden.“

Die Eile tut auch not, denn Bundesverteidungsministerin Christine Lambrecht (SPD) ist politisch unter Druck geraten und gibt ihn an die Panzerbauer weiter. Sie erwarte, dass die Pumas schnellstmöglich instand gesetzt werden“, sagte sie dem ZDF und wurde noch deutlicher: „Wir brauchen verlässliche Lösungen – oder die Entscheidung, nicht mehr länger auf den Puma zu setzen.“ Den Nachkauf legte die SPD-Politikerin vorerst auf Eis.

Für die Rüstungskonzerne wäre ein eingeschläferter Puma ein herber Schlag, loben sie ihn doch als ein „Herzstück der verbundenen digitalisierten Landstreitkräfte der Bundeswehr“. Erst Anfang dieses Jahres, noch vor dem russischen Angriff auf die Ukraine, hatten sie ihn der Bundesregierung wieder in Erinnerung gebracht. Denn aus einem alten Auftrag ist noch ein zweites Los über 229 Stück offen. Die Unternehmen machten deshalb selbst ein Angebot im Wert von 3,67 Milliarden Euro. Damit nicht genug. Die 350 Puma-Panzer der Bundeswehr sollen sukzessive nachgerüstet werden. Wert der Aufträge: zusammen etwa 1,8 Milliarden Euro. (Barbara Will)

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